Nach der Verletzung von Nationalspieler Lennart Karl kam es im Mannschaftshotel offenbar zu einem emotionalen Abschied. Das berichtete der Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) Bernd Neuendorf. Demnach verabschiedeten Bundestrainer Julian Nagelsmann und die Nationalspieler den 18-jährigen Karl in der Nacht von Freitag auf Samstag (deutscher Zeit) im Kreise der Mannschaft. Kurz zuvor war Karl von einer Untersuchung aus dem Krankenhaus zurückgekehrt. Diese hatte Gewissheit gebracht, dass er die Weltmeisterschaft in den USA verpassen wird.
»Julian (Nagelsmann) war da, hat noch ein paar Worte gesagt, die ganze Mannschaft war da. Er hat auch noch ein paar Worte gefunden, obwohl ihm das schwergefallen ist«, berichtete Neuendorf über Karl und die Zusammenkunft zu seine Verabschiedung. »Er war extrem traurig, sind auch glaube ich schon ein paar Tränen geflossen«, erzählte Neuendorf von den Szenen im Waldorf Astoria Hotel.
Offensivspieler Karl hatte sich im Abschlusstraining für die WM-Generalprobe am Samstag (20.30 Uhr/RTL) gegen die USA einen Muskelbündelriss im linken Oberschenkel zugezogen und fällt länger aus. DFB-Boss Neuendorf berichtete von einem Dämpfer für die Atmosphäre im Team gut eine Woche vor dem WM-Auftakt am 14. Juni in Houston gegen Curaçao. »Das drückt so ein bisschen die Stimmung, muss man sagen«, sagte der 64-Jährige.
Viele Herzen auf Instagram
Karl schrieb in einem Beitrag auf seinem Instagram-Kanal, dass es »unbeschreiblich wehtut, das größte Turnier verpassen zu müssen«. Er wünsche seinem Team maximalen Erfolg, schrieb er in der Nacht von Freitag auf Samstag. »Komme stärker zurück, versprochen«, ergänzte Karl.
Unter dem Beitrag sammelten sich Tausende Kommentare, darunter auch zahlreiche unterstützende Herzen in Emoji-Form von Kollegen aus der Nationalmannschaft wie Jonathan Tah, Antonio Rüdiger, David Raum oder Nick Woltemade. Auch Leroy Sané, der durch Karls Verletzung mehr Spielzeit bekommen könnte, kommentierte mit einem Herz.
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Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sprach von einem »Schock« angesichts der Nachricht über die schwere Verletzung des 18-Jährigen, der noch am Freitagabend (Ortszeit) aus Chicago abreiste. »Es ist aber auch das Risiko, das du als Spieler hast, eben mit Verletzungen klarzukommen, dass sie natürlich zum ungünstigsten Zeitpunkt jetzt gekommen ist.« Karl tue ihm leid, aber es gehe auch für ihn weiter, sagte der 65-Jährige. Der Weltmeister von 1990 erinnerte an seinen Kreuzbandriss, der ihn um die EM-Teilnahme 1992 gebracht hatte.
Karl sollte der X-Faktor sein
Offensivspieler Lennart Karl galt als einer der Hoffnungsträger für die WM. Karl war drauf und dran, sich in die erste Elf zu dribbeln und zu schießen. Karl selbst fasste diesen Stil einmal als »frech sein« zusammen. Genau genommen bedeutet das, so Karl, Fußball zu spielen, »ohne sich zu scheißen«, also ohne Angst. Einfach machen. Damit hätte der Spieler vom FC Bayern München bei der Weltmeisterschaft der X-Faktor im deutschen Team werden können. (Lesen Sie hier mehr darüber, wie seine Leichtigkeit dem Team bei der WM helfen sollte.)
Bundestrainer Julian Nagelsmann sprach betroffen von »einem großen Schock« für alle im DFB-Tross – und besonders für »Lenny«. Nagelsmann hätte aller Voraussicht nach den Mut gehabt, WM-Neuling Karl in eine Offensivreihe mit Jamal Musiala und Florian Wirtz zu stellen. Nun muss er schnell umdenken.
Ouédraogo wird nachnominiert
Für Karl wird Assan Ouédraogo nachnominiert. Der 20 Jahre alte offensive Mittelfeldspieler von RB Leipzig gilt ebenso wie Karl als Juwel. Er wird direkt zum WM-Teamquartier nach Winston-Salem kommen.
Ouédraogo stoppten schon in jungen Jahren immer wieder Blessuren. Beim 6:0 zum Abschluss der WM-Qualifikation gegen die Slowakei erzielte er im November 2025 bei seinem Länderspieldebüt gleich ein Tor – und das im Leipziger Heimstadion. Direkt danach fiel er erst mal wieder verletzt aus.
Nagelsmann ist ein Fan des Spielers. Das wurde auch im Video des DFB zur Nachnominierung sofort wieder deutlich: »Assan, du hast leider trotz jungen Jahren schon eine ganz, ganz lange Verletzungshistorie. Trotzdem hast du dich immer zurückgekämpft und bist ein unfassbar außergewöhnlich guter, talentierter Spieler.«
