Russland hat Kyjiw und weitere ukrainische Städte in der Nacht mit massiven Angriffen überzogen. Durch die Raketen auf die ukrainische Hauptstadt sind nach Behördenangaben mehrere Menschen getötet und schwere Schäden angerichtet worden. Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete morgens von mindestens zwei Toten. Sie seien in den Trümmern von Garagen im östlichen Stadtteil Darnyzja gefunden worden. Zwei weitere Menschen seien dort lebend geborgen worden.
Mit Blick auf die gesamte Ukraine sprach Präsident Wolodymyr Selenskyj von mindestens elf Toten. Russland habe das Land mit rund 70 Raketen sowie zahlreichen Drohnen beschossen und dabei gezielt die ukrainische Energieinfrastruktur ins Visier genommen. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe feuerte Russland insgesamt 130 Drohnen, 48 Marschflugkörper sowie ballistische Raketen ab. Die Flugabwehr habe 161 Flugkörper abgefangen.
Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Russland will gezielt Rüstungsbetriebe angegriffen haben
In Kyjiw waren in den frühen Morgenstunden zahlreiche Explosionen zu hören, berichteten Reporter des Portals »Kyiv Independent«. »Die Raketen schlagen eine nach der anderen ein. Soweit ich zählen kann, sind es mindestens zehn bis zwölf Explosionen. In der Innenstadt ist es ziemlich laut«, wurde ein Reporter zitiert.
Flammen und Rauch nach russischem Angriff in Kyjiw
Foto:Vladyslav Sodel / REUTERS
Bürgermeister Klitschko berichtete von einem Angriff auf Gebäude im Bezirk Obolon, die nicht zu Wohnzwecken genutzt werden. Im Bezirk Podil seien Lagerhallen getroffen wurden. Das russische Militär gab an, gezielt Produktionsstätten des Raketen- und Drohnenproduzenten Fire Point in Kyjiw und anderen Städten angegriffen zu haben.
Am Abend zuvor war es Berichten zufolge bereits zu einem Drohnenangriff in der nordostukrainischen Großstadt Sumy gekommen. Die Nachrichtenagentur RBK Ukraine berichtete unter Berufung auf den Bürgermeister von einem Toten und mehreren Verletzten.
Ballistische Raketen an Putins Geburtstag
Die russischen Streitkräfte setzten nach Angaben ukrainischer Militärblogs bei dem Angriff eine Vielzahl von ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen ein. Auch die Industriestädte Dnipro und Krementschuk wurden demnach massiv beschossen. In der nordukrainischen Stadt Pryluki trafen Raketen einen mehrstöckigen Wohnblock. Es gebe Tote und Verletzte, berichtete die Polizei des Gebiets Tschernihiw. Eine Zahl wurde nicht genannt.
Die Ukraine wehrt sich seit über viereinhalb Jahren gegen eine Invasion der russischen Streitkräfte. Der Angriff fiel zusammen mit dem 74. Geburtstag des russischen Staatschefs Wladimir Putin, der den Angriffskrieg gegen die Ukraine verantwortet. Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Vorabend eindringlich vor einem groß angelegten Angriff gewarnt.
