SpOn 08.07.2026
17:14 Uhr

News des Tages: Nato-Gipfel in Ankara, Gesundheitspolitik, Ärger bei der Fußball-WM


Donald Trump wütet gegen den Nato-Verbündeten Spanien und erklärt die Waffenruhe mit Iran für beendet. Wer eine Psychotherapie machen will, hat es künftig nicht leichter. Und Ägypten legt Beschwerde gegen WM-Schiedsrichter ein. Das ist die Lage am Mittwochabend.

News des Tages: Nato-Gipfel in Ankara, Gesundheitspolitik, Ärger bei der Fußball-WM

1. Das Beste aus den Achtzigern und Neunzigern und das Schlimmste von heute

US-Präsident Trump in Ankara, hinter ihm Nato-Generalsekretär Rutte: Schlechter Partner, schlechte Menschen

US-Präsident Trump in Ankara, hinter ihm Nato-Generalsekretär Rutte: Schlechter Partner, schlechte Menschen

Foto: Stoyan Nenov / REUTERS

Hach, waren das noch Zeiten, als die Wörter »Trump« und »Iran« eher zufällig gemeinsam in Zeitungsberichten auftauchten. Damals in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern findet sich im Archiv etwa ein »taz«-Beitrag über das »auslaufende Modell Reaganismus «, in dem »Kasino-Kapitalist« Trump als Nebenfigur vorkommt und Iran als Beleg für den stockenden »US-Imperialismus« (1990). Oder ein »Playboy«-Interview mit Arnold Schwarzenegger , der von Trump etwas über erfolgreiche Deals gelernt haben will und die Irankrise am Rande erwähnt (1988).

Aber das hier ist nicht der durchformatierte Dudelfunk, der das vermeintlich Beste aus den Achtzigern und Neunzigern serviert, sondern das Abendbriefing des SPIEGEL, das den Blick eher selten auf das richtet, was gut läuft in der Welt (hier aber schon). Heute beim Nato-Gipfel hat Trump also die Waffenruhe mit Iran für beendet erklärt. Zudem setzen die USA Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Teheran wiederum verurteilte Washingtons Vorgehen umgehend und ließ US-Ziele in Kuwait und Bahrain beschießen. Die Zukunft über weitere Verhandlungen bleibt nun unklar. Allerdings war das Rahmenabkommen, mit dem beide Seiten den Krieg beenden wollten, selbst in den stabilsten Phasen mit dem Wort »brüchig« sehr wohlwollend beschrieben.

Außerdem zog Trump über den Nato-Partner Spanien her. Schlechte Partner, ja gar schlechte Menschen seien die Spanier, sagte er. »Ich will keinen Handel mit ihnen treiben.« Mein Kollege Steffen Lüdke sagt: »Seit dem Irankrieg, als Ministerpräsident Pedro Sánchez dem amerikanischen Militär die Nutzung der Basen in Rota und Morón untersagte, ist der Sozialist so etwas wie Trumps Lieblingsfeind.« Sánchez wisse natürlich, wie die meisten seiner Wähler den Streit sehen: Sie feiern ihn für seinen Widerstand gegen den US-Präsidenten.


2. Therapie – jetzt oder nie?

Huch, will da die eine Hand nicht, was der Kopf will? Die Gesundheitspolitiker der schwarz-roten Koalition wehren sich gegen Kürzungen bei der Psychotherapie, die von der schwarz-roten Koalitionsspitze vorangetrieben werden. Die Fraktionen von Union und SPD haben einen entsprechenden Entschließungsantrag eingereicht, der am Freitag vom Bundestag beschlossen werden soll, wie meine Kollegin Milena Hassenkamp und mein Kollege Christian Teevs berichten (hier mehr ).

Konkret wollen die Fachpolitiker sicherstellen, dass alle, die jetzt in psychotherapeutischer Behandlung sind, trotz Sparzwang weiter versorgt werden. Sie wenden sich allerdings nicht gegen das Vorhaben, Psychotherapien künftig schlechter zu bezahlen. Das aber ist der wohl umstrittenste Teil, über den Therapeuten zu Recht erbost sind: Wer lässt sich schon gern das Geld streichen? Jede Wette, es wird nicht leichter, einen Therapieplatz zu finden.


