SpOn 18.08.2026
17:22 Uhr

News des Tages: BSW, Sahra Wagenknecht, Gianni Infantino, Raketenabwehr der Ukraine


Sahra Wagenknecht versucht, die Koalition in Thüringen zu sprengen. Gegen Fifa-Boss Infantino bringen sich Gegenkandidaten in Stellung. Und die Ukraine begegnet der schlechten Raketenabwehr mit britischen Drohnen. Das ist die Lage am Dienstagabend.

News des Tages: BSW, Sahra Wagenknecht, Gianni Infantino, Raketenabwehr der Ukraine
Dieses Audio ist derzeit nicht verfügbar.
Podcast Cover

1. Die Politdarstellerin Wagenknecht zündelt

Die Blicke richten sich aktuell auf die bevorstehende Wahl in Sachsen-Anhalt. Wie auch immer das Ergebnis ausfällt – es wird wohl die politische Tektonik der Bundesrepublik nachhaltig verändern. Dabei geht fast unter, wie prekär die Lage gerade in Thüringen ist. Nicht ausgeschlossen, dass die Koalition aus CDU, SPD und BSW auseinander kracht, bevor im Nachbarland gewählt wird. Als Brandstifterin betätigt sich – mal wieder – BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht. (Lesen Sie hier einen Kommentar dazu )

Parteigründerin Wagenknecht, Weggefährten: Gegen ihren Widerstand

Parteigründerin Wagenknecht, Weggefährten: Gegen ihren Widerstand

Foto: Michael Kappeler / dpa

Zwischen dem Landes- und Bundesvorstand des BSW ist ein offener Streit über die Thüringer Regierungsbeteiligung ausgebrochen. Die Handlungsfähigkeit der Koalition im Erfurter Landtag war vom Tag eins ihrer Existenz labil, da sie nur exakt über die Hälfte der Abgeordneten verfügt und somit bei allen Abstimmungen auf die Stimmen der Linken angewiesen ist. Zwei wichtige Vertreter des Wagenknecht-Lagers im Thüringer BSW stellen die Koalition von Ministerpräsident Mario Voigt nun infrage, weil der seinen Doktortitel verloren hat.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass es ihnen herzlich egal ist, ob der einen Titel trägt: Sie exekutieren, was Wagenknecht aus der Ferne vorgibt. Sie kann die Zündelei nicht lassen. Obwohl weder sie noch Thüringens AfD-Chef Björn Höcke aktuell zu einer Wahl stehen, flirtet Wagenknecht mit dem Rechtsextremen und bittet ihn zum TV-Duell. Die Gesellschaft ist polarisiert wie nie, doch statt auf Ausgleich zu setzen, macht die Politdarstellerin Stress, wo sie nur kann. Wie groß muss ihr Geltungsdrang sein?

Am Samstag stellt sich Voigt zur Wiederwahl als Thüringer CDU-Vorsitzender. Zumindest seine Partei steht hinter ihm. Voigt hat sich heute kämpferisch gezeigt: »Wir lassen uns nicht auseinandertreiben und Thüringen nicht zum Spielball parteitaktischer Manöver machen.«


2. Der Gegenwind für Infantino nimmt zu

Der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bringt den Chef der Confederation of North, Central America and Caribbean Association Football (Concacaf), Victor Montagliani, als einen möglichen Gegenkandidaten für Fifa-Präsident Gianni Infantino ins Spiel. Montagliani sei ein »fähiger Mann«, sagte Niersbach »T-Online«. Infantino will im März 2027 erneut für das Amt kandidieren. Die Organisation FairSquare fordert seinen Ausschluss, weil er sich ihrer Auffassung nach bereits in seiner dritten und letzten Amtszeit befinde. Die Fifa rechnet die erste Amtsperiode seit 2016 dagegen nicht vollständig auf die Amtszeitbegrenzung an. FairSquare kritisiert mangelnde Transparenz und wirft Infantino einen autoritären Führungsstil vor.

Victor Montagliani spricht auf dem Fifa-Kongress im April

Victor Montagliani spricht auf dem Fifa-Kongress im April

Foto: Darryl Dyck / The Canadian Press / AP / dpa

Eine ernsthafte Alternative zu Infantino gibt es bislang nicht, da sich noch niemand eindeutig positioniert habe. Dem Kanadier Montagliani werden laut »The Athletic« Ambitionen auf das Fifa-Präsidentenamt nachgesagt. Als Nichteuropäer könnte er auch über die Verbände von Concacaf und Uefa hinaus Unterstützung finden.

Infantino steht seit Wochen unter Druck. Auslöser waren Pläne, Teile der Vermarktungsrechte an Fußball-Weltmeisterschaften an Investoren zu veräußern. Nach Widerstand verwarf die Fifa das Vorhaben, dennoch hält die Uefa an ihrer Drohung fest, Fifa-Wettbewerbe zu boykottieren.


3. Moskau droht Großbritannien

Der Ukraine gehen Patriot-Abfangraketen aus (hier mehr) , der wichtigste Schutz gegen die von Russland abgefeuerten ballistischen Geschosse. Immer häufiger sind die Ukrainer den Iskander-Raketen der Russen schutzlos ausgeliefert. Bei einem der schwersten Angriffe der letzten Zeit starben am 5. August in Kyjiw 17 Menschen.

