Österreich, Land der Berge, Land am Donaustrome – es bekommt die Wucht des Treibhauseffekts besonders stark zu spüren. Der Temperaturrekord wurde am Dienstag gebrochen: 41,0 Grad wurden in Wien-Stammersdorf gemessen. Die Marke hielt nicht lange: Schon am Mittwoch meldete das niederösterreichische Bad Deutsch-Altenburg 41,2 Grad. Der Osten Österreichs glich einem Glutofen, im übrigen Land sah es nur unwesentlich besser aus.
Gerade der Wassermangel wirkt sich dramatisch aus. Die Donau führt nur noch ein Drittel der üblichen Wassermenge, andere Gewässer trocknen aus, Fische und andere Tiere sterben. Um die Grundwasserpegel steht es selbst in den alpinen Regionen schlecht, die Lage war absehbar: Hydrologen sahen das Land schon vor der aktuellen Hitzewelle »am Rande einer Ausnahmesituation«. Die Landwirtschaft hat besonders zu leiden. Der Mais entwickelt sich oft nicht richtig, es gibt massive Ernteausfälle. Beim Getreide wird mit einem Rückgang von bis zu 20 Prozent gerechnet , bei der Kürbisernte ist gar von einem Minus von 50 bis 90 Prozent die Rede. Neben der Dürre sind auch die schweren Hitzegewitter ein Problem. Hagel und Starkregen machen manche Ernte binnen weniger Minuten zunichte.
Ausgetrockneter Nussensee im Salzkammergut: »Am Rande einer Ausnahmesituation«
Foto: Christian Bruna / Getty ImagesErste Bauern schlachten ihre Rinder aus Not, die Wiesen sind verdorrt, es mangelt an Futter. Die Folge sind finanzielle Einbußen für die Landwirte und steigende Preise für die Verbraucher. Welche Schadensdimension mit dem Extremwetter für den Agrarbereich einhergeht, ist noch nicht klar.
Im Energiesektor, wo Österreich so stolz auf seinen hohen Anteil an Wasserkraft ist, sank der Strom aus Turbinen um 30 Prozent . Auch die Industrie beobachtet die Entwicklungen genau: Viele Anlagen benötigen Flusswasser für die Kühlung. Wie sich die Lage auf den Tourismus auswirkt, ist noch unklar. Aber wer will sich schon erholen in einem Land, in dem die Bergseen austrocknen und die Weiden braun sind?
Dass sich die Folgen der menschengemachten Erderwärmung ausgerechnet in Österreich besonders stark zeigen, war schon länger vorausgesagt. Hierzulande kletterte die Temperatur im Vergleich zum vorindustriellen Mittel um 3,1 Grad , berichteten Forscher schon 2025. Weltweit liegt der Durchschnitt nur halb so hoch. Im Juni wurden in dem Neun-Millionen-Einwohner-Land bereits knapp 400 Hitzetote registriert. Wie hoch wird die Zahl nach den aktuellen Hochtemperaturen sein?
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Krisentreffen in Bonn: Deutschland hat ein Problem mit Niedrigwasser – jetzt sollen Lösungen her3 Min
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Österreich ist Hitzeopfer, dabei hat es sich lange relativ sicher gewähnt. Die Politik unternahm kaum Anstalten, um das Land und seine Wirtschaft nachhaltig in eine klimafreundliche Zukunft zu steuern. Stattdessen wurde Stimmung gegen Windräder gemacht und der Verbrennermotor gepriesen . Elektromobilität, der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und wirkungsvolle Begrünung in Städten wurden hintangestellt. Gerade die konservative Kanzlerpartei ÖVP zeichnete sich durch Ignoranz aus, aber auch die SPÖ, die etwa in Salzburg einen teuren, aber sinnvollen S-Bahn-Ausbau torpedierte.
Eine besonders peinliche und weltfremde Rolle spielt die FPÖ in diesem Hitzesommer. Vertraute des radikal rechten Parteichefs Herbert Kickl sprachen von »Klima-Panik«, im Sommer sei es schon immer heiß gewesen . Kickl posiert derweil in bester Laune für soziale Medien. Ein Foto zeigt ihn im Auto sitzend, er beißt in ein Kärntner Gebäckstück. Man darf annehmen, dass die Klimaanlage dabei auf Hochtouren lief.
Niedrigwasser an der Donau: Nur ein Drittel der üblichen Menge
Foto: Harald Schneider / APA / dpaPodcast-Folge über den Fall Jörg Haiders
Der »Inside Austria«-Podcast ist noch eine Woche in der Sommerpause. Deshalb wiederholen wir an dieser Stelle Teil drei einer Miniserie aus dem Jahr 2024 über den ehemaligen FPÖ-Parteichef Jörg Haider. Unsere SPIEGEL-Kollegin Lucia Heisterkamp schreibt dazu:
Im Oktober 2008 starb der Kärntner Landeshauptmann bei einem Verkehrsunfall. Doch sein Erbe lebt bis heute in Österreichs Politik fort. Wer genau hinschaut, erkennt überall seine Handschrift. Haider hat die FPÖ zum festen Bestandteil des »Establishments« in Österreich gemacht. Rechtspopulisten in ganz Europa haben Haiders Methoden kopiert: seine Tabubrüche, die Anti-Ausländer-Rhetorik und die inszenierte »Volksnähe«.
In dieser Folge rekonstruieren wir den Fall des einstigen FPÖ-Shootingstars. Es geht um seine Abspaltung von der Partei, um einen Bankenskandal in Kärnten und um Haiders Unfalltod. Und wir fragen, welche Lehren sich aus dem Aufstieg der FPÖ ziehen lassen.
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Herzliche Grüße aus Wien!
Oliver Das Gupta
Autor für SPIEGEL und STANDARD
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