SpOn 24.09.2026
09:30 Uhr

Medien-Playbook der AfD und ihrer Influencer: Rechte Streamer im Wahlkampf


Die AfD pfercht Journalisten hinter »Schweinegitter«, Trump schafft mit »Trump TV« seine eigene Realität. Hier erfahren Sie, wie das Netzwerk aus AfD, rechten Influencern und trumpnahen Medien agiert.

Medien-Playbook der AfD und ihrer Influencer: Rechte Streamer im Wahlkampf

Auf einer Wahlparty der AfD wird die SPIEGEL-Journalistin Ann-Katrin Müller von einem Mann mit rötlichem Vollbart bedrängt. Der rechtsextreme Streamer, der sich »Aktivist Mann« nennt, folgt ihr bis zum Ausgang und fragt: »Sie haben es nicht geschafft, die AfD zu verhindern. Was sagen Sie dazu?«

Der Mann heißt Matthäus Westfal. Er ist wegen Volksverhetzung verurteilt worden und war beim sogenannten Sturm auf den Reichstag im Jahr 2020 dabei. Er bezeichnet sich selbst als »Gonzo-Journalist«. Mit dem radikalsubjektiven Journalismus des US-Schriftstellers Hunter S. Thompson hat das allerdings wenig zu tun. Thompson schrieb aus seiner eigenen Erfahrung heraus, Westfal streamt aus dem Umfeld der AfD.

Und er ist nicht der Einzige. Rund um die Partei hat sich ein Netzwerk aus Streamern, YouTubern und politischen Influencern entwickelt. Einige berichten stundenlang live von AfD-Veranstaltungen, zeigen Jubelbilder und verbreiten die Botschaften der Partei. Andere arbeiten zugleich für AfD-Politiker. Die Grenze zwischen Journalismus und Wahlkampf ist kaum erkennbar.

Für die AfD sind diese Akteure strategisch wichtig. Sie erreichen Menschen, die klassische Medien kaum noch konsumieren.

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Mit Magazinen wie »Compact« von Jürgen Elsässer und der neurechten Zeitschrift »Sezession« aus dem Umfeld von Götz Kubitschek bildet sich ein politisches Medienuniversum, das die AfD unabhängiger von kritischer Berichterstattung machen soll.

Das Vorbild für diese Strategie sitzt im Weißen Haus. Donald Trump bekämpft etablierte Medien seit Jahren, bezeichnet sie als »Fake News« und bevorzugt rechte Influencer. Mehreren großen US-Medien wurde zuletzt der Zugang zum Weißen Haus verweigert. Außerdem betreibt Trump inzwischen einen eigenen 24-Stunden-Stream: »Trump TV«. Dort soll die Regierung ihre Erfolge zeigen – ohne Moderation, ohne Einordnung und ohne journalistische Distanz.

Die Methoden Trumps und der AfD ähneln sich: Kritische Medien werden delegitimiert, loyale Stimmen privilegiert und politische Botschaften direkt an das Publikum ausgespielt. Doch auch die etablierten Medien müssen sich selbstkritisch fragen, welche Verantwortung sie im Kampf um die Deutungshoheit tragen.

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DER SPIEGEL

Über diesen Podcast

Welche Folgen hat die neue Weltordnung für Deutschland? Und wie können wir uns in einer Welt behaupten, in der Herrscher wie Trump, Putin und Xi nach ihren eigenen Regeln spielen?

Das entschlüsseln die Hosts Britta Sandberg, langjährige Auslandskorrespondentin, und Christoph Hickmann, Leiter des Politikressorts, jede Woche im neuen SPIEGEL-Politikpodcast »MAD KINGS: Machtprobe für Deutschland«.

Trailer zu »MAD KINGS: Machtprobe für Deutschland«
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