1. Merz’ Be-Frei-ungsschlag?
Designierter Fraktionschef Frei, Vorgänger Spahn: Qualifikation unklar
Foto: Jürgen Heinrich / IMAGO»Der T1000 der deutschen Politik heißt Friedrich Merz«, habe ich vor Jahren einmal geschrieben: »Die nahezu unzerstörbare Kampfmaschine aus dem besten »Terminator«-Film (›Tag der Abrechnung‹) übersteht fast jedes Gefecht, der CDU-Politiker taucht nach jeder Abstimmungsniederlage wieder auf.« Er hat es mit Ach und Krach zum Kanzler geschafft, ein chaotisches erstes Regierungsjahr hinter sich gebracht und hat jetzt die Chance zu zeigen: Ich will noch mal angreifen.
Merz hätte seinen Innenminister Alexander Dobrindt als Nachfolger für Jens Spahn an der Spitze der Unionsfraktion durchsetzen können. Dobrindt gilt als hart, aber verlässlich und kompetent. Als jemand, der nicht nur zwischen Schwarz und Rot vermitteln, sondern auch die Opposition einbinden kann. »Der Kanzler hätte seiner Regierung neuen Schwung verleihen können«, findet mein Kollege Ralf Neukirch. (Hier sein Kommentar .)
Merz hat sich aber für seinen Kanzleramtsminister Thorsten Frei entschieden, wie heute bekannt wurde. »Gut daran ist, dass Frei nicht mehr das Kanzleramt leitet«, kommentiert Ralf. Frei sei überfordert gewesen, finden viele in SPD und Union. »Unklar bleibt, warum ihn diese Bilanz für den Fraktionsvorsitz qualifizieren sollte.«
Der Parteienproporz hat den Ausschlag gegeben: Dobrindt ist in der CSU, Frei in der CDU. Es dominiert die Haltung: Hat’s noch nie gegeben, haben wir schon immer so gemacht. »Die Logik von gestern«, findet Ralf. »Für die Probleme von morgen ist das zu wenig.« Und wahrscheinlich ist es noch immer so: Der T1000 kann seine Gestalt wechseln, Merz nicht aus seiner Haut.
Hier alle Hintergründe: Der Kanzler löst ein Problem. Und hat nun mindestens ein neues
2. Die Rüpel-KI
Szene aus »Tag der Abrechnung«: So stellt sich der Lage-Autor den Ausbruch der KI vor
Foto: Mary Evans / Tristar Pictures / IMAGOEs gibt sechs »Terminator«-Filme, warum sollten wir dann hier schon aufhören? Zumal es Anlass gibt, einen echten Cyberdyne-Moment zu fürchten, den Moment, in dem die Maschinen die Macht übernehmen. Gerade wurden Details zu einem Cyberangriff bekannt, den eine mächtige künstliche Intelligenz auf eigene Faust unternommen hat (hier mehr ).
»Unbemerkt von menschlichen Aufsehern hat sich eine KI von OpenAI eigenständig in die Systeme der US-amerikanischen KI-Firma Hugging Face gehackt«, berichten meine Kollegen Matthias Kremp, Max Hoppenstedt Heinrichs und Torsten Kleinz. Heißt: Die KI ist ausgebrochen, durch die Nachbarschaft gestreunt und hat in der Innenstadt randaliert.
»Ein Problem der KI-Forschung ist, dass jedes Unternehmen das nächste Apple sein will, die nächste ›Billion-Dollar-Company‹«, sagt Matthias. Es gehe um neue Funktionen und Fähigkeiten, selten um Sicherheit. Die ausgebrochene KI ist mittlerweile gezügelt, es zieht keine Terminator-Armee durch die Straßen, trotzdem bleibt die Frage: Wo ist Arnold Schwarzenegger, wenn man ihn mal braucht?
Alle Hintergründe hier: So bedrohlich ist der autonome Hackerangriff einer KI
3. Wirrer Walauftritt von Veterinärin
Sie beäugen den Säuger
Foto: Marcus Golejewski / dpaHuch, selbst für die »Bild« ist das eine bemerkenswerte Zeile: »Ist Timmy noch am Leben?« Der Wal, Sie erinnern sich, der zum Politikum und zur Sensation wurde. Gestrandet, abgeschleppt, verendet, obduziert, alles in allen Details berichtet und kommentiert, zum Teil live.
