SpOn 18.08.2026
13:32 Uhr

Syrien: Wassim al-Assad zum Tode verurteilt


Auch gegen Wassim al-Assad, einen Cousin des früheren syrischen Diktators, ist nun die Todesstrafe verhängt worden. Anders als der nach Russland geflüchtete Ex-Machthaber war der Angeklagte im Prozess anwesend.

Syrien: Wassim al-Assad zum Tode verurteilt

Syriens neue Machthaber gehen weiter gegen die Familie von Baschar al-Assad vor: Das Staatsfernsehen übertrug live, wie das Vierte Strafgericht Wassim al-Assad, Cousin des gestürzten Ex-Diktators Baschar al-Assad, zum Tode verurteilte. Die ihm zur Last gelegten Taten werden als Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen gewertet.

Wassim al-Assad wurden im Prozess auch die Bildung bewaffneter Gruppen, Drogenhandel, Entführungen und Erpressung vorgeworfen. Er galt über Jahre als wichtige Figur im kriminellen und paramilitärischen Netzwerk der syrischen Führung. Dabei war er auch an der gewaltsamen Unterdrückung der Opposition beteiligt und stieg laut internationalen Ermittlern zu einem der einflussreichsten Drahtzieher des milliardenschweren, globalen Captagon-Drogenschmuggels  auf, weshalb er von den USA und der EU mit schweren Sanktionen belegt wurde. Aufnahmen zeigten Assad im Gerichtssaal im Käfig für Angeklagte, während der Richter das Urteil gegen ihn verlas.

Unter der Herrschaft von Baschar al-Assad hat sich Syrien zu einem zentralen Umschlagplatz für den illegalen Handel mit Captagon entwickelt. Der Handel mit den Amphetamin-Tabletten galt als eine der wichtigsten Einnahmequellen der damaligen syrischen Regierung.

Der nun verurteilte Assad ist eine der wenigen Schlüsselfiguren der ehemaligen Regierung, die in Syrien selbst vor Gericht stehen. Er wurde vor rund einem Jahr von den aktuellen syrischen Behörden festgenommen. In der vergangenen Woche wurden bereits Ex-Machthaber Assad selbst und sein Bruder Mahir in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Eine Vollstreckung dieser Strafen ist nicht absehbar.

Mehr zum Thema

Während des fast 14 Jahre dauernden Bürgerkrieges in Syrien wurden mehr als eine halbe Million Menschen getötet. Ende 2024 stürzten Kämpfer unter Führung der islamistischen HTS-Miliz den langjährigen Machthaber Assad, der ins Exil nach Russland floh. Moskau hat bisher keiner Auslieferung zugestimmt.

Die Übergangsführung in Damaskus hatte angekündigt, Verantwortliche für Verbrechen unter der Assad-Herrschaft zur Rechenschaft zu ziehen. Der Prozess gegen Wassim al-Assad hatte im Juni begonnen.

Mehr als zehn Jahre lang lebten zwei hochrangige Schergen des Assad-Regimes frei in Europa, geschützt von Behörden und Geheimdiensten. Nun wurden sie in Wien verurteilt. Ihre Opfer sind erleichtert – und trotzdem enttäuscht. Lesen Sie hier  mehr dazu.

akb/AFP/dpa