SpOn 06.10.2026
05:38 Uhr

News: AfD-Präsident für Sachsen-Anhalts Landtag, wachsende Städte vs abgehängte Dörfer, Plan für die Bahn


Die AfD will in Sachsen-Anhalt den ersten Schritt zur Macht gehen. Forscher erklären die demografische Lage der Nation. Und: Die Bahn hat jetzt einen Plan. Das ist die Lage am Dienstagmorgen.

News: AfD-Präsident für Sachsen-Anhalts Landtag, wachsende Städte vs abgehängte Dörfer, Plan für die Bahn
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Die AfD will an die Spitze des Landtags

Vor einem Monat erschütterte der 43,8-Prozent-Triumph der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt die Republik. Eine neue Regierung hat das Bundesland bisher nicht, dennoch richtet sich der Blick heute wieder nach Magdeburg: Der neue Landtag kommt zu seiner ersten Sitzung zusammen. Dabei will sich der AfD-Mann Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten wählen lassen. Mit ihm stünde zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ein Politiker einer rechtsextremen Partei an der Spitze eines Parlaments. Ein historischer Vorgang. Vor dem Landtag sind Proteste angekündigt.

AfD-Politiker Siegmund (l.) und Rausch: Nur der erste Schritt zur Macht?

AfD-Politiker Siegmund (l.) und Rausch: Nur der erste Schritt zur Macht?

Foto: Chris Emil Janssen / Chris Emil Janßen / IMAGO

Steigbügelhalter ist das BSW. Die Truppe von Sahra Wagenknecht will Rausch wählen und ihm damit eine verlässliche Mehrheit verschaffen. Zuvor haben BSW und AfD schon die Sitzordnung im Magdeburger Landtag verändert, sodass die AfD von heute an in der Mitte sitzt und das Parlament dominiert.

Die Wahl zum Landtagspräsidenten ist in diesem Fall alles andere als eine Formalie. Sie verschafft den Rechtsextremen Einfluss. Der Präsident leitet die Sitzungen, führt den Ältestenrat, hat das Hausrecht im Parlamentsgebäude. Er repräsentiert den Landtag nach außen.

Wenn es nach der AfD geht, ist dieser Tag nur der erste Schritt zur Macht. Die Partei hofft, dass im Dezember ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zum ersten AfD-Ministerpräsidenten gewählt wird (mehr dazu hier ). Noch ist unklar, woher die notwendigen Stimmen kommen sollen, hier will sich das BSW enthalten. Die CDU bestreitet, dass ihre Abgeordneten überlaufen könnten. Deshalb wird es heute interessant, ob Rausch mehr als die zu erwartenden 44 Stimmen von AfD und BSW bekommt.

Auf SPIEGEL.de berichten wir im Liveblog über alle Entwicklungen in Magdeburg.


Wachsende Großstädte, abgehängte Dörfer

Sachsen-Anhalt dürfte auch eine Rolle spielen, wenn die Forscherinnen und Forscher des Berlin-Instituts für Bevölkerungsentwicklung heute die fünfte Auflage ihrer Studie zur »demografischen Lage der Nation« vorstellen. Das Bundesland ist mit einem Durchschnittsalter von mehr als 48 Jahren das älteste der Republik. Seit dem Mauerfall hat Sachsen-Anhalt fast 800.000 Einwohner verloren, und die Kurve zeigt weiter nach unten.

Verfallenes Wartehäuschen an einer Bushaltestelle (in Mecklenburg-Vorpommern/Archivbild): Die Kluft zu den Großstädten wächst

Verfallenes Wartehäuschen an einer Bushaltestelle (in Mecklenburg-Vorpommern/Archivbild): Die Kluft zu den Großstädten wächst

Foto: Jens Büttner/ picture alliance / dpa

Welche Zukunft haben Regionen, denen buchstäblich die Menschen ausgehen? Das ist eine der Fragen, auf die das Berlin-Institut eine Antwort sucht. Gemeinsam mit der Wüstenrot Stiftung haben die Wissenschaftler alle 400 Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands untersucht. 26 Indikatoren sollen Auskunft darüber geben, wie es den Regionen heute geht und wie sie sich bis ins Jahr 2045 entwickeln werden: Wächst oder schrumpft die Bevölkerung, gibt es gute Bildungsangebote und attraktive Arbeitsplätze, soziale Einrichtungen, eine Infrastruktur, die den Namen verdient?

Schon in der letzten Studie zeigte sich: Die Kluft zwischen den wachsenden Großstädten samt ihren Speckgürteln und abgehängten, ländlichen Räumen wächst. Während einige Ballungsgebiete wie Berlin oder Hamburg an ihre Aufnahmegrenzen stoßen, gibt es in manchen Dörfern fern der Städte keinen Laden, keine Kneipe, keine Bushaltestelle mehr. Gerade der Osten Deutschlands galt in der Analyse als Krisengebiet (mehr zum Thema hier ).