Die »Bild« hat nun ihren Newsblog wiederbelebt, um im Stakkato über eine Pressekonferenz zu berichten, bei der heute eine Kleintierärztin neue Wal-Skurrilitäten zum Besten gab. Demnach wertete ein chinesisches Labor zwei Gewebeproben des Buckelwals aus. Die Abweichungen seien so groß gewesen, dass die DNA nicht von derselben Tierart stammen könne, sagte die Veterinärin, die der Initiative zum Transport des Wals angehört hatte. Den Namen des Labors nannte sie nicht.
Klingt verworren? Stimmt. Sollten Sie vorbeischwimmen lassen, die Meldung.
Oder Sie lesen hier mehr dazu: Nur zweiter Wal?
Was heute sonst noch wichtig ist
Eine Mail von Spahn, 468 Millionen Euro Schaden? Der Bund entgeht einem weiteren Maskendebakel: Das Bonner Landgericht hat die Klage eines Hamburger Händlers abgewiesen. Der Maskenschlamassel ist für den Bund mit dem Urteil aber noch nicht beendet .
Kretschmer will »mit jedem reden, der reden will«: Wie stoppt man den Aufstieg der AfD? Ministerpräsident Michael Kretschmer regiert in Sachsen mit einer Minderheitsregierung. Dafür müsse man aber auch allen das Gespräch anbieten, sagt er.
USA und Saudi-Arabien einigen sich offenbar auf Nukleardeal: Donald Trump hat sich mit dem saudischen Kronprinzen wohl auf einen Nukleardeal geeinigt. Dieser könnte den USA Einfluss auf dessen Atomprogramm verschaffen. Im Kongress dürfte es jedoch Widerstand geben.
Die Menschen werden immer älter – aber auch länger krank: Die gute Nachricht: Die Lebenserwartung steigt. Die schlechte: In einigen der hinzugewonnenen Jahre plagen gesundheitliche Probleme viele Menschen. Ein US-Forscherteam stellt nun klare Forderungen auf.
Meine Lieblingsgeschichte heute: Mein Job gehört mir
Schauspielerin Cult: »Mir ging’s ums Prinzip«
Foto:Sven Döring / DER SPIEGEL
Die Schauspielerin Caro Cult sollte eine verführerische Lehrerin spielen, die Sex mit ihrem Schüler hat. Dann wurde sie schwanger, verlor den Job in der ARD-Serie »Schattenseite« und klagte. Meine Kolleginnen Laura Backes und Maike Backhaus haben recherchiert, was der Fall über die Filmbranche verrät.
»Eine Anwältin, eine Krankenschwester oder eine Verkäuferin können während einer Schwangerschaft in vielen Fällen weiterarbeiten, wenn auch vielleicht mit angepassten Aufgaben und Arbeitsbedingungen«, sagt Laura. »Sie heben nicht mehr so schwer, werden nicht für Nachtschichten eingeplant oder schränken ihre Dienstreisen ein.« Beim Film finden sich nicht immer so einfach Lösungen.
Hier die ganze Recherche: Was verrät der Fall Caro Cult über die Filmbranche ?
Was heute weniger wichtig ist
Is Suit jetzt: Prinz George, 13, feiert an diesem Mittwoch seinen Geburtstag. Der Kensington-Palast hat – wie es Tradition ist – auch dieses Jahr ein neues offizielles Foto der Nummer zwei der britischen Thronfolge veröffentlicht. Das Bild markiert eine Abkehr von den bisherigen offiziellen Porträts des jungen Royals. Zeigte der Palast ihn vergangenes Jahr noch lässig an einem Zaun lehnend mit Fleeceweste, Karohemd, hochgekrempelten Ärmeln und Freundschaftsbändchen, so trägt er nun Anzug. Seine Eltern gratulieren: »Happy Birthday!«
Mini-Hohlspiegel
Im Dortmunder Hauptbahnhof
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Klaus Stuttmann
Und heute Abend?
Serie »Hubert ohne Staller« mit Komiker Tramitz (r.)
Foto: Thomas Neumeier / ARDDrei Vorschläge: Sie könnten...
...die Serie »Hubert ohne Staller« in der ARD-Mediathek gucken. Mein Kollege Wolfgang Höbel findet, es sei »eine Art ›Rosenheim-Cops‹ mit dem Anspruch auf originellere Pointen«. (Hier mehr .)
...etwas kochen, vielleicht Tagliatelle aglio e olio mit Nektarinen, Tomaten und geschmolzener Burrata. Mein Kollege Stevan Paul verspricht: »Tomaten und Nektarinen sind ein Traumpaar, da kommen Würze und feine Fruchtigkeit zusammen.« (Hier das Rezept .)
...den Urlaub mit der Familie planen. Wie Sie dabei entspannt bleiben? Verrät mein Kollege Markus Deggerich hier .
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion
