SpOn 17.09.2026
12:00 Uhr

Nahost: Uno-Kommission wirft USA Kriegsverbrechen in Iran vor


Die USA sollen im Irankrieg eine Schule und ein Sportzentrum angegriffen haben. Uno-Experten sehen darin ein Kriegsverbrechen. Das Regime in Teheran habe sich indes wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht.

Nahost: Uno-Kommission wirft USA Kriegsverbrechen in Iran vor

Der mutmaßliche US-Angriff auf eine Grundschule in der iranischen Stadt Minab ist laut einer Untersuchungskommission der Vereinten Nationen ein Kriegsverbrechen. Es gebe hinreichende Gründe für die Annahme, dass die USA für zwei Militärschläge gegen eine Schule und eine Sportstätte in Iran im ‌Februar verantwortlich seien, teilte die unabhängige Uno-Mission für Iran mit. Der iranischen Führung indes wirft die Kommission Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor: aufgrund der gewaltsamen Niederschlagung von regierungskritischen Protesten ab Ende Dezember vergangenen Jahres.

Der Bericht der Kommission soll dem Uno-Menschenrechtsrat in Genf vorgelegt werden. Er untersucht das Vorgehen der USA in dem seit Februar andauernden Irankrieg sowie die Reaktion der Regierung in Teheran auf die landesweiten Unruhen. Die Vertretungen der USA und Irans in Genf äußerten sich zunächst nicht zu den Untersuchungsergebnissen.

Laut den Experten der Uno gibt es hinreichende Gründe für die Annahme, dass US-Streitkräfte für einen Angriff auf die Schajareh-Tayyebeh-Grundschule in der ⁠Stadt Minab verantwortlich seien. ⁠Nach Angaben des iranischen Regimes wurden dabei mehr als 150 Menschen getötet, darunter etwa 120 Schulkinder. Dies sei ein rücksichtsloser Angriff auf Zivilisten und zivile Infrastruktur. Dies stelle nach internationalem Recht ein Kriegsverbrechen dar. Dem Bericht zufolge hätten sich die USA auf Geheimdienstinformationen verlassen, wonach sich ein hochrangiger iranischer Militärkommandeur ‌vor Ort aufhielt. Diese Informationen seien vor dem Angriff jedoch nicht ausreichend überprüft worden.

Die Ermittler erklärten, ​das Versäumnis, die Zieldaten ‌zu aktualisieren, gehe über bloße Fahrlässigkeit hinaus. »Vielmehr richteten die USA die Angriffe gegen das Schulgebäude, obwohl sie sich des erheblichen Risikos bewusst waren, ein ziviles Objekt zu treffen, und nahmen dabei rücksichtslos in Kauf, dass dies geschehen könnte«, hieß es in dem Bericht. US-Präsident Donald Trump hatte im Juni unter Berufung auf eine Untersuchung erklärt, niemand habe im Februar absichtlich eine Mädchenschule in ‌Iran angegriffen.

Menschenrechtsverletzungen in Iran

Zu einem ähnlichen Schluss kam die Uno-Kommission bei einem Angriff auf ein Sportzentrum in Lamerd, bei dem 22 Zivilisten getötet oder verletzt wurden. Das US-Zentralkommando hatte im März erklärt, die US-Streitkräfte hätten an dem betreffenden Tag keine Angriffe gegen ‌Lamerd geflogen. US-Vertreter hatten in der Vergangenheit erklärt, Militäreinsätze ​stünden im Einklang mit dem Völkerrecht.

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Mit Blick auf die Menschenrechtsverletzungen in Iran stellte die Uno-Mission fest, dass die dortigen Behörden bei den Protesten ab Ende Dezember ‌systematisch gegen Zivilisten vorgegangen seien. Dazu ​zählten rechtswidrige Tötungen, Folter, willkürliche Verhaftungen und das Verschwindenlassen von Personen. Menschenrechtsgruppen zufolge sind bei der folgenschwersten Niederschlagung von Protesten seit der Islamischen Revolution 1979 auch unbeteiligte Passanten ​getötet worden.

Teheran macht von den USA und Israel unterstützte Terroristen und Aufständische für die ⁠Unruhen verantwortlich. Die Uno-Kommission konnte die Opferzahlen nicht ​unabhängig überprüfen, geht ​jedoch davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Opfer weit über den offiziellen Angaben von 3038 Toten und 25.000 Verletzten liegt. Die Reaktion der Regierung stelle eine erhebliche Eskalation bei der ‌Unterdrückung Andersdenkender ‌dar. Iran hat Vorwürfe systematischer Menschenrechtsverletzungen stets zurückgewiesen.

fin/Reuters/dpa-AFX/AP