Allwöchentlich freuen sich viele auf den Freitag. Denn im Gegensatz zum Montag, dem ungeliebten Wochenstart (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article6953d35ca75a88580a6dbadf/montag-nur-ein-idiot-freut-sich-ueber-ihn-geschichte-eines-ungeliebten-wochenstarts.html) , ist der Freitag geprägt von (Vor-)Freude: Die Arbeit ist fast getan, Freizeit und Abenteuer in Sicht. „Freitag ab eins macht jeder seins“ oder „Hoch die Hände, Wochenende“, skandiert man dann hierzulande launig, während im englischsprachigen Raum die Parole „TGIF“ (Thank God it’s Friday) die Runde macht. Doch es gibt eine Ausnahme: Fällt der Freitag auf den 13. Tag eines Monats, wird der sonst so freudig erwartete Tag zum Unglücksdatum erklärt, an dem viel Schlechtes zu erwarten ist. Dies entweder augenzwinkernd oder ganz im Ernst, je nachdem, ob und wie sehr man abergläubisch ist, und wie sehr die selektive Wahrnehmung ausgeprägt ist. Statistiken belegen eine Unglückshäufung an solchen Tagen jedenfalls nicht. Populär wurde dieser Volksglauben in der westlichen Welt erst ab der Jahrhundertwende durch entsprechende Romane und Filme, aber seine Wurzeln reichen lange zurück. Dabei spielt zum einen eine Rolle, dass der sonst so beliebte Freitag auch ein Unheilstag sein kann. Denn nach christlicher Tradition wurden Adam und Eva an einem Freitag aus dem Paradies ausgestoßen, und die Römer nagelten Jesus Christus am Karfreitag ans Kreuz. Und während „Black Friday“ erst in jüngster Zeit als Schlagwort für Schnäppchen-Aktionen zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts positiv besetzt ist, ist mit „schwarzer Freitag“ ursprünglich ein Schreckenstag gemeint, gebraucht beispielsweise als Synonym von Börsencrashs. Die Zahl 13 wiederum verdankt ihren schlechten Ruf in gewissem Maße der 12, die für ein rundes Dutzend, für Vollkommenheit und Harmonie steht – 12 biblische Stämme Israels; 12 Apostel Jesu; 12 Götter in der nordischen Mythologie, die vom zwielichtigen 13. Gott Loki gestört werden; 12 Monate eines Jahres. Die 13 gilt deshalb als überzählig und unharmonisch, als Unglückszahl, die viele meiden. So fehlt beispielsweise in manchen Hotels ein Zimmer Nr. 13, und es gibt Airlines ohne eine Sitzreihe 13, stattdessen folgt auf die 12 gleich die 14. Im Judentum verheißt die Zahl 13 jedoch Glück. Nach den jüdischen Phasen des Lebens ist 13 das Alter der Reife oder Verantwortung, zum Beispiel werden Jungen dann mit der Bar-Mizwa in die Gemeinde aufgenommen. Ohnehin macht erst die Kombination aus dem Freitag und der 13 den Schrecken „komplett“ und löst „Paraskavedekatriaphobie“ aus – abgeleitet von den griechischen Wörtern „paraskeue“ (Freitag), „dekatria“ (dreizehn) und „phobos“ (Angst). Als womöglich frühestes historisches Beispiel für das Schreckenspotenzial eines solchen Tags führen Paraskavedekatriaphobiker häufig den 13. Oktober 1307 an. An jenem Freitag ließ König Philipp IV. von Frankreich rund 2000 Mitglieder des Templerordens verhaften und ihre Güter beschlagnahmen. Als Vorwand dienten Gerüchte über Ketzerei, abartige Geheimrituale und Sodomie (Homosexualität). Die im Heiligen Land gegründeten Templer waren durch Beteiligung an Finanzgeschäften reich geworden und besaßen auch politischen Einfluss. Zudem unterhielten sie eine erfahrene Streitmacht. Philipp sah in ihnen einen gefährlichen Gegner, außerdem war er hoch verschuldet und witterte eine Chance, sich zu sanieren. Als der von Frankreich abhängige Papst Clemens V. sie fallen ließ, waren die Templer nicht mehr zu retten. Das Blutbad nahm seinen Lauf, viele von ihnen wurden gefoltert und starben auf dem Scheiterhaufen. Wohl aus der Furcht vor der 13 entstand im 19. Jahrhundert der Job des „Quatorzième“. Mit dem „Vierzehnten“ stand ein professioneller Extra-Gast für Tischgesellschaften bereit. Die einzige Aufgabe: bei der Gästeanzahl die 13 zu vermeiden. Zahllos sind Beispiele aus der jüngeren Popkultur, die den Mythos aufgreifen. Am 13. Februar 1970 veröffentlichte die Band Black Sabbath ihr Debütalbum. Für viele gilt das als Geburtsstunde des Heavy Metal. Einen Freitag, den 13., hatte die Band dabei ganz bewusst gewählt. Ein weiteres berühmtes Beispiel ist die US-Horrorfilm-Reihe „Freitag der 13.“, die 1980 begann und in der Serienkiller Jason sein blutiges Unwesen treibt. Am Freitag, dem 13. Oktober 2023, startete „Taylor Swift: The Eras Tour“ in den Kinos. Und das nicht ohne Grund. Die Sängerin sagt, 13 sei ihre Lieblingszahl, und für sie hat Freitag, der 13., absolut nichts mit Pech zu tun. Auch ihr Geburtstag ist ein 13., nämlich der 13. Dezember 1989. Der Film wurde der erfolgreichste Konzertfilm aller Zeiten. Und es gibt weitere Beispiele von Ereignissen am angeblichen Schreckenstag, die ganz und gar nicht grauslich sind: Wohl eher zufällig wurde etwa der 13. September 1985 ein Glückstag für alle Gaming-Fans. In Japan wurde an diesem Freitag „Super Mario Bros.“ von Nintendo (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article68c2d2cd7ecf6b1bfe3e1d98/nintendo-mit-einem-klempner-als-star-wurde-das-nes-zum-legendaeren-gaming-klassiker.html) veröffentlicht. Mittlerweile gibt es um die 200 Spiele mit Mario, der längst auch außerhalb der Szene weltberühmt ist. Mario schaffte es auch ins Kino. Mehrere Filme mit ihm wurden in Hollywood produziert, dessen Wahrzeichen weltbekannt ist: der Hollywood-Schriftzug (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article246264904/Hollywood-Als-eine-vollbusige-Cartoon-Figur-auf-dem-Wahrzeichen-posierte-reichten-Anwohner-Klage-ein.html) . Die berühmten Buchstaben wurden erstmals am 13. Juli 1923, einem Freitag, aufgestellt. Ursprünglich stand dort „Hollywoodland“ als temporäre Werbung für Grundstücke in den Hügeln des nördlichen Los Angeles. Zum bleibenden Wahrzeichen wurde der Schriftzug, ohne dass dies ursprünglich beabsichtigt war. 1949 wurden die letzten vier Buchstaben bei einer Sanierung entfernt. Außerdem ereignete sich an einem Freitag, dem 13., ein medizinischer Durchbruch: Am 13. Februar 1968 wurde das erste Mal in der Bundesrepublik ein menschliches Herz transplantiert. Die Transplantation gelang einem Team um den Arzt Rudolf Zenker in München. Allerdings überlebte der Patient mit dem neuen Herzen nur wenige Stunden. Zu den Themenschwerpunkten von Martin Klemrath (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/martin-klemrath/) bei WELTGeschichte zählen Technikgeschichte, Zeitgeschichte, Kulturgeschichte und die Geschichte der USA.