1. Sie ärgern sich schwarz-rot
Koalitionäre Dobrindt, Klingbeil, Merz, Warken und Amthor: Die Achse ist nicht mehr sonderlich belastbar
Foto:Bernd Elmenthaler / Geisler / ddp
Schneller Blick nach Berlin, wo politisch gerade alles mit allem zusammenhängt. Am Abend tagt der schwarz-rote Koalitionsausschuss. Nach den Wahlergebnissen in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stellt sich den Partnern von CDU, CSU und SPD die Frage: »Gibt es noch eine Geschäftsgrundlage, um gemeinsam zu regieren?«, wie es mein Kollege Paul-Anton Krüger formuliert. Finden Merz, Söder und Klingbeil einen Weg, den Laden zusammenzuhalten? (Hier mehr dazu. )
Ob es ihnen gelingt, könnte indirekt mit einem anderen Treffen zu tun haben, das es heute in Berlin gab: Linke, Grüne und SPD sind zu einem dritten sogenannten Vorgespräch zusammengekommen, um darüber zu beraten, ob sie Sondierungsgespräche aufnehmen, um danach in Verhandlungen einzutreten, um im Anschluss daran eine Koalition im Berliner Abgeordnetenhaus hinzubekommen. Gespräche zur Vorbereitung von Gesprächen, die Gespräche vorbereiten könnten.
Vor einer solchen Koalition in Berlin wiederum hat der Bundeskanzler die SPD, seine Koalitionspartnerin im Bund, heute eindringlich gewarnt (hier mehr). Und die SPD ist sauer, weil in Sachsen-Anhalt möglicherweise CDU-Leute gestern gemeinsam mit der AfD gestimmt haben (hier mehr ). Es regiert, so viel steht fest, das Misstrauen in der Koalition. Aber wer regiert Deutschland?
Alle Hintergründe hier: Kann die Koalition das überstehen?
2. Ex-BND-Chef Hanning – ein Fall für Jackson Lamb?
Zugriff im Kreis Steinfurt: Polizeikräfte führen den ehemaligen BND-Präsidenten ab
Foto: SPIEGEL TV MagazinDer ehemalige Chef des Auslandsgeheimdienstes muss in U-Haft, weil er für eine andere Macht spioniert haben soll. Egal, ob Sie heute Abend die »Tagesschau« gucken, das »heute-journal« oder »RTL aktuell«, Sie könnten den Eindruck bekommen, versehentlich bei »Slow Horses« gelandet zu sein, der Apple-TV-Serie über eine Trümmertruppe gescheiterter Agenten. So abgedreht ist der Fall des ehemaligen BND-Chefs August Hanning, 80, der heute dem Ermittlungsrichter vorgeführt wurde.
Gestern hatten Ermittler den einstigen Spitzenbeamten und seinen früheren Büroleiter festgenommen. Seitdem werden immer neue Details bekannt. Die Ermittler werfen Hanning vor, BND-Erkenntnisse bei seinem Ex-Mitarbeiter abgeschöpft und für seine Beratertätigkeit genutzt zu haben. In einem Fall soll er geheime Informationen genutzt haben, um für den Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparates eine Analyse zu erstellen – Aserbaidschan. Hannings Anwalt äußerte sich heute so: »Mein Mandant wird zu Unrecht verfolgt.« Der Ex-BND-Chef habe zwar vertrauliche Unterlagen besessen. »Unzutreffend ist allerdings der Vorwurf, er habe darin enthaltene Informationen zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland – geschweige denn gegen Bezahlung – weitergegeben.« (Hier mehr zum Fall.)
Einen besonderen Twist bekommt die Sache durch Hannings Rolle im Entführungsfall Block. Für Christina Block war er über Monate als »Sicherheitsexperte« tätig, so nannte es einst die »Bild«. Im September 2025 durchsuchten Polizisten Büroräume, sie arbeiteten sich auch durch Hannings Privathaus im Münsterland. »Es gehört zu den verrücktesten Details dieser an verrückten Details nicht armen Geschichte, dass sie dabei Unterlagen fanden, die den neuen Verdacht aufkommen ließen«, berichtet mein Kollege Christopher Piltz. Beifang werden solche Funde im Jargon der Dienste genannt. »So harmlos, wie das klingt, war es nicht«, sagt Christopher. »Bei dieser Razzia stießen die Fahnder auf jene brisanten BND-Daten, die Hanning zum Verhängnis werden könnten, darunter zahlreiche Verschlusssachen.« Spannender als die Realität kann die neue Folge von »Slow Horses« kaum sein.