3. Wer flog noch gleich gegen Argentinien raus? Ähhh … gypten

Hm. Der ägyptische Fußballverband drängt nach dem Ärger über den Schiedsrichter bei der Niederlage im Achtelfinale gegen Argentinien auf ein juristisches Nachspiel. Er habe Beschwerde gegen den französischen Referee François Letexier und seine Assistenten eingereicht, sagte der Verbandspräsident Hany Abo Rida. Zudem habe er den Ausschluss des Schiedsrichterteams vom Turnier gefordert. Dieses habe entscheidende Fehler gemacht (hier mehr ).

Trainer Hossam Hassan kündigte einen ganz persönlichen WM-Boykott an. Für ihn stehe fest: »Ich werde nicht mehr weiterschauen, kein einziges Spiel dieses Turniers.« So halten es leider mittlerweile viele Leute auch bei anderen Themen: Sie schauen aus Frust weg und schränken ihren Nachrichtenkonsum ein. Zugegeben, vieles ist eher zum Wegschauen. Aber besser wird dadurch nichts.


Was heute sonst noch wichtig ist

  • Mehrere Verletzte an Gymnasium – mutmaßlicher Täter festgenommen: An einer Schule in Oberbayern sind mehrere Menschen verletzt worden, mindestens zwei von ihnen schwer. Rettungshubschrauber sind im Einsatz. Ein Verdächtiger wurde gefasst, die Polizei spricht von einer Amoktat.

  • Offizielle Statistik weist mehr als 5500 zusätzliche Todesfälle während der Juni-Hitze aus: Während der Hitzewelle Ende Juni sind in Deutschland deutlich mehr Menschen gestorben als für diese Jahreszeit üblich. Experten sehen einen klaren Zusammenhang mit den Rekordtemperaturen.

  • Deutsche Bahn investiert 50 Millionen Euro in bessere Kundeninfos: Mit neuer IT und einer KI-Assistentin will die Deutsche Bahn Reisende schneller und verlässlicher informieren. Auch kurzfristige Gleiswechsel sollen künftig früher angezeigt werden.


Meine Lieblingsgeschichte heute: Einer log übers Tennismatch

Scheibchenweise kommt heraus, wie oft Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) die Unwahrheit über seine Aktivitäten am ersten Tag des großen Stromausfalls gesagt hat. Mein Kollege Florian Kistler berichtet: »Die neueste Enthüllung fällt mitten in den Wahlkampf.« Es geht um dienstliche Telefonate, die Wegner bereits am Vormittag des ersten Tages des Stromausfalls geführt haben wollte und bei denen die Senatskanzlei jetzt einräumen musste: war doch anders. Die Gagschreiber üben womöglich schon: Kai Anschluss unter dieser Nummer.


Was heute weniger wichtig ist

Foto: Dieter Klar / dpa / picture alliance

Chauvimaster: Annemieke Kesselaar, 68, Tochter von Rudi Carrell, schrieb einst Sketche für ihren Vater. Jetzt, zum 20. Todestag des Moderators, sagte sie der »Bunten«: »Ich hatte einen Vater, an dem die Emanzipation vorbeigegangen ist. Seine Lebensvorstellung war: Die Frau sorgt dafür, dass zu Hause alles schön ist – den Rest würde er schon erledigen.«


Mini-Hohlspiegel

Aus dem Mitteilungsblatt für die Gemeinde Windeck (NRW)

Aus dem Mitteilungsblatt für die Gemeinde Windeck (NRW)

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Klaus Stuttmann


Und heute Abend?

Foto: andrea thode photography / Andrea Thode

Drei Vorschläge: Sie könnten …

  • … etwas kochen, vielleicht »Ofen-Feta mit grünem Krautsalat«. Mein Kollege Stevan Paul verspricht: »Zart-würziger Salzlakenkäse backt im Ofen unter einer duftenden Paprika-Thymian-Creme … Schneller kommt man nicht nach Griechenland!« (Hier das Rezept. )

  • … etwas lesen, vielleicht »22 tolle Geschichten über das Frauenklo«, die meine Kollegin Katharina Stegelmann empfiehlt. Die Texte sind als Reaktion auf den Verriss von Denis Scheck entstanden, der das neue Buch von Ildikó von Kürthy als »Nachrichten aus der Schnatterzone einer Damentoilette« runtermachte. (Hier mehr dazu. )

  • … etwas spielen, vielleicht unser neuestes Wordle (hier entlang).

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion