Mercedes-Benz eröffnet die Erweiterung seines Werks am ungarischen Standort Kecskemét. Der Stuttgarter Konzern hat nach eigenen Angaben rund eine Milliarde Euro investiert und das Werk auf mehr als das Doppelte seiner ursprünglichen Kapazität erweitert. Dadurch könnten bis zu 400.000 Fahrzeuge jährlich hergestellt werden. Kecskemét würde damit nicht nur das größte Autowerk Ungarns, sondern auch die größte Mercedes-Fabrik Europas.
Mercedes produziert in dem Werk gut 80 Kilometer südlich von Budapest bereits die A-Klasse und den SUV GLB. Nun kommt die elektrische C-Klasse dazu – weitere Produktionsaufträge dürften folgen. Wie das »Handelsblatt« berichtet , soll bald auch die kleine G-Klasse in Ungarn vom Band laufen. Für die neuen Produktionsaufträge wurden in Kecskemét unter anderem zwei Hallen für Karosserie- und Montagelinien, eine Lackiererei und eine Batteriemontage gebaut.
Mercedes-Benz in einem Brief an die Beschäftigten
Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, steckt hinter der Verlagerung nach Ungarn eine Strategie des Managements um Mercedes-Chef Ola Källenius: Der Anteil der Produktion in europäischen Niedriglohnländern soll von 15 auf 30 Prozent verdoppelt werden. In Deutschland soll die maximal mögliche Produktion in den nächsten Jahren hingegen weiter schrumpfen – auf 900.000 Fahrzeuge.
Mercedes-Benz’ Standortentscheidungen folgen auf Einbrüche im Absatz – Umsatz und Gewinn waren zuletzt rückläufig. Der Konzern beklagt sich zunehmend über strukturelle Kosten in Deutschland, insbesondere die hohen Lohnkosten. Diese seien im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig. »Jede Vergabe neuer Produkte und jede Zuweisung von Aufgaben an deutsche Standorte verschlechtert die relative Kostenposition«, hieß es kürzlich in einem Brief an die Beschäftigten.
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Anders in Ungarn: Die Produktionskosten liegen Mercedes-Finanzchef Harald Wilhelm zufolge rund 70 Prozent unter dem deutschen Niveau. Eine Zahl, die Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg, für plausibel hält: »Die Produktionskosten in Deutschland sind in der Automobilindustrie die höchsten der Welt.«
Autohersteller würden nicht nur mit niedrigen Lohnkosten nach Ungarn gelockt. Das Land tue viel, um für Zulieferer und Hersteller attraktiv zu sein, sagt die Expertin. Ungarn biete Förderprogramme und unterstütze bei der Ansiedlung, bei Genehmigungen und dem Aufbau der Infrastruktur.
Ein deutsches Cluster mitten in Europa
Mercedes ist nicht der erste deutsche Autohersteller, der seine Produktion nach Ungarn auslagert. Im ostungarischen Debreczin hat BMW erst im Herbst ein hochmodernes Werk eröffnet – und dafür gut zwei Milliarden Euro investiert. Im westungarischen Györ produziert Volkswagen unter anderem den Audi Q3. 2025 liefen dort gut 200.000 Fahrzeuge vom Band. Angesichts der Umbaupläne von VW-Konzernchef Oliver Blume dürfte auch dieses Werk weiter an Bedeutung gewinnen.
In der deutschen Automobilindustrie fallen die letzten Tabus: Volkswagen will vier Werke loswerden, Mercedes die 40-Stunden-Woche zurück. Die Gewerkschaften geraten in Rückzugsgefechte, die sie kaum gewinnen können. Lesen Sie hier, wie die Autoindustrie in den heftigsten Konflikt ihrer Geschichte schlittert.
