Südkorea ruft seinen Botschafter aus der Ukraine zurück. Das teilte das Außenministerium in Seoul in einer Erklärung mit. Grund dafür ist ein diplomatischer Streit zwischen beiden Ländern, der sich nach einem Auftritt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bei der Uno-Vollversammlung entwickelte.
Die südkoreanische Regierung wirft der Ukraine vor, eine vertrauliche Vereinbarung gebrochen zu haben. Diese habe vorgesehen, dass die Überstellung zweier nordkoreanischer Kriegsgefangener aus der Ukraine nach Südkorea Mitte September nicht öffentlich gemacht wird. Doch Präsident Selenskyj erwähnte den Vorgang in seiner Rede in New York.
Der südkoreanische Präsident Lee Jae-myung zeigte sich »äußerst enttäuscht« und forderte über sein Präsidialamt eine »offizielle Erklärung und Entschuldigung« von der Regierung in Kyjiw. Diese habe es wohl gegeben, teilte am Dienstag das südkoreanische Außenministerium mit. Sie habe aber nicht den Erwartungen Seouls entsprochen.
Von ukrainischer Seite heißt es dazu, es sei bedauerlich, dass es zum öffentlichen Austausch von Kritik gekommen sei. Man wünsche sich, so teilte der Sprecher des Außenministeriums Heorhiy Tykhy am Mittwoch mit , dass diplomatische Korrespondenz vertraulich bleibe. Von einer Entschuldigung möchte man in Kyjiw allerdings wenig wissen. Zwischen dem, was tatsächlich gesagt worden sei, und der Darstellung durch die südkoreanische Seite gebe es einen Unterschied.
Im Juli hatte Südkorea der Ukraine ein Hilfspaket in Höhe von 100 Millionen US-Dollar versprochen. Waffenlieferungen blieben allerdings bisher aus. Der Streit über die Kriegsgefangenen dürfte diese Zurückhaltung weiter verstärken. Das südkoreanische Außenministerium betonte indes, die Regierung hoffe auf eine Lösung des Konflikts und wolle die Verhandlungen mit Kyjiw fortsetzen.
