SpOn 15.03.2026
14:59 Uhr

Kuba: Raúl Guillermo Rodríguez Castro steht in den Startlöchern


Die US-Operation gegen Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro betrifft auch Kuba. Die Karibikinsel ächzt seither unter einer schweren wirtschaftlichen Krise. Nun könnte ein altbekannter Name in die erste Reihe zurückkehren.

Kuba: Raúl Guillermo Rodríguez Castro steht in den Startlöchern

Kuba steckt in einer seiner schwersten Wirtschaftskrisen seit der Revolution von 1959. Die US-Militäroperation im verbündeten Venezuela hat die Lage im Land noch einmal verschärft. Kuba profitierte vom subventionierten Öl vom Festland, man könnte auch sagen: Kuba war davon abhängig. Doch seit Mitte Dezember kommt nichts mehr.

Die Lage im kommunistisch regierten Karibikstaat ist derzeit entsprechend angespannt. In der Krise scheint ein Familienname wieder wichtiger zu werden: Castro. Fidel Castro war es, der 1959 die kubanische Revolution anführte. Später war er jahrzehntelang Staats- und Regierungschef. Seit Kurzem tritt der Enkel seines Bruders Raúl Castro in vorderster Front auf: Raúl Guillermo Rodríguez Castro.

Laut einem CNN-Bericht  trat Rodríguez Castro am Freitag bei zwei öffentlichen Veranstaltungen neben Kubas Präsidenten Miguel Díaz-Canel auf. Das wirft die Frage auf, welche Rolle der Spross bei einem von den Vereinigten Staaten angestrebten Machtwechsel spielen könnte.

Menschen auf den Straßen Havannas: Enorme wirtschaftliche Probleme

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Foto: Yamil Lage / AFP
Kubanischer Müllsammler bei der Arbeit: Unzufriedenheit in der Bevölkerung

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Foto: Yamil Lage / AFP

US-Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Wochen angedeutet, dass nach der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und dem Irankrieg Kuba als Nächstes auf seiner Agenda steht. Trump wiederholt seit Wochen, dass der Karibikstaat kurz vor dem Scheitern stehe und es über seine Zukunft bereits »Verhandlungen« gebe. Hintergrund dürfte die von Trump propagierte Doktrin sein, die USA müssten die Kontrolle über die sogenannte westliche Hemisphäre haben. Und dazu gehört neben Grönland und Venezuela nun mal auch die Karibikinsel.

Leibwächter und engster Vertrauter

Die Auftritte Rodríguez Castros, bei einem Kabinettstreffen und einer Pressekonferenz, sorgen auch deshalb für Aufsehen. US-Medien hatten in der vergangenen Woche über Gespräche zwischen Castro und Washington berichtet. Laut einem Bericht des »Miami Herald« trafen sich die Berater des US-Außenministers Marco Rubio Ende Februar am Rande eines Gipfels in St. Kitts und Nevis mit Rodríguez Castro. Eigentlich gilt er als Leibwächter und engster Vertrauter seines Großvaters Raúl Castro, der bedeutendsten verbliebenen Führungsfigur aus der Generation der Guerilleros.

Die Beziehungen zwischen Havanna und Washington sind seit der Revolution unter Fidel Castro 1959 angespannt. Es ist unklar, ob sich daran nachhaltig etwas ändern wird. Aber immerhin: Kuba bestätigte Gespräche. Es werde ein Dialog geführt, um »nach einer möglichen Lösung für die zwischen beiden Ländern bestehenden bilateralen Differenzen zu suchen«, sagte Präsident Miguel Díaz-Canel. Der Austausch mit Washington sei durch »internationale Akteure« begünstigt worden, sagte er, ohne nähere Einzelheiten zu nennen.

Denn der Druck auf Havanna steigt. Nicht nur von Trump, sondern auch aus dem Inland: Am Samstag berichteten Medien von wütenden Protesten, Demonstranten verwüsteten demnach ein Büro der Kommunistischen Partei in Moron, östlich der Hauptstadt. Im Internet verbreitete Videos zeigen, wie die Protestierenden in der Nacht in das Parteibüro in Moron östlich von Havanna einbrechen und Akten, Computer und Möbel auf die Straße schleppten und in Brand setzten.

Präsident Díaz-Canel verurteilte die Ausschreitungen. Zugleich gestand er in einem seltenen Schritt ein, dass es Unzufriedenheit in der Bevölkerung gebe.

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»Man kann die Unzufriedenheit unserer Bevölkerung angesichts der anhaltenden Stromausfälle verstehen«, erklärte Díaz-Canel. »Was niemals verstanden oder gerechtfertigt werden kann, ist Gewalt«, fügte er mit Blick auf die Ausschreitungen in Moron hinzu. Seit Ende vergangenen Jahres gab es mehrere landesweite Stromausfälle, die teilweise tagelang andauerten. Fast täglich haben die Menschen mit kürzeren Blackouts zu kämpfen.

Die USA betrachten Lateinamerika seit jeher als ihre Einflusssphäre. Diese Politik begann vor 200 Jahren mit einer Doktrin, auf die sich nun auch Donald Trump beruft. Mehr dazu lesen Sie hier .

hba/dpa