SpOn 10.03.2026
05:57 Uhr

Pistorius organisiert Patriot-Raketen für die Ukraine


Wegen des hohen Verbrauchs an Flugabwehrraketen im Nahen Osten sorgt sich Präsident Selenskyj um den Nachschub für die Ukraine. Nach SPIEGEL-Informationen kommt nun zumindest ein kleines Paket, das Boris Pistorius geschnürt hat.

Pistorius organisiert Patriot-Raketen für die Ukraine

Die Ukraine kann in den nächsten Wochen mit einem dringend benötigten Paket von Patriot-Flugabwehrraketen aus Europa  rechnen. Nach SPIEGEL-Informationen ist es Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gelungen, bei mehreren europäischen Partnern um die 30 Lenkflugkörper der neuesten Bauart PAC-3 loszueisen. Zusammen mit einer Handvoll dieser weltweit knappen Hightech-Raketen aus Bundeswehrbeständen sollen nun um die 35 der Abfangraketen in die Ukraine geliefert werden.

Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte die geplante Lieferung des neuen Pakets auf eine entsprechende SPIEGEL-Anfrage. Demnach sei es gelungen, die europäischen Partner zu einer Lieferung von weiteren PAC-3-Raketen zu bewegen, »die sich nahe an der geplanten Zielmarke befindet«. Aus Sicherheitsgründen wollte der Sprecher nicht sagen, wie groß das neue Paket genau ist und wann es in die Ukraine geliefert werden soll.

Pistorius hatte bei einem Treffen der Ukraine-Unterstützer vor der Münchner Sicherheitskonferenz einen mehr als ungewöhnlichen Vorschlag gemacht. Den Partnernationen bot Pistorius an, dass Deutschland fünf der PAC-3-Raketen aus Bundeswehrbeständen für die Ukraine bereitstellen wolle, wenn die anderen Staaten insgesamt 30 weitere Lenkflugkörper lieferten. Damals sagten einige Nationen, darunter die Niederlande, unverbindlich eine Lieferung zu, nun wurde dies bestätigt.

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Die Initiative des Ministers illustriert, wie verzweifelt die Ukraine die Patriot-Lenkflugkörper braucht. Bis heute gilt das US-System mehr oder weniger als einzige Verteidigung gegen ballistische Raketen aus Russland, die Drohnenschwärme indes bekämpfen die Ukrainer mittlerweile größtenteils mit anderen Systemen. Gerade zum Schutz von wichtigen Umspannwerken oder der Hauptstadt sind sie aber weiterhin auf die Patriot-Systeme angewiesen, die aus dem Westen geliefert worden sind.

Der Krieg im Nahen Osten hat die Lage noch einmal deutlich verschärft. Nach den amerikanisch-israelischen Luftschlägen, die Ende Februar begannen, hat Iran US-Basen in der Region und auch die Nachbarländer immer wieder mit Raketen und Drohnen attackiert. Dabei, so schätzen Experten, sind mehrere Hundert der Patriot-Abfangraketen abgefeuert worden, die neueste Variante PAC-3 kostet pro Stück bis zu vier Millionen Euro, wohlgemerkt für einen Schuss.

Der hohe Verbrauch im Nahen Osten sorgt in der Ukraine für regelrechte Panik. Zwar liefern die USA schon lange keine Waffen mehr in die Ukraine, Präsident Donald Trump ermöglichte es aber den Europäern, für viel Geld Nachschub in den USA zu kaufen und diese Systeme dann in die Ukraine zu liefern. Derzeit aber müssen die USA ihre eigenen Depots für die Patriot-Systeme, von denen die US-Streitkräfte um die 60 weltweit im Einsatz haben soll, wieder auffüllen.

Das Paket reicht wohl nur für einen halben Monat

Dass Minister Pistorius das neue Paket für die Ukraine trotz der weltweiten Knappheit organisieren konnte, ist zweifellos ein Erfolg. Im Wehrressort allerdings macht sich niemand Illusionen, dass die hektische Suche nach Patriot-Raketen weitergeht. Genaue Zahlen, wie viele Abfangraketen die Ukraine braucht, gibt es zwar nicht. Von ihren Kameraden aber kennen die deutschen Offiziere eine ungefähre Zahl, demnach verbraucht die Ukraine pro Monat durchschnittlich 60 Patriot-Raketen. Das Pistorius-Paket wird also nicht ewig halten.

Sein Ministerium betonte, dass Deutschland bei der Unterstützung der Ukraine nicht nachlassen werde. In den vergangenen Tagen hatte die Bundesregierung mehrfach betont, dass die Verteidigung des Partnerlands für Berlin die oberste Priorität habe und auch angesichts des Krieges im Nahen Osten nicht in den Hintergrund rücken werde.

Der Sprecher des Wehrressorts unterstrich, dass es dabei nicht nur um die dringend benötigten Patriot-Raketen geht. Abseits des aktuellen Pakets werde Deutschland der Ukraine »weitere Luftverteidigungsmittel wie beispielsweise Manpads, AIM-9 und Iris-T-Lenkflugkörper und Ersatzteilpakete für Patriot und Iris-T liefern«, sagte er. Zudem werde Deutschland seine Unterstützung beim Aufbau einer ukrainischen Luftverteidigung fortsetzen, die vor Ort produziert werde.