SpOn 06.10.2026
10:37 Uhr

McKinsey: Drei Berater wollen Betriebsrat vor Gericht erzwingen


Es wäre ein Novum: Bei der Unternehmensberatung McKinsey kämpfen drei Angestellte um die Gründung eines Betriebsrats. Die Führung sieht ihre Leistungskultur bedroht.

McKinsey: Drei Berater wollen Betriebsrat vor Gericht erzwingen

Bei Deutschlands Topunternehmensberatung gibt es Zoff: Drei Mitarbeiter wollen offenbar die Bestellung eines Wahlvorstands für die Gründung eines Betriebsrats gerichtlich erzwingen. Das berichtet das »Handelsblatt« .

Demnach strengen die Initiatoren ein Beschlussverfahren an. Eine Gerichtssprecherin der Berliner Gerichte für Arbeitssachen bestätigte dem »Handelsblatt« den Vorgang auf Nachfrage. Das Eilverfahren wurde demnach abgelehnt, der Termin für die Verhandlung in der Hauptsache sei auf den 29. Juli 2027 festgesetzt.

Laut dem Bericht war die Bestellung eines Wahlvorstandes zunächst nicht gelungen, weil sich eine Mehrheit der Beschäftigten auf einer Betriebsversammlung dagegen aussprach. »In einer Betriebsversammlung in unserem Berliner Büro hat sich eine Zweidrittelmehrheit in geheimer Abstimmung gegen die Einsetzung eines Wahlvorstands ausgesprochen«, sagte eine Sprecherin des Unternehmens dem »Handelsblatt«.

Nach Informationen des »Handelsblatts« handelt es sich bei den Initiatoren um zwei Männer und eine Frau, die bei McKinsey als »Digital Expert« und »Director of Product, AI« im Berliner Büro tätig sind. Mit ihnen liefen zum Teil schon länger Kündigungs- und Entgeltverfahren mit bereits terminierten Güte- und Kammerterminen. Eine Sprecherin des Arbeitsgerichts bestätigte dies dem »Handelsblatt«.

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Ein Betriebsrat kann in jedem Betrieb ab fünf Mitarbeitern gegründet werden, sofern dies eine Mitarbeiterversammlung beschließt. Gelingt dies dort nicht, können Arbeitnehmer auch gerichtlich einen Wahlvorstand für die Gründung eines Betriebsrats bestellen lassen. Allerdings müssen Gerichte entscheiden, ob der Schritt zulässig ist.

Künftig nur noch Dienst nach Vorschrift?

Für die Branche der Unternehmensberatungen wäre der Schritt historisch. Bisher gibt es bei keiner der großen vier Beratungen in Deutschland – neben McKinsey sind das Bain, Boston Consulting Group (BCG) und Roland Berger – einen Betriebsrat. Sie regeln ihre betrieblichen Angelegenheiten wie Vergütungen, Beförderungen und Kündigungen ohne eine solche Institution der Mitbestimmung.

Bei McKinsey ist man deshalb alarmiert. Ein Partner der Firma, der namentlich nicht genannt werden möchte, sprach gegenüber dem »Handelsblatt« von einer »höchst delikaten Angelegenheit«. Er sehe das Geschäftsmodell von McKinsey gefährdet, wenn in der Firma über jedes neue IT-Tool, Beförderungen und Kündigungsprozesse abgestimmt werden müsse und alle nur noch Dienst nach Vorschrift machen würden.

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Beim Arbeitsrechtler Maximilian Witzel stößt das Vorhaben auf Zustimmung. »Ich würde die Gründung eines Betriebsrats bei McKinsey – und generell im Consulting – ausdrücklich begrüßen«, schrieb er auf LinkedIn. Denn gerade hier träfen »hohe Leistungsanforderungen, flexible Arbeitszeiten, Digitalisierung und tiefgreifender technologischer Wandel aufeinander«.

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