SpOn 14.10.2026
01:12 Uhr

Russland-Ukraine-Krieg: Wolodymyr Selenskyj beklagt fehlende Warnung vor russischen Raketen


Die zweite Nacht in Folge meldet der ukrainische Präsident schwere Angriffe auf sein Land, in Kyjiw wurden demnach ein Wohnblock und ein Heizkraftwerk getroffen. Und: Erneut habe es keine Vorwarnung der Verbündeten gegeben.

Russland-Ukraine-Krieg: Wolodymyr Selenskyj beklagt fehlende Warnung vor russischen Raketen

Nach einem weiteren ballistischen Raketenangriff Russlands hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die ausgebliebene Warnung der Verbündeten beklagt. »Wieder einmal gab es keine frühzeitige Warnung von unseren Partnern«, schrieb Selenskyj . Ziel der jüngsten Attacke Russlands sei ein Heizkraftwerk im Ostteil der Hauptstadt gewesen, »eines der Hauptkraftwerke Kyjiws«, wie Selenskyj erklärte. »Leider gab es einen Treffer.«

Außerdem sei ein mehrstöckiger Wohnkomplex in der Stadt durch russische Raketen beschädigt worden. Einsatzkräfte kämpfen laut Selenskyj derzeit gegen die Flammen. Es gebe nach bisherigem Stand mindestens ein Todesopfer und sechs Verletzte.

Die Raketen seien erst im Anflug auf Kyjiw von den Radaren entdeckt worden, so Selenskyj. In einem weiteren Post  beklagte er: »Das ist bereits das zweite Mal diese Woche, dass die Ukraine nicht vorgewarnt wurde.«

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Schon am Vortag hatte Selenskyj angedeutet, dass die USA die Ukraine nicht mehr vor russischen Angriffen warnen. Der Präsident nannte zwar keinen Partner namentlich, betonte aber, das Land brauche ein starkes Amerika, ein starkes Europa und Partner, »die wirklich helfen«. Wie der SPIEGEL aus Sicherheitskreisen erfuhr, gab es ein technisches Problem, das dazu führte, dass die ukrainische Seite in der Nacht zum Dienstag keine Warnmeldungen erhielt (mehr dazu hier). Ob das auch für die Angriffe in der Nacht zum Mittwoch gilt, ist unklar.

Die Ukraine verlässt sich in ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg traditionell vor allem auf Aufklärungsdaten des US-Militärs, aber auch auf die anderer Nato-Mitgliedstaaten. US-Präsident Donald Trump verneinte am Dienstag die Frage eines Reporters, ob die USA den Austausch von Geheimdienstinformationen mit der Ukraine eingestellt hätten: »Wir helfen ihnen und wir teilen Geheimdienstinformationen«, sagte er. Die USA wollten, dass der Krieg ende.

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Die Beziehung zwischen Selenskyj und Trump hatte sich zuletzt deutlich abgekühlt. Mit Russland hatte Trump am vergangenen Freitag einen Deal über Dieselimporte ausgehandelt und dafür Sanktionen gegen russische Kraftstofflieferungen vorübergehend ausgesetzt (mehr zu dem Deal hier ). Einen Tag später erklärte Trump, die Ukraine benötige einen neuen Präsidenten. Selenskyj signalisierte seinerseits die Bereitschaft, Wahlen abzuhalten, sofern Russland einer 60-tägigen Waffenruhe zustimme.

Zwei Tage nach der Bekanntgabe des Dieseldeals verkündete Trump dann eine »Energiewaffenruhe«: Die Ukraine und Russland hätten zugestimmt, ihre Angriffe auf die Energieinfrastruktur im jeweils anderen Land einzustellen, erklärte er (mehr dazu hier). Selenskyj reagierte zunächst überrascht, erklärte aber, die Ukraine werde eine Waffenruhe unterstützen. Moskau bestätigte das Inkrafttreten einer »Energiewaffenruhe« hingegen nicht.

Burnham sagt Selenskyj Unterstützung zu

In seiner jüngsten Nachricht warf Selenskyj Russland nun vor, neue Angriffe vorzubereiten. »Und das ist überhaupt nicht gerecht: wenn sie Energieanlagen zerstören und die Ukraine nicht einmal Warnungen vor dem Start von ballistischen Raketen erhält«, schrieb er . Es sei wichtig, dass die USA wirklich sehen, was vor sich geht und wer Schuld daran habe, dass der Krieg weitergeht.

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Am Mittwoch wird Selenskyj in London erwartet. Premierminister Andy Burnham werde ihn am Regierungssitz in der Downing Street empfangen, um die »felsenfeste Unterstützung« Großbritanniens für die Ukraine zu bekräftigen, teilte die britische Regierung in der Nacht mit. Konkret soll es unter anderem um die schnellere Lieferung wichtiger Flugabwehrraketen gehen. Dies sei Teil »dringender Unterstützung in den kommenden Wochen«, so Burnham.

aar/dpa/AFP