Mit zunehmend drastischen Worten bekräftigt Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) seine Forderung nach einem Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche. »Wenn wir so weitermachen wie bisher, ohne einzugreifen, führt das unsere Gesellschaft in den Abgrund«, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland .
Es sei eine »schwere Sünde« gewesen, dass man nicht schon vor Jahren gehandelt habe. Die junge Generation habe dadurch bereits »erhebliche Schäden« davongetragen, so Günther. Der CDU-Politiker verwies auf die Sucht auslösenden Mechanismen vieler Social-Media-Apps, die selbst für Erwachsene gefährlich sein könnten, sich selbst eingeschlossen. »Wenn ich mal damit anfange, muss ich mich auch sehr disziplinieren, nicht die ganze Zeit auf mein Handy zu gucken und ein Video nach dem anderen zu schauen«, erzählt der 51-Jährige.
Außerdem gebe es in den Netzwerken zahlreiche Formen von Gewalt, Stigmatisierung und unrealistischen Schönheitsidealen. »Teilhabe ist wichtig, aber welche Kinder wollen Teilhabe an Gewaltvideos, Enthauptungen, Stigmatisierungen und verzerrten Schönheitsbildern, die sie in Depressionen treiben?«
»Digitaler Wahnsinn«
Es müsse nun endlich etwas gegen den »digitalen Wahnsinn« unternommen werden, forderte Günther und warnte: »Jeder Monat, den wir warten, schadet Kindern und Jugendlichen.« Zuletzt hatten sich die CDU und Teile der SPD dafür ausgesprochen, Social Media für Kinder unter 14 Jahren komplett zu verbieten und für Jugendliche zusätzliche Einschränkungen einzuführen. Die CSU hingegen lehnt das bislang ab und kritisiert, die Debatte gehe an der Lebenswirklichkeit vorbei. Den richtigen Umgang mit sozialen Medien lerne man nicht durch Verbote, sondern durch Aufklärung und die Förderung von Medienkompetenz.
Für Günther sei sogar ein generelles Verbot für unter 18-Jährige denkbar. »Die Hauptsache ist, dass wir überhaupt etwas machen, und zwar schnell.« Die Bundesregierung müsse hier Verantwortung übernehmen: »Es gibt keinen Grund mehr zu warten.« Nach seiner Einschätzung gäbe es sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat Mehrheiten für ein solches Verbot.
