SpOn 10.10.2026
09:07 Uhr

Tesla: E-Auto-Hersteller legt irreführenden Namen »Full Self-Driving« in Europa ab


EU-Behörden diskutieren, ob Teslas Software für teilautomatisiertes Fahren reif für Europas Straßen ist. Der Hersteller kommt den Kritikern symbolisch entgegen. Verkehrsminister Bilger zeigt sich schon überzeugt.

Tesla: E-Auto-Hersteller legt irreführenden Namen »Full Self-Driving« in Europa ab

Tesla hat nach jahrelanger Kritik den umstrittenen Namen seines Fahrassistenzsystems in Europa geändert. Auf Websites des Elektroautoherstellers in Deutschland und anderen europäischen Ländern heißt es nun »Tesla Assisted Driving« – was gleich deutlich macht, dass es sich lediglich um ein Assistenzsystem handelt.

Zuletzt nannte Tesla es »Full Self-Driving (Supervised)«, in Deutschland übersetzt als »Voll-Selbstständiges Fahren (Überwacht)«. Seit Jahren gibt es den Vorwurf an Tesla, dass der Name autonomes Fahren verspreche, während in Wirklichkeit der Fahrer permanent bereit sein muss, die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen. Auch die Haftung liegt bei ihm, falls der Computer Fahrfehler macht. Immer wieder fallen Tesla-Fahrer auf, die das Steuer für längere Zeit loslassen, den Blick von der Straße nehmen oder gar während der Fahrt einschlafen.

Den ersten Namen »Autopilot« für Basis-Fahrassistenztechnik ließ Tesla nach Streitigkeiten vor Gericht fallen. Im Heimatmarkt USA hält Tesla bisher weiterhin an »Full Self-Driving (Supervised)« fest, obwohl es auch dort Kritik und Ermittlungsverfahren der Verkehrssicherheitsbehörde gibt.

Zweifel an Musks Ansatz

Der Name »Full Self-Driving« (FSD) geht auf Versprechen von Tesla-Chef Elon Musk zurück, dass Autos der Firma autonom fahren würden. Er stellt das bereits seit mehr als einem Jahrzehnt für die nahe Zukunft in Aussicht. Doch erst zuletzt startete Tesla die Produktion eines Robotaxis ohne Lenkrad und Pedale und hat einige selbstfahrende Fahrzeuge in den USA im Einsatz. Allerdings gibt es Ärger mit der US-Straßenverkehrsaufsicht, weil die Regeln unter anderem ein physisches Bremspedal vorschreiben – und Tesla keine Ausnahmeerlaubnis beantragte.

Nach erster Kritik fügte Tesla zum FSD-Namen den Zusatz »Überwacht« für den aktuellen Stand des Systems hinzu. Wie in Europa für alle neuen Pkw vorgeschrieben, kontrolliert das System per Innenkamera, ob der Fahrer aufmerksam bleibt. Andernfalls wird FSD automatisch ausgeschaltet. Zugleich verweist der Name darauf, dass Tesla-Mitarbeiter das System aus der Ferne überwachen und notfalls eingreifen können. Die Idee ist, dass der Zusatz wegfällt, wenn keine Aufsicht mehr notwendig ist.

Zugleich wird Musks Vision für das autonome Fahren von vielen Experten und Wettbewerbern grundsätzlich infrage gestellt. Denn er beharrt darauf, dass selbstfahrende Autos sich allein auf Kameras und künstliche Intelligenz verlassen können. Rivalen wie die Google-Schwesterfirma Waymo setzen dagegen mehrere Radarsensoren und Laserradare ein, die die Umgebung der Fahrzeuge großflächig abtasten. Kritiker von Teslas Ansatz verweisen darauf, dass Kameras bei schlechter Sicht oder grellem Sonnenlicht nicht genug Sicherheit böten.

Autonomes Rasen mit »Speed Offset«

Aktuell diskutieren EU-Behörden im Technischen Ausschuss für Motorfahrzeuge (TCMV), ob das Tesla-Assistenzsystem auch in Europa zugelassen werden soll. In den Niederlanden ist es bereits seit April vorläufig genehmigt, sechs weitere Staaten sind dem bisher gefolgt. Andere wie Frankreich oder Schweden äußern jedoch Bedenken, eine Entscheidung wird nicht vor Dezember erwartet.

Der Europäische Verkehrssicherheitsrat ETSC warnt vor einer Zulassung. Die in dem System enthaltenen Funktionen »Speed Offset« und »Contextual Max Speed« erlaubten, geltende Tempolimits absichtlich zu missachten – und um bis zu 50 Prozent zu überschreiten. »Das sind keine technischen Einzelheiten«, erklärte ETSC-Autonomieexperte Frank Mütze. »Speed Offset« verstoße eindeutig gegen Uno-Vorschriften, die in Europa gelten.

In Belgien, wo die niederländische Genehmigung übernommen wurde, berichtete die Fußgängerschutzorganisation Johanna.be, dass Teslas mit FSD systematisch die Verkehrsregeln in Tempo-30-Zonen, Spiel- und Fahrradstraßen ignorierten.

Verkehrsminister will Teslas »Innovation« für Deutschland

Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt teilte mit, die Genehmigung gründlich prüfen zu wollen. Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) sprach sich in dieser Woche jedoch bereits dafür aus, das Tesla-System als »Innovation« auf deutsche Straßen zu bringen.

Bilger erklärte, er unterstütze eine europaweite Genehmigung nach einer »konstruktiven Einigung« mit Tesla zu technischen Dingen und Fragen der Haftung. Dazu gehöre, dass das Assistenzsystem die erlaubte Höchstgeschwindigkeit um maximal zehn Prozent überschreiten dürfe und die Menschen am Steuer »zu 100 Prozent verantwortlich für die sichere Fahrzeugführung« blieben. Tesla habe selbst angeboten, den Namen in »Assisted Driving« zu ändern, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums.

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Auf einer Konferenz am Dienstag deutete Bilger jedoch auch einen nationalen Alleingang pro Tesla an, falls keine europäische Einigung zustande käme.

ahh/dpa