Merz muss draußen bleiben
Der CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler ist heute bei seinen Parteifreunden in Mecklenburg-Vorpommern zu Gast. Friedrich Merz spricht am Vormittag beim Landesparteitag in Linstow. In wenigen Monaten wird gewählt im Nordosten, da eilt der prominenteste Christdemokrat natürlich zur Unterstützung. Eine Selbstverständlichkeit. Sollte man meinen.
Friedrich Merz, Sven Schulze (im Januar 2026): Lieber ohne den Kanzler
Foto:Sebastian Willnow / dpa
Ist es in diesen Tagen aber ganz und gar nicht. Die Deutschen sind laut Umfragen maximal unzufrieden mit Merz und seiner Bundesregierung, da ist kein Glanz, in dem sich die Wahlkämpfer sonnen könnten. Nirgends.
Die CDU in Sachsen-Anhalt – auch dort finden im September Landtagswahlen statt – verzichtet daher lieber auf einen Auftritt des Kanzlers. Wenn die Landes-CDU am kommenden Wochenende ihr Wahlprogramm beschließt, ist Ministerpräsident Sven Schulze alleiniger Topredner. Aus Berlin ist niemand eingeladen.
Und nun hat Schulze auch noch dafür gesorgt, dass eine kurz vor dem Wahltermin geplante Klausurtagung des CDU-Präsidiums in Magdeburg gestrichen wurde. Aus Furcht, der Aufmarsch der Bundesspitze um Merz könnte ihm schaden (mehr dazu hier ). Schulze setzt darauf, den enormen Umfrageabstand zur AfD in den kommenden Wochen besser allein verringern zu können, um die Staatskanzlei gegen die Rechtsextremen zu verteidigen.
In Mecklenburg-Vorpommern dagegen gibt es für Spitzenkandidat Daniel Peters fast nichts mehr zu verlieren. Die CDU droht zwischen der regierenden SPD und der AfD zerrieben zu werden, aktuell liegt man bei zehn Prozent, ein historischer Tiefststand. Da kann auch mit einem historisch unbeliebten Kanzler als Motivator nicht mehr viel schiefgehen.
Mehr Hintergründe hier: Ich bin durch meine Heimat gereist, AfD-Land. Und ich merke: Ich lag falsch
Wird ein Neonazi Oberbürgermeister?
Im sächsischen Aue-Bad Schlema wird am Wochenende ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Warum das den Rest der Republik interessieren sollte? Nun, ein Neonazi könnte das Rathaus der 19.000-Einwohner-Stadt im Erzgebirge übernehmen. Ein Mann, der die AfD noch weit rechts überholt.
Beschmiertes Wahlplakat von Stefan Hartung: »Verfassungsfeindliche Agenda«
Foto:André März / Andre März / IMAGO
Stefan Hartung ist stellvertretender Vorsitzender der rechtsextremen »Freien Sachsen« und Mitglied der Partei »Die Heimat«, die früher in dem Bundesland als NPD Erfolge feierte. In der ersten Runde am 10. Mai holte Hartung 29 Prozent und landete deutlich vor CDU-Konkurrent Marcus Hoffmann (mehr dazu hier). Die beiden treten nun am Sonntag in der Stichwahl gegeneinander an. Selbst wenn sich die Demokraten hinter Hoffmann versammeln sollten, ist ein Sieg Hartungs nicht ausgeschlossen. Er hofft auf die Unterstützer des AfD-Kandidaten, der im ersten Wahlgang 18,5 Prozent bekam. Und der den Hartung-Wählern offenbar nicht radikal genug war.
Hartung ist in Aue-Bad Schlema bekannt und gut vernetzt, gibt sich volksnah und bodenständig. Einst organisierte er Fackelmärsche gegen eine Asylbewerberunterkunft im Nachbarort. In Aue agitierte er gegen Geflüchtete, als es auf einem zentralen Platz Ärger mit Migrantengruppen gab (mehr hier ).
Der sächsische Verfassungsschutz bescheinigt den »Freien Sachsen« eine »verfassungsfeindliche Agenda«. Die Sorgen und Nöte der Menschen vor Ort würden für diese Agenda instrumentalisiert, um »in immer weitere Teile der gesellschaftlichen Mitte einzusickern«. Die Partei will mehr Autonomie für Sachsen bis hin zum »Säxit«. Wobei es dabei nicht nur um den heutigen Freistaat geht, sondern um das Gebiet des einstigen Königreichs (mehr zu den »Freien Sachsen« hier ). Hartung sagte dazu einst: »Mit jedem Tag mehr in diesem Regenbogen-Irrenhaus werde ich größerer Anhänger des ›Säxit‹.«
Es kann übrigens sein, dass Hartung am Sonntag gewinnt und trotzdem nicht OB wird. Denn als Wahlbeamter muss er laut Gesetz verfassungstreu sein – woran man zweifeln darf. Das Landratsamt könnte ihm das Amt verwehren, dann wären Neuwahlen fällig. Natürlich muss die Demokratie wehrhaft sein. Aber man kann sich ausmalen, dass eine solche Entscheidung die Menschen noch weiter in die Arme der Extremisten treiben würde.
