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Wer über Klimaschutz spricht, redet meist von erneuerbaren Energien, Elektroautos und dem zu verringernden Ausstoß von Treibhausgasen. Ebenso wichtig aber sind gesunde Böden, Gewässer und Wälder: Ihr Zustand entscheidet mit, wie gut eine Landschaft gegen die Folgen des Klimawandels gerüstet ist.
Eine aktuelle Auswertung im Fachmagazin »Nature Ecology & Evolution« von mehr als 400 Studien zeigt: Wo Biodiversität schwindet, geraten viele Ökosystemleistungen unter Druck – darunter der Erhalt der Wasserqualität, die Bestäubung, die Schädlingskontrolle und die Speicherung von Kohlenstoff. Damit sinkt auch die Fähigkeit vieler Ökosysteme, Menschen vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. »Der Verlust der biologischen Vielfalt bedroht die Ökosystemleistungen, von denen die Menschheit abhängt«, schreiben die Autorinnen und Autoren.
Andersherum gilt: Die Folgen des Klimawandels bedrohen die Biodiversität. Das verdeutlicht eine kürzlich erschienene Modellstudie im Fachmagazin »Science«. Die Forschenden haben die Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs auf mehr als 34.000 terrestrische Wirbeltierarten untersucht. Je nach Klimaszenario könnten bis zum Jahr 2100 bis zu 45 Prozent dieser Arten durch die Überflutung ihrer Lebensräume betroffen sein. Das bedeutet nicht, dass all diese Arten aussterben. Doch viele ihrer möglichen Rückzugsräume liegen außerhalb bestehender Schutzgebiete; einige könnten langfristig nicht überleben.
Fischotter in Spanien
Foto: imageBROKER / Marion Vollborn / IMAGOIhre Ergebnisse seien relevant, um Länder dabei zu unterstützen, die Ziele des globalen Biodiversitätsrahmens zu erreichen, schreiben die Autorinnen und Autoren. Ihre Botschaft ist klar: Naturschutz darf nicht nur das bewahren, was heute noch intakt ist. Er muss auch die Rückzugsräume der Zukunft sichern.
Naturverträglicher Klimaschutz gefordert
Nachvollziehbar also, dass das Zusammenspiel von Klima- und Artenschutz auch auf der Agenda der Uno-Biodiversitätskonferenz COP17 steht, dem weltweiten Verhandlungsforum zur biologischen Vielfalt. Sie wird vom 19. bis 30. Oktober 2026 in Armeniens Hauptstadt Eriwan stattfinden. Erstmals sollen die Vertragsstaaten überprüfen, wie weit sie bei den 23 globalen Biodiversitätszielen, die sie sich einst selbst gesetzt haben, tatsächlich gekommen sind – von der Renaturierung und dem Ausbau von Schutzgebieten bis zur Reform umwelt- und klimaschädlicher Subventionen.
Im Bereich Klima und Biodiversität soll es zudem um praktische Fragen gehen, etwa: Welche Wälder werden vorbildlich geschützt? Welche Arten können in kühlere Lebensräume ausweichen? Verhindern Schutzvorkehrungen, dass Aufforstung, Bioenergie oder erneuerbare Energien neue Naturschäden verursachen?
Ambitionierter Klimaschutz ist für den dauerhaften Artenschutz unverzichtbar, aber allein unzureichend. Er muss auch naturverträglich sein. Werden beispielsweise erneuerbare Energien schlecht geplant oder platziert, kann das den Naturschutz behindern, weil Windräder und Solarpanels Flächen auf Feld oder Wiese benötigen. Wie naturverträglich die Energiewende ausfällt, hängt zudem von den Stromnetzen ab, die für sie ausgebaut werden müssen. Ohne sorgfältige Planung könnten Stromtrassen Lebensräume zerschneiden oder Tiere durch Kollisionen und Stromschläge gefährden, warnten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Anfang 2026 in einer Studie .
Kirsten Thonicke, Sprecherin des Leibniz-Forschungsnetzwerks Biodiversität
Dennoch wäre ein ungebremster Verbrauch fossiler Energien für die Biodiversität insgesamt voraussichtlich deutlich schädlicher als ein gut geplanter Ausbau erneuerbarer Energien. Darauf verwiesen 2025 auch die Autorinnen und Autoren eines Beitrags in »Nature Reviews Biodiversity« .
Gleichzeitig bleibt es unverzichtbar, Lebensräume zu schützen und zerstörte Natur so gut wie möglich wiederherzustellen. Heißt: Weltweit müssen die Menschen Wälder erhalten und aufforsten, Moore wieder vernässen, Flusslandschaften renaturieren und Schutzgebiete ausweiten – all das stärkt natürliche Kohlenstoffspeicher sowie den Wasserhaushalt und hilft zugleich bedrohten Arten. Darauf weisen Forschende seit Jahren hin.
Eine Ursache, zwei Folgen
»Beim Klimaschutz besteht die Gefahr, dass wir angesichts des Zeitdrucks zu schnell in technologische Lösungen abdriften«, sagt Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Sprecherin des Leibniz-Forschungsnetzwerks Biodiversität auf SPIEGEL-Nachfrage. Dazu gehören erneuerbare Energien ebenso wie technische Verfahren, die CO₂ aus der Atmosphäre entfernen und dauerhaft speichern sollen. Dabei würden sich viele Ursachen von Klima- und Biodiversitätsschutz überschneiden: Entwaldung, intensive Landnutzung, Flächenverbrauch und die Zerstörung von Lebensräumen.
Überall hingegen, wo Menschen natürlichen Lebensraum erhalten, verbinden sich Klima- und Biodiversitätsschutz. Der fundamentale Unterschied laut Thonicke: »Wenn wir die Emissionen senken, kann sich das Klimasystem eines Tages wieder erholen. Ausgestorbene Arten aber sind für immer verschwunden.«
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Die SPIEGEL-Beiträge zur Klimakrise
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Bleiben Sie zuversichtlich.
Ihre Alina Schadwinkel
Redakteurin Wissenschaft

