SpOn 08.03.2026
21:00 Uhr

Landtagswahl Baden-Württemberg: SPD fährt historisch schlechtestes Ergebnis ein


Von einer Volkspartei zur Randerscheinung knapp über der Fünfprozenthürde in 25 Jahren: Die SPD muss in Baden-Württemberg eine Klatsche hinnehmen. Die Parteiführung in Berlin hofft bereits auf die nächste Landtagswahl in zwei Wochen.

Landtagswahl Baden-Württemberg: SPD fährt historisch schlechtestes Ergebnis ein

Die SPD fährt bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ein weiteres desaströses Ergebnis ein. Mit 5,5 Prozent der Stimmen halbieren die Sozialdemokraten ihr Ergebnis von 2021 und erreichen einen neuen Tiefstwert, der bundesweit seinesgleichen sucht. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa ist es das schlechteste Ergebnis, das die Partei auf Landes- oder Bundesebene in der Bundesrepublik eingefahren hat.

Besonders dramatisch wird der Niedergang der SPD mit Blick auf die historischen Ergebnisse der Partei im Südwesten. Seit den Fünfzigerjahren erreichte die SPD in Baden-Württemberg konstant über 25 Prozent, auch die 30-Prozent-Marke wurde regelmäßig übertroffen. Noch 2001 hatte die Partei 33,3 Prozent der Stimmen geholt, dann ging es bergab. Nach 25,2 Prozent fünf Jahre später kamen die Sozialdemokraten 2011 auf 23,1 Prozent und danach vor zehn Jahren nur noch auf 12,7 Prozent. 2016 wurden es dann 11 Prozent.

Die rund 5,5 Prozent in Baden-Württemberg lösen den bisherigen Negativrekord der SPD in Thüringen (6,1 Prozent im September 2024) ab. Auch in anderen Ländern kamen die Sozialdemokraten nur noch auf einstellige Werte: Beispiele aus jüngster Zeit sind Sachsen (2024: 7,3 Prozent), Bayern (2023: 8,35) und Sachsen-Anhalt (2021: 8,41).

Landeschef kündigt Rückzug an

Im Bund verzeichnete die SPD bei der vorgezogenen Wahl Anfang vergangenen Jahres mit 16,4 Prozent ihren Tiefstand. Zuvor hatten die Sozialdemokraten nach der Bundestagswahl im Herbst 2021 (25,71 Prozent) noch den Kanzler gestellt.

In Baden-Württemberg wird das schwache SPD-Ergebnis absehbar personelle Konsequenzen haben. Er werde angesichts des sich abzeichnenden historisch schlechten Wahlergebnisses für die SPD zurücktreten, kündigte Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch bereits kurz nach den ersten Hochrechnungen an. Er wolle der Partei und der Fraktion eine Neuaufstellung vorschlagen. »Viele Menschen in diesem Land brauchen eine starke, eine wieder erstarkende SPD«, sagte er. Er werde die Neuaufstellung nach Kräften unterstützen.

SPD-Co-Parteichefin Bärbel Bas führte die Niederlage ihrer Partei in Baden-Württemberg auf die starke Polarisierung zwischen den Spitzenkandidaten von Grünen und CDU zurück. »Das ist ein sehr bitterer Wahlabend«, sagte Bas am Sonntagabend der ARD. Die SPD sei mit ihren Themen »nicht durchgedrungen«.

Dabei habe ihre Partei durchaus Themen gesetzt, betonte Bas. »Wir haben deutlich gemacht, dass wir die Industriearbeitsplätze schützen, dass wir die Energiepreise senken«. Grüne und CDU hätten jedoch »alle Stimmen abgesaugt, weil es diesen Zweikampf zwischen den Kandidaten für das Ministerpräsidentenamt gegeben hat«.

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Bas blickte bereits auf die nächste Landtagswahl in Rheinland-Pfalz in zwei Wochen. Dort werde es – wie bereits in Baden-Württemberg zwischen dem Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir und dem CDU-Kontrahenten Manuel Hagel – ein Duell geben, sagte Parteichefin Bas. In Mainz kämpft SPD-Ministerpräsident Alexander Schweitzer gegen den CDU-Kandidaten Gordon Schnieder um die Gunst der Wählerinnen und Wähler.

Die SPD habe selbstverständlich weiter den Anspruch, Volkspartei zu sein, sagte Bas. »Wir wollen für die Gesamtbevölkerung da sein.«

fek/dpa