Mehr Hintergründe hier: Wer noch immer auf eine Mäßigung der AfD hofft, sollte auf diese Wahl schauen
Werbespektakel für die Truppe
Die Bundeswehr sucht dringend Leute. Zehntausende Soldatinnen und Soldaten will Verteidigungsminister Boris Pistorius in den kommenden Jahren für den Dienst an der Waffe begeistern. Oder besser: Er muss. Die Bedrohungslage in Europa hat sich mit Russlands Angriff auf die Ukraine verschärft, Deutschland muss sich verteidigen können und seine Bündnispflichten erfüllen.
Besucher auf dem Tag der Bundeswehr 2025 in Neubrandenburg: »Armee zum Anfassen«
Foto: NurPhoto / IMAGOHeute will sich die Truppe als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Es ist Tag der Bundeswehr. An bundesweit zehn Standorten zeigt die Truppe vom Heer über die Marine bis zur Luftwaffe öffentlich, was sie kann. Und was sie in Zukunft können muss. Auch Kanzler Merz (in Rostock-Laage) und Pistorius (in Neubiberg und Weißenfels) schauen vorbei.
Versprochen wird eine »Armee zum Anfassen«: Die Besucher können sich Panzer aus der Nähe ansehen, Kampfjet-Manöver bestaunen und Soldaten beim Training für den Häuserkampf beobachten. Bei der Warrior Combat Fitness Challenge der Spezialkräfte werden die eigenen körperlichen Grenzen ausgetestet, dazwischen singt der Shanty-Chor auf dem Heli-Platz, die Kleinen flitzen über den Bobbycar-Parkour.
Ein Werbespektakel fürs deutsche Militär. Die Brutalität eines Krieges lässt sich dabei schnell ausblenden. Vielleicht muss man an dieser Stelle kurz daran erinnern: Ja, die Bundeswehr benötigt Nachwuchs. Aber sie ist kein Abenteuerspielplatz.
Mehr Hintergründe hier: Armee auf Selbstfindungsmission
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Verlierer des Tages …
... ist der Deutsche Fußball-Bund. Fans stöhnen über horrende Preise für Tickets, Hotels und Transport, Amerikas Demokratie steht unter Druck, Fifa-Boss Gianni Infantino wirft sich auf geradezu unwürdige Weise an US-Präsident Donald Trump heran. Es wird keine normale Fußball-Weltmeisterschaft, so viel steht fest. Der DFB aber tut so, als gäbe es kein Problem.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Fifa-Chef Gianni Infantino (bei der WM 2022): Es geht doch nur um Fußball?
Foto: Martin Meissner / dpaIn seinem Leitbild rühmt sich der Verband: »Wir machen uns für relevante gesellschaftliche Themen stark und geben Menschen Orientierung.« Nun aber macht man sich einen schlanken Fuß: Kaum ein Wort zu einem der Reizthemen, immer schön unpolitisch bleiben. Es geht doch nur um Fußball.
Heute Abend spielt die deutsche Nationalmannschaft in Chicago gegen Gastgeber USA ihre WM-Generalprobe. »Es geht darum, die Emotionen aufzusaugen und im Turnier anzukommen«, sagt Bundestrainer Julian Nagelsmann. Viel Glück dabei.
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Ukraine entschuldigt sich bei Athen für Drohnenvorfall: Eine vor einer Ferieninsel gefundene sprengstoffbeladene ukrainische Seedrohne sorgt für Wirbel. Der Vorfall wirft Fragen über ukrainische Militäroperationen im Mittelmeer auf.
US-Armee attackiert Ziele in Iran – Luftalarm in zwei Golfstaaten: Das US-Militär berichtet von Drohnenbeschuss aus Iran und greift daraufhin Radarstationen an. Stunden später soll Teheran sieben ballistische Raketen auf Kuwait und Bahrain abgefeuert haben.
Heute bei SPIEGEL Extra: Elf Tipps, mit denen Sie beim Camping richtig Geld sparen
Ein Wohnmobil als günstige Urlaubsalternative, das war mal. Hier sind die elf besten Hacks vom Campingexperten, mit denen Sie günstiger wegkommen .
Ich wünsche Ihnen ein wunderbares Wochenende.
Herzlich,
Ihr Philipp Wittrock, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro
