SpOn 18.08.2026
02:47 Uhr

Tupac Shakur: Im Mord-Prozess gegen Duane Davis hält Anklage ihr Eröffnungsplädoyer


Vor 30 Jahren wurde Rapper Tupac Shakur getötet, die Hintergründe sind bis heute unklar. Nun startete die Verhandlung im Mordprozess gegen Duane Davis mit einem eindringlichen Plädoyer der Anklage.

Tupac Shakur: Im Mord-Prozess gegen Duane Davis hält Anklage ihr Eröffnungsplädoyer

Im Prozess um den Mord an dem legendären US-Rapper Tupac Shakur hat die Anklage in ihrem Eröffnungsplädoyer von einer Tat aus Rache gesprochen. Der Angeklagte Duane Davis habe den Mord in Auftrag gegeben, weil sein Neffe zuvor von Shakur zusammengeschlagen worden sei: Das erklärte am Montag Staatsanwalt Binu Palal zum Beginn der Verhandlungen in Las Vegas.

Der Mord an Shakur gehört zu den bekanntesten ungelösten Verbrechen in den USA, der Prozess wurde mit Spannung erwartet. Er hatte vor einer Woche mit der Auswahl der Geschworenen begonnen. Am Montag nun startete die eigentliche Verhandlung.

Angeklagter Duane Davis am Montag vor Gericht

Angeklagter Duane Davis am Montag vor Gericht

Foto:

Steve Marcus / AFP

»Am 7. September 1996 beteiligte sich Tupac Shakur öffentlich und vor laufender Kamera an einer erniedrigenden Prügelattacke auf Orlando Anderson, den Neffen von Duane Davis«, sagte Staatsanwalt Palal. »Zweieinhalb Stunden später dann … wurde Tupac aus einem weißen Cadillac heraus in einem Racheakt niedergeschossen.«

Davis habe zwar nicht selbst abgedrückt, sagte Palal. Der Angeklagte habe aber die Waffe an eine Person auf dem Rücksitz seines Wagens gegeben und dieser befohlen, auf den Rapper zu schießen.

Der Anwalt des Angeklagten, Michael Sanft, wies die Vorwürfe zurück. Die Staatsanwaltschaft und die Ermittler verfügten über keine stichhaltigen Beweise für eine Schuld seines Mandanten. »Was sie Ihnen vortragen, stellen sie als Tatsache dar, obwohl es sich in Wahrheit um Fiktion handelt«, sagte er an die Geschworenen gewandt. »Es liegt an Ihnen zu entscheiden, was wirklich den Tatsachen entspricht.«

Death Row vs. Bad Boy

Shakur war im Alter von 25 Jahren in Las Vegas im Bundesstaat Nevada getötet worden. Der Musiker war eine zentrale Figur in der erbitterten Fehde zwischen Hip-Hop-Musikern von der West- und der Ostküste der USA. Shakur wuchs zwar im New Yorker Stadtteil Harlem und in Baltimore an der Ostküste auf. Er unterzeichnete jedoch einen Vertrag mit der Plattenfirma Death Row Records aus der Westküstenmetropole Los Angeles und wurde rasch zum Inbegriff des kalifornischen »Bad Boy«.

Im Prozess wird es vor allem um die Fehde zwischen Death Row Records und der von Sean »Diddy« Combs gegründeten Ostküsten-Plattenfirma Bad Boy Records gehen. Den Ermittlern zufolge stand Death Row Records unter dem Schutz der Gang Mob Piru. Bad Boy Records wiederum heuerte die vom Angeklagten Davis geführte rivalisierende Gang South Side Compton Crips als Leibwächter an.

Den Ermittlungen zufolge schlugen Shakur und Death-Row-Records-Boss Marion »Suge« Knight am Abend des 7. September 1996 den Neffen von Crips-Boss Davis zusammen. In derselben Nacht überholte dann ein weißer Cadillac mit Davis, dessen Neffen und weiteren Insassen an Bord Shakurs Wagen in Las Vegas. Aus dem Cadillac heraus wurden mehrere Schüsse abgefeuert, Shakur wurde getroffen. Er starb sechs Tage später im Krankenhaus.

Davis schrieb über die Mordnacht – und distanziert sich inzwischen davon

Wegen mangelnder Beweise kamen die Ermittlungen zum Mord an Tupac Shakur jahrzehntelang kaum voran. Dies änderte sich 2019, als Davis seine Memoiren veröffentlichte. Darin schilderte er, dass er am fraglichen Abend vorn im Cadillac saß und den Männern auf der Rückbank eine Pistole gab. Wer genau schoss, schrieb Davis nicht. Alle anderen Männer, die damals mit ihm in dem Auto saßen, sind inzwischen tot.

Im September 2023 wurde Davis schließlich festgenommen. Er plädierte auf nicht schuldig und gab an, sein Neffe habe die tödlichen Schüsse abgefeuert. Der besagte Neffe war 1998 selbst bei einer Schießerei ums Leben gekommen. Davis distanziert sich inzwischen von den Angaben in seinen Memoiren und beteuert seine Unschuld.

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Es wird erwartet, dass der Prozess etwa einen Monat dauert. Es gilt als unwahrscheinlich, dass dabei aufgeklärt wird, wer auf Shakur geschossen hat. Die Staatsanwaltschaft will jedoch beweisen, dass Davis der Drahtzieher des Mordes war und die Tatwaffe zur Verfügung stellte. Davis’ Anwälte sagten hingegen, es gebe keine Beweise, dass er den Mord angeordnet habe.

Shakur gehörte zu den erfolgreichsten Rap-Künstlern der Neunzigerjahre. Der Hip-Hop-Star war zeitweise in Drogenhandel und andere Kriminalität verwickelt, er kam auch ins Gefängnis. Millionen Fans weltweit verehren den Rapper und seine Musik noch immer.

aar/AFP