SpOn 09.03.2026
13:40 Uhr

Schauspielhaus Hamburg: Mehrere Personen stürmen Bühne während Lesung mit Alice Schwarzer


Am Weltfrauentag lud das Schauspielhaus Hamburg die Autorin Alice Schwarzer zu einer Lesung ein. Die Veranstaltung der umstrittenen Feministin blieb nicht ohne Zwischenfälle.

Schauspielhaus Hamburg: Mehrere Personen stürmen Bühne während Lesung mit Alice Schwarzer

Eine Lesung von Autorin und Publizistin Alice Schwarzer, 83, in Hamburg wurde am Sonntagabend massiv gestört. Mehrfach stürmten Demonstrierende auf die Bühne, riefen ins Publikum, erzeugten Tumult. Im Saal: Buhrufe, Gereiztheit, Fronten. Das berichten Hamburger Medien.

Alice Schwarzer saß währenddessen weiterhin auf der Bühne und wartete die Proteste ab. Später sagte sie: »Wir sind da, um voneinander zu hören, uns auszutauschen. Wir müssen überhaupt nicht einer Meinung sein.«

Proteste vor dem Schauspielhaus Hamburg am Weltfrauentag

Proteste vor dem Schauspielhaus Hamburg am Weltfrauentag

Foto: Christiane Bosch / dpa

Schon vor Beginn der Lesung hatten vor dem Schauspielhaus mehr als hundert Menschen lautstark gegen die Veranstaltung protestiert und Banner gehalten. Die Protestierenden warfen Schwarzer transfeindlichen, rassistischen und ausgrenzenden »Radikalfeminismus« vor.

Es ist der Kern der aktuellen Schwarzer-Debatte: Die Frau, die für viele jahrzehntelang als Symbol einer westdeutschen Emanzipationsgeschichte galt, ist für andere längst zur Reizfigur geworden – nicht nur wegen ihrer Zuspitzungen, sondern wegen ihrer politischen Fixierungen.

Alice Schwarzer las am Abend im Malersaal vor etwa hundert Besucherinnen und Besuchern aus ihrem neuen Buch »Feminismus pur. 99 Worte«. Anschließend führte die Publizistin und Gründerin der Zeitschrift »Emma« ein Gespräch mit Schauspielerin Nina Gummich und beantwortete Fragen des Publikums.

Offener Brief von Theatermachern

Die Einladung war vorab von 340 Theatermacherinnen und -machern in einem offenen Brief kritisiert worden. Sie hatten das Schauspielhaus aufgefordert, die Veranstaltung abzusagen. Sie warfen Schwarzer vor, dass sie »seit Jahren gegen Selbstbestimmung, Arbeitsrechte und soziale Teilhabe von trans Menschen und Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern« kämpfe.

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Konkret hieß es im Brief, sie positioniere sich gegen das Selbstbestimmungsgesetz, beharre auf biologistischen Geschlechterbildern, diskreditiere Transidentität als »Trend« oder »Freizeitvergnügen« – und argumentiere teils »in AfD-Manier«, wenn sie vor angeblichen Gefahren für Kinder und Jugendliche warne. Im SPIEGEL-Spitzengespräch sah Schwarzer zuletzt sogar in einer möglichen Kanzlerschaft der AfD-Politikerin Alice Weidel ein »ermutigendes« Zeichen für Frauen.

Das Hamburger Theater hielt an der Lesung fest. »Seit 50 Jahren äußert sich Alice Schwarzer zu sehr vielen Themen – zu so vielen, dass wir es problematisch finden, sie auf eine ihrer Positionen zu reduzieren, so diskussionswürdig einige von ihnen sind«, teilte das Haus mit. Alice Schwarzer sei eine streitbare und streitfreudige Person. Vor allem eine, »die nicht nur die Debatte sucht, sondern sich Diskussionen auch stellt«.

Manche Thesen Schwarzers spiegelten in der Gesellschaft kursierende Aussagen, »deshalb sollten sie diskutiert werden – und es kann ihnen auch widersprochen werden«. Meinungsvielfalt sei essenziell für die Demokratie. »Alice Schwarzer den Mund zu verbieten und ihr keine Möglichkeit zu geben, ihre Sicht der Dinge offen zu diskutieren, tragen wir nicht mit.«

cpa/dpa