Brennendes Lagerhaus bei Moskau, 16. August: Ukraine soll britische Drohnen für Angriffe ins russische Hinterland nutzen

Brennendes Lagerhaus bei Moskau, 16. August: Ukraine soll britische Drohnen für Angriffe ins russische Hinterland nutzen

Foto: Anadolu Agency / IMAGO

Der globale Bedarf an Patriots verschärft die Lage. Die USA verbrauchten im Krieg gegen Iran seit Ende Februar mehr als 1500 Stück; ihre Bestände sollen auf rund 1700 gesunken sein. Zugleich seien westliche Lieferungen an die Ukraine 2026 gegenüber dem Vorjahr um zwei Drittel zurückgegangen. Russland feuerte im Juli 198 ballistische Raketen auf die Ukraine; 437 Zivilisten wurden laut Uno getötet.

Für Kyjiw ist dies auch wirtschaftlich und strategisch bedrohlich: Angriffe auf Energieversorgung und Rüstungsproduktion könnten im Winter die Verteidigungsfähigkeit schwächen. Eine von Donald Trump zunächst in Aussicht gestellte ukrainische Patriot-Lizenz nahm er später zurück (hier mehr) Eine heimische Alternative wäre frühestens in mehreren Jahren einsatzfähig.

Im Gegenzug attackiert die Ukraine immer häufiger Ziele tief in Russland, zuletzt auch mit Drohnen aus britischer Herstellung. Moskau warnte jetzt die Regierung in London vor »Konsequenzen«. Das Vereinigte Königreich werde sich für die militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine »verantworten« und einen »Preis« zahlen müssen, erklärte die russische Botschaft in London.


Was heute sonst noch wichtig ist


Mein Lieblingsinterview heute: Spin des Lebens

Foto:

Niklas Grapatin / DER SPIEGEL

Mein Kollege Claudio Rizzello hat ein Interview geführt, das mich sehr abgeholt hat, wie man heute so sagt. Claudio hat mit Nico, 17, und Sina, 18, über die Liebe gesprochen und darüber, was die Sexualisierung von Frauen im Netz bei jungen Menschen, insbesondere jungen Männern, anrichtet. Die beiden Teenager erzählen sehr reflektiert. »Manche Freundinnen von mir sagen dauernd: ›Ich hasse Männer!‹«, sagt Sina. »Man kann doch nicht mal eben die halbe Menschheit hassen«, sagt Nico. »Irgendwie müssen wir doch miteinander klarkommen!«

Sinas Vorbild sind Oma und Opa. Sie seien einander die erste Liebe und bis ganz zum Schluss zusammen gewesen. Spätestens da wurde ich an meine eigenen Töchter, fast 17 und 20, erinnert, die ihre ersten Partnerschaften schon hinter sich haben. Beide bewunderten auch ihre Großeltern, die bis zum Tod der Ehemänner gemeinsam mit ihnen durchs ganze Leben gingen. Mr. Right wird ihnen sicher noch begegnen.


Was heute weniger wichtig ist

Foto: John Giles / dpa

Earl Grey: 29 Jahre nach dem Tod von Diana, Fürstin von Wales, hat ihr Bruder, der Earl of Spencer, 62, ein Buch über ihr Leben geschrieben. »Nun, da sich der 30. Jahrestag von Dianas tragischem Tod nähert, werde ich erneut mit Interviewanfragen zu meiner Schwester überhäuft«, sagt Charles Spencer. »Swan Song. Diana, meine Schwester« erscheint am 22. September in zwölf Sprachen. Es schmerze ihn, so viele Meinungen über sie lesen zu müssen, so Spencer. »Viele von ihnen beruhen auf Unwahrheiten, die im Laufe der Zeit fälschlicherweise zu Tatsachen geworden sind.«


Mini-Hohlspiegel

Von der Website des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, bundesdrogenbeauftragter.de

Von der Website des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, bundesdrogenbeauftragter.de

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Thomas Plaßmann


Hier noch ein Hinweis in eigener Sache: Zwei Menschen, zwei Meinungen, ein Gespräch – der SPIEGEL macht mit bei »Deutschland spricht 2026«. Die deutschlandweite Initiative bringt Leute mit unterschiedlichen politischen Sichtweisen für persönliche Gespräche zusammen. SPIEGEL-Chefredakteur Dirk Kurbjuweit nennt die Teilnahme an der Aktion »eine gute Tat für die Demokratie«. Haben Sie Interesse? Dann beantworten Sie die folgenden Fragen und registrieren Sie sich. Für das Gespräch am 30. August laden wir auch in die SPIEGEL-Kantine nach Hamburg ein. Hier geht es zur ersten Frage:

Blicken Sie optimistisch auf die Zukunft Deutschlands? 

Foto: smartboy10 / Getty Images

Und heute Abend?

Foto: Jacob Schröter / dpa

Könnten Sie den neuen Song von Ikkimel hören (hier mehr dazu). Meine Tochter, seit Anfang August für ein Austauschschuljahr in Kansas City, USA, schickte uns vor ein paar Tagen einen Snap. Mit ihrer Gastschwester fuhr sie über den Highway und beide hörten volle Pulle einen älteren Song der Berliner Rapperin im Autoradio. Mit Ikkimel lerne ihre Gastschwester Deutsch, erzählte unsere Tochter. Immerhin wird im neuen Song »Miss Universe«  mit Tommy Cash auch Englisch gesungen. So lernt hoffentlich auch sie.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Janko Tietz, Leiter des SPIEGEL-Nachrichtenressorts