Der erste Sonntag ist rum, an dem die Bundesländer das Lkw-Fahrverbot wegen des Niedrigwassers im Rhein verbreitet ausgesetzt haben. Groß waren die Sorgen, etwa des ADAC, vor zusätzlichen Staus. Passiert ist allerdings reichlich wenig.
Die Lockerung hat bislang aber nur zu einem begrenzten Anstieg des Verkehrs geführt. Erste Berichte aus der Branche ergäben ein gemischtes Bild, sagte der Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr und Logistik (BGL), Dirk Engelhardt, der »Rheinischen Post «. So sei in Nordrhein-Westfalen zwar ein leicht höheres Lkw-Aufkommen festgestellt worden, jedoch ohne dass dadurch größere zusätzliche Staus entstanden wären. In Bayern habe es am vergangenen Wochenende hingegen kaum mehr Lkw-Verkehr gegeben.
Schon in bestehende Transportketten eingebunden
»Von einem flächendeckend erheblich höheren Lkw-Aufkommen können wir nach dem bisherigen Kenntnisstand nicht sprechen«, sagte Engelhardt. Als Grund nannte er unter anderem die Skepsis bei vielen Unternehmen und Fahrern, zusätzlich sonntags Transporte zu übernehmen. Zudem entstünden durch die befristete Aufhebung »weder zusätzliche Fahrer noch zusätzliche gesetzliche Lenkzeiten«.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hatte die Bundesländer im Kampf gegen die Folgen des Niedrigwassers zum vorübergehenden Aussetzen des Sonntagsfahrverbots ermuntert. Die Empfehlung des CDU-Politikers ist unter Umwelt- und Arbeitnehmerorganisationen umstritten, auch Grünen- und Linkenpolitiker übten Kritik.
BGL-Chef Engelhardt äußerte sich auch kritisch zur Frage, welchen Teil der eigentlich per Schiff transportierten Güter seine Branche überhaupt auffangen kann. Fahrzeuge und Fahrer seien größtenteils bereits in bestehende Transportketten eingebunden, insbesondere beim Fahrpersonal bestünden kaum größere Reserven, sagte er dem SPIEGEL. Die Lockerung des Sonn- und Feiertagsfahrverbots schaffe höchstens etwas zusätzliche zeitliche Flexibilität. Größenordnungen wie sie per Binnenschiff transportiert werden können, ließen sich nicht mit einzelnen verfügbaren Fahrzeugen oder kurzfristig am europäischen Markt eingekauften Kapazitäten erreichen.
Um für die Schiffe ein wirklicher Ersatz sein, »müssten dauerhaft sehr viele zusätzliche Fahrzeuge mit entsprechendem Fahrpersonal zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar sein«, so Engelhardt. Allerdings fehlten hierzulande seit Jahren bereits mehr als 100.000 Lkw-Fahrer.
Lesen Sie hier ein Interview mit dem Ökonomen Thomas Puls zum Thema: »Statt vier Mann Besatzung auf einem Binnenschiff müssten mehr als hundert Lkw-Fahrer bezahlt werden .«
