Der ChatGPT-Entwickler OpenAI warnt laut einem Zeitungsbericht Mitarbeiter, dass sie zum Ziel von Spionen werden könnten – auch über sexuelle Annäherung. Solche Fallen, für die Geheimdienste berüchtigt sind, seien Thema in einigen Schulungen für Beschäftigte gewesen, schreibt das »Wall Street Journal« .
Mitarbeiter würden auch gewarnt, dass ihnen Geld für Geschäftsgeheimnisse geboten werden könne oder dass ihre Unterhaltungen in Cafés belauscht werden könnten, heißt es unter Berufung auf informierte Personen. Auch Beschäftigte anderer KI-Schwergewichte bekämen solche Warnungen zu hören.
Mitarbeitern von OpenAI wird dem Bericht zufolge außerdem empfohlen, sich draußen nicht mit Logos der Firma zu zeigen und selbst im Büro keine Informationen auf Whiteboards zu hinterlassen – für den Fall, dass Putzkräfte zum Ausspähen angeworben worden seien.
Ein harter Kampf um Marktanteile und Informationen
US-Firmen wie OpenAI, Anthropic, Google und Meta gelten im Bereich KI als weltweit führend, zugleich stehen sie in einem scharfen Wettbewerb untereinander. Das nährt die Sorge, zum Ziel von Agenten aus anderen Ländern oder von Industriespionage durch die Konkurrenz zu werden.
In der Branche arbeiten zu einem großen Teil junge Leute, die mitunter auch mal von einer KI-Firma zur anderen wechseln. Zum Stereotyp des Silicon Valley gehört auch ein angeblich hoher Anteil von Männern, die gewiefter im Umgang mit Technik sind als in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Techunternehmen sind in den USA schon häufiger zum Ziel von Spionageaktivitäten geworden. Ein Fall betraf zum Beispiel Twitter, das heute X heißt.
Ein möglicher Spion bei OpenAI
Erst vor wenigen Tagen wurde ein Mitarbeiter von OpenAI festgenommen. Dem Bürger Saudi-Arabiens wird vorgeworfen, eine Aufnahmevorrichtung in einem vom Topmanagement genutzten Konferenzraum in San Francisco platziert zu haben. Zum genauen Ziel dieser Aktion gab es bisher keine Angaben.
Einem Gerichtsdokument zufolge hatte der Mann für sich, seine Frau und ein weiteres Familienmitglied für den 12. Oktober einen Flug nach Saudi-Arabien gebucht, »one-way«, also ohne Rückflugticket. Festgenommen worden war der 35-Jährige am 9. Oktober.
»Wenn man einen Typ erwischt, bedeutet das, dass noch ein halbes Dutzend andere da draußen sind«, kommentierte im Artikel des »Wall Street Journal« Randy Watt von der Firma SRW, die Unternehmensführungskräfte berät. Watt erklärte, dass Kriminelle möglicherweise nicht nur nach technischen oder strategischen Informationen suchten, sondern auch nach persönlichen Geheimnissen. Diese könnten dazu genutzt werden, Personen auszubeuten oder zu erpressen.
