SpOn 15.10.2026
12:28 Uhr

Welthungerhilfe: Hungerkrise in Afrika südlich der Sahara verschärft sich


Erstmals seit dem Jahr 2000 hat sich die Ernährungssituation auf der Welt laut der Welthungerhilfe wieder verschlechtert. Die Hilfsorganisation warnt vor Budgetkürzungen angesichts von Ernährungskrisen im Sudan, im Kongo und in Nigeria.

Welthungerhilfe: Hungerkrise in Afrika südlich der Sahara verschärft sich

Die Welthungerhilfe warnt vor der Ernährungskrise in Afrika südlich der Sahara. Unter anderem im Sudan, Kongo und in Nigeria sei die Situation alarmierend, das geht aus zwei Berichten der Hilfsorganisation hervor. Insgesamt liegen sieben der acht Länder mit einer alarmierenden Hungersituation südlich der Sahara in Afrika. »Die aktuellen Hungerzahlen sind ein klares Alarmsignal«, heißt es von Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD).

Insgesamt hat sich die Hungersituation erstmals in der bis 2000 zurückreichenden Datenreihe der Welthungerhilfe wieder verschlechtert. In 32 Ländern nahm der Hunger seit 2018 zu, in 20 weiteren gab es kaum Fortschritte. Der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge, forderte die Regierung auf, Kürzungen bei Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe zurücknehmen. »Wer heute bei der Überwindung des Hungers und der Krisenvorsorge spart, riskiert morgen noch größere humanitäre Katastrophen und weitere Instabilität«, sagte Mogge.

Wie stark sich akute Ernährungskrisen auf wenige Länder konzentrieren, zeigt eine weltweite Auswertung von Aktion gegen den Hunger. Laut dem internationalen Ernährungskrisenbericht waren 2025 in 47 erfassten Ländern und Gebieten rund 266 Millionen Menschen von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Zwei Drittel von ihnen lebten in nur zehn Ländern. Auf Nigeria, die Demokratische Republik Kongo und den Sudan entfielen zusammen 82,9 Millionen Betroffene.

  • Im Sudan hat der seit 2023 andauernde Krieg  eine der schwersten Hungerkrisen weltweit ausgelöst. 2025 waren rund 24,6 Millionen Menschen von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen, fast die Hälfte der Bevölkerung. Insgesamt benötigen nach Uno-Schätzungen 33,7 Millionen Menschen humanitäre Hilfe.

  • In keinem anderen Land hat sich die Hungersituation laut Welthunger-Index seit 2018 so stark verschlechtert wie in Nigeria. Nach Angaben von Aktion gegen den Hunger hatte Nigeria 2025 mit 30,6 Millionen Menschen die größte erfasste akute Ernährungskrise. In dem von enormen Wohlstandsgegensätzen geprägten Land trifft die Krise besonders den ärmeren Norden, wo Gewalt, hohe Lebensmittelpreise und Überschwemmungen die Not verschärfen.

  • Die Demokratische Republik Kongo zählt zu den am stärksten betroffenen Staaten laut den Zahlen der Welthungerhilfe. Seit 2018 hat sich die Lage verschlechtert. 2025 litten laut Aktion gegen den Hunger 27,7 Millionen Menschen unter hoher akuter Ernährungsunsicherheit, mehr als zehn Millionen davon in den umkämpften östlichen Provinzen. Kämpfe, Vertreibungen und Plünderungen behindern die Landwirtschaft und den Handel, hinzu kommt der aktuelle schwere Ebola-Ausbruch im Land .

Konflikte waren laut der Welthungerhilfe in 19 Ländern und Gebieten die Hauptursache akuter Ernährungskrisen mit 147,4 Millionen Betroffenen. Gewalt vertreibt Menschen von ihren Feldern und unterbricht Handelswege. Dürren, Überschwemmungen und hohe Preise verschärfen die Not.

Zugleich geht das Geld für Hilfe zurück: Nach Angaben von Aktion gegen den Hunger sank die Finanzierung humanitärer Ernährungshilfe in Krisengebieten zwischen 2022 und 2025 um 59 Prozent. Die Kürzungen gefährden auch die Datenerhebung und erschweren es, das Ausmaß der Krisen zu erfassen.

jml/dpa