Bundesweit sind Zehntausende auf die Straße gegangen, um gegen eine mögliche Wehrpflicht zu demonstrieren. Wie die Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ mitteilte, waren heute deutschlandweit über 45.000 Schülerinnen und Schüler in rund 100 Städten auf der Straße. Die Polizei veröffentlichte nur zu einzelnen Demonstrationen Zahlen: In Berlin-Wedding hätten zum Beispiel 2400 Menschen demonstriert; in Frankfurt waren es 180, in Stuttgart 200, in Nürnberg 400 und in München 700 Demonstrierende. „Erst Fragebögen, jetzt die angekündigten Zwangsmusterungen, die eigentlich erst Juli 2027 beginnen sollten. Die Bundesregierung meint es ernst damit, die Wehrpflicht schrittweise einzuführen. Die Rückmeldung der Fragebögen zeigt, dass Jugendliche nicht zur Bundeswehr wollen“, sagte Pressesprecher Bela Breitner von „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ der Deutschen Presse-Agentur. Die rund 2400 Personen, die in Berlin demonstrierten, versammelten sich am Mittag auf dem Leopoldplatz im Berliner Stadtteil Wedding. Laut Polizei verlief alles friedlich. In Hamburg richtete sich die Demonstration zudem gegen die dreitägige Militärübung „Red Storm Charlie“, die am Donnerstag begonnen hatte. Es versammelten sich mehrere Hundert Menschen in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs. Konkrete Zahlen lagen der Polizei zunächst nicht vor. Die teilnehmenden Schüler zeigten sich besorgt. Die Investition in die Bundeswehr nehme da Geld, wo es eigentlich gebraucht werde: in der Bildung und im sozialen Bereich. „Besonders ist aber unsere Sorge natürlich, dass wir mindestens ein halbes Jahr geklaut bekommen für den Zweck, dass uns gezeigt wird, wie man auf Menschen schießt, wie man im Zweifel Menschen umbringt. Und wir sollen da verwertbar gemacht werden für Interessen, die nicht unsere sind“, sagte der 16-jährige Elias in Hamburg. Auch in Schleswig-Holstein demonstrieren Schülerinnen und Schüler in den vier kreisfreien Städten Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster sowie in Itzehoe. In der Landeshauptstadt des nördlichsten Bundeslands kamen nach Polizeiangaben rund 600 Menschen zusammen. Dabei kam es laut einer Sprecherin der Polizei zu keinen besonderen Vorkommnissen. In ganz Deutschland hatten die Veranstalter zu Demonstrationen aufgerufen und betont: „Wir wollen nicht zur Wehrpflicht gezwungen werden und nicht in den Krieg ziehen. Wir kämpfen weiter gegen die Wehrpflicht und Militarisierung.“ Das Gesetz über den neuen Wehrdienst trat im Januar in Kraft. Kern ist die verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008. So sollen Freiwillige für einen Ausbau der Truppe rekrutiert werden. Sollten die Zielkorridore verfehlt werden, kann der Bundestag über eine Wehrpflicht entscheiden. Der Bundestag hatte die Wehrpflicht 2011 ausgesetzt.