Dieser Trend dürfte sich fortgesetzt haben. Aber muss man die Konsequenzen des demografischen Wandels einfach schulterzuckend hinnehmen? Oder lässt sich die Zukunft gestalten, mit kluger, offensiver Einwanderungs-, Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Infrastrukturpolitik? Auch dazu werden die Autorinnen und Autoren der Studie heute Empfehlungen vorlegen.


Die Bahn hat jetzt einen Plan

Wenn Sie häufiger mit dem Zug zwischen Hannover und Berlin unterwegs sind, werden Sie es wissen: Statt normalerweise 100 dauert die Reise derzeit 180 Minuten (plus den obligatorischen Verspätungszuschlag). Grund ist der Umweg, den der ICE fahren muss, weil die Strecke saniert wird (mehr dazu hier). 14 Monate soll das dauern, wenn alles glattgeht. Was bei solchen Bauprojekten nicht so häufig vorkommt.

Gleisbauarbeiten (in Sachsen-Anhalt): Ein neuer Plan fürs Schienennetz

Gleisbauarbeiten (in Sachsen-Anhalt): Ein neuer Plan fürs Schienennetz

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Der noch ziemlich frische CDU-Verkehrsminister Steffen Bilger ist mit diesen Marathonmodernisierungen gar nicht zufrieden (mehr dazu hier ). Er will, dass mehr Zug in den Neubau, die Sanierung und Erweiterung des maroden Schienennetzes kommt. Einen Beitrag dazu soll der sogenannte Infraplan leisten, den Bilgers Haus heute erstmals vorlegt. Darin werden sämtliche Netzvorhaben für die kommenden fünf Jahre ausgebreitet.

Wie, werden Sie sich jetzt womöglich erschrocken fragen, einen solchen Plan gab es bisher nicht? Na ja… jedenfalls soll der Infraplan künftig für eine bessere Steuerung, mehr Transparenz und mehr Verbindlichkeit sorgen.

Mein Kollege David Böcking, der für den SPIEGEL über die Bahn berichtet, konnte bereits einen Blick in das 83-seitige Dokument werfen. Seine ausführliche Einschätzung können Sie heute Vormittag auf SPIEGEL.de lesen. So viel aber schon mal vorab: Revolutionär ist der Infraplan nicht, die meisten Projekte sind bereits bekannt. Vor allem aber fehlt die Antwort auf eine nicht ganz unwichtige Frage: Wie wird das alles bezahlt? »Die Idee hinter dem Infraplan ist richtig«, sagt David. »Genau wie bei anderer Infrastruktur müssen die Vorgaben fürs Schienennetz langfristiger und verlässlicher werden. Aber ein Plan allein nützt wenig, solange seine Finanzierung nicht steht. Die muss Steffen Bilger erst noch vorlegen.«


Hier geht’s zum aktuellen Tagesquiz

Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games.


Gewinner des Tages…

Ein Stand auf der Frankfurter Buchmesse wird vorbereitet: Lesen, um die Welt besser zu verstehen

Ein Stand auf der Frankfurter Buchmesse wird vorbereitet: Lesen, um die Welt besser zu verstehen

Foto: Boris Roessler / dpa

…ist das Buch. Das ganze Jahr über sah es nicht gut aus, die Umsätze im Buchhandel gingen in den ersten neun Monaten dieses Jahres noch einmal stärker zurück als im Jahr zuvor. Gerade bei den jungen Lesern sieht es dramatisch aus: Die Zahl der Leserinnen und Leser zwischen 10 und 15 Jahren schrumpfte laut Börsenverein 2025 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 30 Prozent, bei den 20- bis 29-Jährigen um knapp 18 Prozent. Pisa-Schock, war da was?

Doch heute eröffnet die Frankfurter Buchmesse, und dort wird es bis Sonntag so wirken, als drehe sich die ganze Welt um Bücher.

Bei der Vorstellung der Shortlist für den Booker Prize 2026 machte sich die britische Althistorikerin und Autorin Mary Beard kürzlich darüber lustig, dass Leute so oft sagen, dass sie das Lesen »lieben« würden. Es gehe nicht ums Lieben, klagte Beard, nicht ums Wohlfühlen. Wer fühle sich schon wohler, nachdem er Kafka gelesen habe, fragte Beard. Bücher brächten uns vielmehr bei, uns selbst und die Welt besser zu verstehen.

So gesehen bleiben Bücher wertvoll. Jedenfalls für die, die bereit sind zu lesen.


Die jüngsten Meldungen aus der Nacht


Heute bei SPIEGEL Extra: Sie möchten sich sportlich verbessern? Deutschlands beste Triathletin erklärt, warum weniger mehr ist

Foto: Philipp Caspar Seipp

Ironman-Weltmeisterin Laura Philipp trainiert derzeit auf Hawaii für die WM. Im Interview verrät sie, welche Trainingsphilosophie »Bullshit« ist und was sie jedem Triathlonstarter unbedingt empfiehlt .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Philipp Wittrock, Autor im Hauptstadtbüro