SpOn 07.10.2026
11:53 Uhr

Nobelpreis für Chemie geht an Henri Kagan und Kenso Soai für Arbeiten zur Autokatalyse


Henri Kagan und Kenso Soai erhalten den Chemie-Nobelpreis für ihre Arbeiten zur Autokatalyse. Sie trugen zur Entwicklung neuer Medikamente, Geschmacks- und Farbstoffe bei.

Nobelpreis für Chemie geht an Henri Kagan und Kenso Soai für Arbeiten zur Autokatalyse

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an den französischen Wissenschaftler Henri Kagan sowie an den Japaner Kenso Soai. Das teilte die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit. Kagan forscht an der Université Paris-Sud, Soai an der Tokyo University of Science.

Die Forscher erhalten den Chemie-Nobelpreis für ihre Arbeiten zur Autokatalyse. Die Entdeckungen seien entscheidend für Chemiker gewesen, die Grundlagen für die Herstellung von Arzneimitteln entwickeln, hieß es.

»Henri Kagan und Kenso Soai haben eine Lösung für ein über ein Jahrhundert altes chemisches Rätsel geliefert: Wie kann Homochiralität spontan entstehen? Die von ihnen entwickelten chemischen Reaktionen sind spektakulär«, sagte Heiner Linke, der Vorsitzende des Nobelkomitees für Chemie.

Lange bestehendes Rätsel gelöst

Ähnlich wie Hände existieren Moleküle wie Aminosäuren, die Bausteine der Proteine, als zwei Varianten, die das Spiegelbild der anderen sind. Dies bezeichnen Chemiker als chiral. Lebende Organismen enthalten jedoch nur eines dieser Spiegelbilder, das andere ist in der Natur nur selten anzutreffen. Sie sind homochiral.

Wie eine solche chemische Asymmetrie entstehen konnte, war für Forschende lange unklar. Als sie begannen, mit chemischen Reaktionen zu experimentieren, bei denen zwei spiegelbildliche Moleküle entstehen können, erhielten sie in ihren Reagenzgläsern stets gleiche Anteile beider Varianten. Die Chemiker strebten jedoch danach, nur eines dieser Spiegelbilder zu erzeugen. Denn bei der Entwicklung von Molekülen, die mit Lebewesen interagieren – beispielsweise in Arzneimitteln –, entfaltet nur ein Spiegelbild die gewünschte Wirkung.

Henri Kagan machte 1986 den ersten entscheidenden Schritt, als er eine neue Methode zur Steuerung chemischer Reaktionen entdeckte, teilt das Nobelkomitee mit. Dies habe es ihm ermöglicht, einen größeren Überschuss an einem der Spiegelbilder zu erzeugen, als zuvor für möglich gehalten worden sei.

Kenso Soai machte den nächsten Schritt. In einer Veröffentlichung aus dem Jahr 1995 beschrieb er, wie er die erste chemische Reaktion entwarf, die das Potenzial hatte, homochiral zu sein. Im Jahr 2003 gelang ihm dies schließlich. Er stellte eine Reaktion vor, bei der nur eines der beiden möglichen Spiegelbilder entstand. Abgesehen vom Leben selbst hatte zuvor noch niemand diese Leistung vollbracht.

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Preisgeld wurde erhöht

Der Chemie-Nobelpreis, die renommierteste Auszeichnung für Chemiker, ist in diesem Jahr mit insgesamt zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert, umgerechnet rund einer Million Euro. »In diesem Jahr feiern wir das 125-jährige Bestehen des Nobelpreises. Aus diesem Anlass freuen wir uns, das Preisgeld um eine Million erhöhen zu können«, sagte die Geschäftsführerin der Nobelstiftung, Hanna Stjärne.

Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Im 125. Jahr gibt es noch eine Besonderheit: Erstmals in der Geschichte der Stiftung werden die Namen der Nobelpreisträger für Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften von einer Frau verkündet. Die gebürtige Belgierin Ellen Moons trat zum Jahresstart 2026 ihren Posten als neue Generalsekretärin der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften (KVA) in Stockholm an, die die Nobelpreise in den drei Preiskategorien alljährlich bekannt gibt. Sie ist die erste Frau in diesem Amt seit der Gründung der Akademie im Jahr 1739.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung wurde die unterschiedliche Händigkeit von Molekülen als Homochiralität statt als Chiralität bezeichnet. Wir haben den Fehler korrigiert.

lki/dpa