SpOn 17.03.2026
18:28 Uhr

Meningitis in England: Hunderte Briten in Canterbury sollen vorbeugend Antibiotika nehmen


In Südengland sind Meningokokken ausgebrochen, zwei Personen sind in der Folge an schweren Hirnhautentzündungen gestorben. Angesteckt haben sich die Menschen wohl bei einer Party. Nun werden Medikamente verteilt.

Meningitis in England: Hunderte Briten in Canterbury sollen vorbeugend Antibiotika nehmen

In der Grafschaft Kent in Südengland sind zwei Menschen an Meningitis gestorben. Deshalb werden vorsorglich Hunderte Menschen mit Antibiotika behandelt. Vor den Ausgabestellen bildeten sich lange Schlangen. Wie viele Menschen insgesamt vorsorglich gegen die Bakterien wirkende Mittel erhalten sollten, blieb zunächst unklar. In den vergangenen Tagen waren zwei junge Menschen aus Canterbury gestorben, weitere Erkrankte sind im Krankenhaus in Behandlung.

Verursacht wurden die Fälle von Meningokokken der Untergruppe B, wie nach Angaben der Nachrichtenagentur PA bestätigt wurde. Das sind Bakterien, die schwere Hirnhautentzündungen (Meningitis) und Blutvergiftungen (Sepsis) auslösen können. Die Erkrankung kann sehr schnell verlaufen. Bereits bei begründetem klinischem Verdacht auf eine solche Meningokokken-Erkrankung soll darum gemäß Meningitis-Leitlinie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) umgehend mit einer Antibiotikatherapie begonnen werden.

Insgesamt wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörden bislang 15 Infektionsfälle bestätigt, eine 18-jährige Person und eine 21 Jahre alte Person starben. Viele Infizierte steckten sich in einer Disco in Canterbury an, wie Gesundheitsminister Wes Streeting sagte. Er sprach von einem »beispiellosen« Ausbruch.

Angesteckt im Club

Die meisten Infektionsfälle hätten eine Verbindung zu der bei Studierenden beliebten Großraumdisco »Club Chemistry« in Canterbury, sagte Streeting. Als Vorsichtsmaßnahme seien 700 Dosen Antibiotika an junge Leute ausgegeben worden, die mit dem Meningitiserreger in Kontakt gekommen sein könnten.

»Es ist wichtig, dass sich alle melden, die diesen Club zwischen dem 5. und 7. März besucht haben, um eine vorbeugende Antibiotikabehandlung zu erhalten«, sagte die stellvertretende Leiterin der Gesundheitsbehörde in der Region, Trish Mannes. Nach Angaben der Clubbetreiber besuchten rund 2000 Menschen die Disco in diesem Zeitraum.

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Die Bakterien werden durch Tröpfcheninfektion – Husten, Niesen, Küssen – übertragen. Die ersten Anzeichen einer Infektion sind oft grippeähnlich: Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit. Bei schwerem Verlauf kann es zu septischem Schock, Organversagen und Hirnschäden kommen. Die Todesfallrate betrage 7 bis 15 Prozent, viele Überlebende litten an schweren Langzeitfolgen, heißt es beim Robert Koch-Institut (RKI).

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Impfung gegen Meningokokken der Untergruppe B für alle Säuglinge ab zwei Monaten.

esk/AFP/dpa