SpOn 20.09.2026
04:31 Uhr

Wirtschaftsweise Veronika Grimm kritisiert neuen Tankrabatt scharf


Die geplante Entlastung an der Zapfsäule geht laut Veronika Grimm auf Kosten der jungen Generation. Die Wirtschaftsweise warnt: Derartig kurzsichtige Aktionen könnten mittelfristig drastische Konsequenzen haben.

Wirtschaftsweise Veronika Grimm kritisiert neuen Tankrabatt scharf

Zuletzt hatte es von den Grünen scharfe Kritik gegeben (mehr hier). Jetzt nimmt sich auch die Wirtschaftsweise Veronika Grimm die Entscheidung der Bundesregierung für einen neuen Tankrabatt vor. Es sei »zynisch«, auf Kosten der jungen Generation das Fahren von Autos mit Verbrennungsmotor zu subventionieren, sagte die Ökonomin dem »Kölner Stadt-Anzeiger« (mehr Details zu den Plänen finden Sie hier ).

Durch opportunistische Politik werde versucht, die Wähler nicht zu verprellen, »aber am Ende führt es nur dazu, dass viele Wähler sich frustriert von den etablierten Parteien abwenden, weil sie ihren Job eben nicht machen«, sagte Grimm. »In diesem Fall betrifft das sowohl diejenigen, die die Klimawirkung dieser Maßnahme ablehnen, als auch die Unternehmer, die nur noch den Kopf schütteln angesichts dieser kurzsichtigen Handlungsmaxime.«

Weil sich die Politik auf die kurze Frist fokussiere, habe sie »keine Kraft für die wirklich wichtigen strukturellen Reformen«, sagte Grimm. »Dies dürfte für die Bürgerinnen und Bürger mehr Wohlstandsverlust bedeuten als vorübergehend höhere Spritpreise.«

In der Politik scheine immer noch nicht angekommen zu sein, was auf dem Spiel stehe, erklärte Grimm, die Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist. Die Bevölkerung merke das sehr wohl.

Grüne und Verbraucherschützer sind entrüstet

Die Bundesregierung hatte am Freitagabend angekündigt, ab Oktober erneut die Energiesteuer auf Kraftstoffe zu senken. Wie bereits im Mai und Juni soll bis zum Jahresende die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent pro Liter gesenkt werden. Inklusive darauf fällig werdender Umsatzsteuer summiert sich der Tankrabatt so auf 17 Cent pro Liter.

Die Bundesregierung hatte außerdem neben dem Tankrabatt einen Spritpreisdeckel spätestens ab dem 1. Januar angekündigt. Um die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden, sollen dafür Gespräche mit der Mineralölwirtschaft geführt werden. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bekräftigte allerdings umgehend ihre Skepsis gegenüber einem solchen Instrument.

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»Der Tankrabatt ist zurück. Was für ein Wahnsinn!«, hatte der Grünenfraktionsvize Andreas Audretsch am Samstag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) gesagt. »Das Geld muss im Geldbeutel der Menschen ankommen, nicht in den Taschen der Ölkonzerne.« Es sei ein Kniefall vor den mächtigen Ölkonzernen, dass es keine Übergewinnsteuer gebe, sagte Audretsch.

Die Verbraucherschützerin Ramona Pop kritisierte, die Bundesregierung greife erneut zur Gießkanne. »Das ist teuer, kurzsichtig und wenig zielgenau«, sagte die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands der »Rheinischen Post«. Nötig seien Entlastungen, die vor allem Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen erreichen und die Heizperiode in den Blick nehmen. Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern müsse konsequent verringert werden.

Die Bundesregierung plant einen weiteren Tankrabatt – und wiederholt damit den Fehler vom Frühsommer. Er entlastet nur vorübergehend vorwiegend jene, die viel Sprit verbrauchen. Es ist genau das falsche Signal. Mehr hier im Kommentar .

jok/AFP