Hier mehr Hintergründe: Wie der Fall Block dem früheren BND-Chef zum Verhängnis wurde
3. Jetzt sind Sie am Zug
Bahn-Zentrale in Berlin: Es geht um mehr als den Arbeitsort
Foto: Paul Zinken/ picture alliance/dpaDie Bahn will nicht nur Pendler befördern, sondern auch das Pendeln an sich: Sie schränkt die Möglichkeiten für das Arbeiten aus dem Homeoffice deutlich ein, wie mein Kollege David Böcking berichtet: »Es soll wieder eine Präsenzpflicht von drei Tagen pro Woche gelten.«
Doch die Widerstände sind laut David groß. In einer internen Umfrage bewerten 87 Prozent der befragten Mitarbeiter die Präsenzpflicht als negativ. Ob sie mit dem Zug, dem Auto oder dem Rad zur Arbeit müssen, ist nicht bekannt.
Wie denken Sie über das Homeoffice? Arbeiten Sie lieber zu Hause oder im Büro? Debattieren Sie hier bei SPIEGEL Debatte.
Und hier lesen Sie alles über die Regeln bei der Bahn: Deutsche Bahn schränkt Homeoffice stark ein
Was heute sonst noch wichtig ist
Ermittlungen gegen Steffen Krach – Immunität von Niedersachsens SPD-Fraktionschef aufgehoben: Der niedersächsische Landtag hat die Immunität von SPD-Fraktionschef Stefan Politze aufgehoben. Dabei geht es nach SPIEGEL-Recherchen auch um eine Parteispende an die Berliner SPD im Wahlkampf von Steffen Krach .
Chemie-Nobelpreis geht an Forscher aus Frankreich und Japan: Henri Kagan und Kenso Soai erhalten den Chemie-Nobelpreis für ihre Arbeiten zur Autokatalyse. Sie trugen zur Entwicklung neuer Medikamente, Geschmacks- und Farbstoffe bei.
Betrug im Namen von Naziopfern – Bundesinnenministerium stoppt Einbürgerungen: Betrüger haben sich deutsche Pässe erschlichen, der SPIEGEL enthüllte den Fall. Nun setzten die zuständigen Behörden die Einbürgerungen zur Wiedergutmachung teilweise aus – was wohl Hunderte Antragsteller betrifft .
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Plattform vor der Küste in Dänemark: Das Land betreibt bereits CO₂-Speicher im Meer
Foto: Bo Amstrup / Ritzau Scanpix / picture alliancePotenzielle CO₂-Speicher in der Nordsee sind kleiner als angenommen: Unter der deutschen Nordsee kann deutlich weniger CO₂ gespeichert werden als bisher gedacht. Forschende warnen vor Umweltrisiken und hohen Kosten – auch Wirtschaftsministerin Reiche steht in der Kritik.
Was heute weniger wichtig ist
Jimi Blue Ochsenknecht
Foto:Frank Hoermann / Sven Simon / IMAGO
Highway to prell: Der Schauspieler und Reality-TV-Star Jimi Blue Ochsenknecht, 34, hat gegen seine Verurteilung beim Landesgericht Innsbruck Berufung eingelegt, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte. Er war jüngst wegen einer jahrelang nicht bezahlten Hotelrechnung über 14.000 Euro zu einer Geldstrafe von 34.500 Euro verurteilt worden. Sein Verteidiger hatte beim Prozess vor einer Woche gesagt, der in Dubai lebende Angeklagte habe ohne Betrugsvorsatz gehandelt.
Mini-Hohlspiegel
Streaming-Vorschlag auf MagentaTV
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons
Thomas Plaßmann
Und heute Abend?
Drei Vorschläge. Sie könnten...
etwas zu essen machen, vielleicht Salat mit gerösteten grünen Bohnen nach einem Rezept von Ottolenghi. Wer die klassischen Ottolenghi-Salate kennt und schätzt, der bekommt hier die »Greatest Hits« serviert.
einen Krimi lesen, vielleicht einen von Tana French. »In ihren Romanen hängt es von den Umständen ab, ob ein Mensch zum Mörder wird oder zum Ermittler«, so meine Kollegin Barbara Vorsamer. Sie fragt: »Woher nimmt sie die Empathie, auch für Täter?« (Hier mehr. )
etwas spielen, vielleicht »Minecraft«, Platz zwei im SPIEGEL Games-Kanon. »Man baut etwas, zerstört es danach und hat Spaß dabei«, verspricht meine Kollegin Carola Padtberg (hier mehr ).
Ihnen einen entspannten Abend. Herzlich
Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion

