1. Ed Sheeran hat ein Problem
Ed Sheeran
Foto: Eric Charbonneau / Apple TV / Getty ImagesWer Ed Sheerans Songs hört, bekommt den Eindruck, dass er sich nicht viel mehr wünscht als: Liebe finden, Liebe machen, friedlich sein. Abseits der Bühne geht es für Sheeran gerade um das komplette Gegenteil: Seine US-Tour gerät ins Schlingern, Grund ist die Ausladung des Rappers Macklemore aus Sheerans Vorprogramm. Laut Medienberichten hatte Macklemore sich auf Konzerten propalästinensisch geäußert (hier mehr dazu ).
Die Organisation Israeli-American Council startete daraufhin eine Petition, in der sie Sheeran dazu aufrief, den Rapper auf seiner Tour nicht weiter auftreten zu lassen. Offenbar auf Druck eines Stadionbesitzers war Sheeran dann vor die Wahl gestellt worden, entweder ohne Macklemore oder gar nicht aufzutreten.
Inzwischen steht Sheeran bei seiner Stadiontournee durch Nord- und Südamerika ohne Supportacts und ohne Begleitband da. Als Reaktion auf die Ausladung Macklemores sagten die Musiker ihre Teilnahme an der Tour ab.
Künstlerinnen und Künstler stehen im Laufe ihres Schaffens vor der Wahl: Äußern sie sich politisch, ist das Politische gar Teil ihrer Kunst? Oder wollen sie lieber nur die Liebe besingen? Für Letzteres scheint sich Ed Sheeran entschieden zu haben.
Lesen Sie hier, wie mein Kollege Wolfgang Höbel Ed Sheerans Verhalten verteidigt: Lasst Ed Sheeran in Ruhe über Politik schweigen!
Und hier, warum mein Kollege Felix Dachsel davon überzeugt ist, dass Macklemore keine Solidarität verdient: Macklemores Problem ist nicht Aktivismus, sondern Antisemitismus
2. Ursula von der Leyen hat einen Plan
Ursula von der Leyen
Foto:Yves Herman / REUTERS
Sie wirbt für eine »assoziierte« EU-Mitgliedschaft Kanadas: »Wir wollen die Beziehung zu Kanada auf das höchstmögliche Niveau bringen«, sagte Ursula von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Union im EU-Parlament in Straßburg. Sie wolle zusammen mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney darauf hinarbeiten.
Die EU-Kommissionspräsidentin sagte auch: »In dieser neuen Welt müssen wir unsere Partnerschaften dringend neu denken.« Und: »Einige mögen Alleingänge für die richtige Antwort halten. Aber das ist keine Option für uns.«
Kanada leidet wie die EU unter der unberechenbaren Handels- und Außenpolitik Donald Trumps. Der hat zuletzt mit neuen Einfuhrsperren und Zöllen den Handelsstreit mit Kanada verschärft.
Von der Leyen will auch einen von der Nato unabhängigen Alarmmechanismus für Sicherheitskrisen unterhalb der Schwelle eines bewaffneten Angriffs schaffen. Sie kündigte ein Konzept für einen Europäischen Sicherheitsrat an.
Sind die Pläne für Europa der 67-Jährigen realistisch? Mein Kollege Michael Sauga hat sich die Rede angeschaut und kommentiert: »Ursula von der Leyen sollte andere Prioritäten setzen: verändern statt versprechen, mehr Schwarzbrot und weniger Pathos und eine größere Bereitschaft, dicke Bretter zu bohren.« Seiner Meinung nach verspielt von der Leyen mit ihrer Rhetorik Vertrauen.
Lesen Sie hier den ganzen Kommentar: Ursula von der Leyen sollte weniger versprechen. Und mehr liefern
3. Zwei Menschen in Frankfurt haben Malaria
Wahrscheinlich durch eine eingeschleppte Mücke: Zwei Anwohner des Frankfurter Flughafens haben sich mit Malaria infiziert. Die Betroffenen arbeiten laut Behördenangaben weder am Flughafen noch haben sie in letzter Zeit Fernreisen unternommen. Es gilt deshalb als wahrscheinlich, dass sie sich in ihrem Wohnumfeld infiziert haben.
Der Vorfall gilt als erster dieser Art seit Jahrzehnten. Denn er wirft die Frage auf, ob ein Grund zur Sorge besteht: Wird Malaria hierzulande heimisch? Wie gefährlich ist die Erkrankung? Und wie können wir uns davor schützen?
