Der deutsche Botschafter in Russland, Alexander Graf Lambsdorff, ist ins Außenministerium in Moskau einbestellt worden. Das Ministerium informierte in den sozialen Netzwerken über die Einbestellung, nannte aber keinen Grund. Das Auswärtige Amt in Berlin nannte die Einbestellung des Botschafters eine „völlig haltlose Maßnahme“. Die deutsch-russischen Beziehungen sind wegen Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine zum Zerreißen gespannt. Zuletzt hatte das Ministerium Lambsdorff im April einbestellt – wegen angeblicher Kontakte von deutschen Politikern zu Terrororganisationen. Das Auswärtige Amt hatte zuvor den russischen Botschafter in Berlin, Sergej Netschajew, einbestellt. „Seit vielen Jahren beobachten wir bösartige Cyberaktivitäten aus Russland gegen Deutschland, gegen die Mitgliedstaaten der EU sowie auch internationale Partner“, sagte eine Ministeriumssprecherin. Im Onlinedienst X bezeichnete das Auswärtige Amt Cyberangriffe gegen Deutschland, EU-Partner und die Ukraine als „inakzeptabel“. Deutschland beantworte sie „entschlossen, auch mit zusätzlichen Sanktionen“, erklärte das Ministerium. Die EU und Großbritannien hatten am Montag wegen russischer Cyberangriffe neue Sanktionen verhängt. Die EU setzte neun Menschen und vier Einrichtungen auf ihre Sanktionsliste, Großbritannien 24 Personen und Einrichtungen. Darunter sind nach Angaben aus Brüssel und London hochrangige Angehörige des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Lambsdorff, der immer wieder den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine kritisiert hatte, verabschiedet sich an diesem Dienstag aus Moskau, um seinen neuen Posten als Botschafter in Israel anzutreten. Neuer deutscher Botschafter in Russland wird Clemens von Goetze. Einbestellungen dienen als diplomatisches Mittel, wenn Staaten ihren Unmut äußern wollen über Handlungen oder Haltungen anderer Länder.