Moskau feiert die Aussetzung von neuen US-Strafmaßnahmen als »wichtigen und wahrhaft historischen Moment«. Der Schritt fördere den Dialog und die für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit, teilte der für die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit zuständige Kreml-Beauftragte Kirill Dmitrijew bei Telegram mit. Knapp einen Monat nach der Unterzeichnung eines Sanktionspakets gegen Russland hat US-Präsident Donald Trump die darin vorgesehenen Zölle kurz vor ihrem Inkrafttreten gestoppt. Unterdessen greift Russland die Ukraine weiter an.
Trump begründete sein Vorgehen damit, dass dies »zum jetzigen Zeitpunkt im nationalen Interesse« der USA liege. Erst vor wenigen Tagen hatte er zudem die Lieferung von russischem Diesel mit dem Kreml vereinbart – ungeachtet bestehender Sanktionen gegen Russland. Trump steht angesichts der Midtermwahlen unter Druck. Die Energiepreise in den USA sind infolge des Irankriegs gestiegen. Dafür macht Trump jedoch die Ukraine und Präsident Wolodymyr Selenskyj zum Sündenbock. (Lesen Sie hier mehr dazu. )
Dmitrijew, der als Kreml-Unterhändler mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner über die Zukunft der Ukraine verhandelt, sagte auch: Die Sanktionen hätten »die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und den USA faktisch vollständig zum Erliegen bringen und vor allem der amerikanischen Wirtschaft sowie den Weltmärkten schweren Schaden zufügen können«. Im Gegensatz zu Sanktionen und Konfrontation trage die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und den USA zur Stabilität der Weltwirtschaft bei, so Dmitrijew. Das sei Grundlage, um Vertrauen zu stärken und dauerhaften Frieden zu erreichen, behauptete er.
Angriffe mit Toten und Verletzten gehen weiter
Tatsächlich setzte Russland seine Angriffe trotz Trumps Ankündigung in der Nacht weiter fort. Laut dem russischen Verteidigungsministerium attackierte die Armee großflächig ukrainische Infrastrukturziele. Darunter befinde sich das größte Stahlwerk des Landes in Krywyj Rih, das dem Konzern ArcelorMittal gehört, so das Ministerium. Die Anlage hat ihren Betrieb nach einer Reihe russischer Raketenangriffe seit September eingestellt. Zudem seien ein Umspannwerk in Schytomyr, ein weiteres Stahlwerk in Saporischschja sowie ein Frachtschiff im Schwarzen Meer getroffen worden. Letzteres habe Militärgüter für den Hafen von Odessa geladen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte am Morgen mit , Russland habe am Vortag mehr als 15 ukrainische Energieanlagen in verschiedenen Regionen des Landes angegriffen. Selenskyj schrieb zudem: »Ein Aussetzen der US-Sanktionen, eine Verringerung des Drucks auf den Aggressor, finanzielle Belohnungen für Putin – all das ermutigt ihn nur dazu, seine Angriffe fortzusetzen.«
Zudem sei in Cherson ein Mensch nach russischen Angriffen ums Leben gekommen, wie der Gouverneur der Region, Oleksandr Prokudin, auf Telegram mitteilte. Dabei handele es sich um den Fahrer eines Rettungswagens. Weitere 19 Personen seien verletzt worden, darunter auch ein Kind. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass meldete unter Berufung auf Rettungskräfte, dass in der Region Belgorod eine Frau ums Leben gekommen sei. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
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