Der Frankfurter Stadtteil Schwanheim, in dem die beiden Erkrankten leben, wird als Geheimtipp gehandelt, schreibt meine Kollegin Julia Köppe in ihrem Überblick zu nun drängenden Fragen. In Schwanheim sind die Mieten nicht so hoch wie in der Innenstadt, es ist grün und doch zentral ‒ und zum Flughafen ist es nicht weit. Doch genau diese Nähe zum Rollfeld scheint zwei Menschen jetzt zum Verhängnis geworden zu sein.
Lesen Sie hier mehr: So gefährlich ist Malaria in Deutschland
Was heute sonst noch wichtig ist
Das steckt wirklich hinter der Solidaritätsadresse für Friedrich Merz: Die acht CDU-Ministerpräsidenten wenden sich gegen Gedankenspiele zu Minderheitsregierungen und Personaldebatten. Kanzler Merz kann sich gestärkt fühlen – vorerst .
Republikaner stößt Amtsenthebungsverfahren gegen Hegseth an: Attacke aus den eigenen Reihen: Wegen des Irankriegs fordert der Republikaner Thomas Massie ein Verfahren gegen den Verteidigungsminister. Die Aussicht auf Erfolg ist bescheiden – aber die Wut in der Partei groß.
Kosovos Ex-Präsident Thaçi zu 25 Jahren Haft verurteilt: 96 Mordfälle, Folter, Verfolgung: Das Sondergericht in Den Haag hat den früheren Kosovo-Präsidenten Thaçi zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Die Anklage hatte noch mehr gefordert.
Unionsfraktionschef Frei schlägt Senkung der Mehrwertsteuer auf Sprit vor: Mit seiner Ankündigung, gegen die hohe Belastung durch teuren Sprit vorzugehen, hat Bundeskanzler Merz eine heftige Diskussion ausgelöst. Experten warnen, der Chor der Befürworter wächst. Fraktionschef Frei formuliert einen möglichen Kompromiss.
Meine Lieblingsgeschichte heute: Brot für das Geld
In New York City ist nichts unmöglich, zeigt der neueste Hype auf der Lafayette Street. Dort stehen die Leute Schlange vor einer Bäckerei, in der ein österreichischer Bäcker 60 Dollar pro Sauerteiglaib verlangt. Sie haben richtig gelesen: für einen einzelnen Laib Brot. Der SPIEGEL besuchte die Filiale und fahndete nach dem Erfolgsrezept.
Bäckerei Rye in New York
Foto:Anne Pollmann / dpa
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Wie lange hält der Hype um das 60-Dollar-Brot aus Österreich?
Was heute weniger wichtig ist
Tom Weller / dpa
Nicht ins Gras gebissen: Englands Fußballnationaltrainer Thomas Tuchel, 53, hätte nach dem WM-Sieg seines Teams gegen Mexiko rückblickend gern etwas vom Grün des Aztekenstadions kosten wollen. Dieses Geständnis machte der deutsche Coach in einer Doku: »Ich bereue es, dass ich nach dem Spiel nicht etwas Gras gegessen habe, damit ich für immer etwas davon in meinem Körper bewahren kann. So hat es sich angefühlt. Das war dieser Moment.«
Mini-Hohlspiegel
Bildunterschrift in der »Frankfurter Allgemeinen«: »Ziemlich beste Freunde: Fifa-Präsident Gianni Infantino (links) mit US-Präsident Gianni Infantino beim WM-Finale in New York.«
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Thomas Plaßmann
Und heute Abend?
Mache ich es ganz anders als Lars Eidinger. Der ist in der jüngst gestarteten fünften und finalen Staffel »Babylon Berlin« zu sehen, scheint sich aber privat nur äußerst ungern mit Serien zu beschäftigen: Er habe in seinem Leben nur zwei Serien angefangen zu schauen, sagte Eidinger gerade einer Nachrichtenagentur. »Im ersten Coronalockdown habe ich ›Breaking Bad‹ geschaut und dann habe ich irgendwann mit meiner Tochter ›Stranger Things‹ geschaut.« Beide Serien habe er aber abgebrochen und nie zu Ende gesehen.
Ein Glück, dass Eidinger in »Babylon Berlin« mitspielt, anstatt es sich wie ich nur anzugucken: Auch der letzte Teil der Serie startet superspannend (und es ist okay, wenn Sie die vierte Staffel nicht gesehen haben, Sie kommen wieder rein!). Die Handlung, inzwischen im »Dritten Reich« angekommen, strebt unaufhaltsam dem Untergang entgegen, bei bisweilen ausgelassener Stimmung unter den Figuren. Ein Serienereignis , das einen auch deshalb nach 22 Uhr noch wach hält, weil es sich so brennend aktuell anfühlt.
Ihnen einen unterhaltsamen Abend.
Ihre Nike Laurenz, stellvertretende Ressortleiterin Leben


