Welt 02.10.2026
07:13 Uhr

„Dieses Getränk des Satans ist köstlich“, soll der Papst höchstpersönlich befunden haben


Kaffee ist das beliebteste Heißgetränk in Deutschland, und es verbindet seit Jahrhunderten die Welt. Über seinen Ursprung gibt es viele Legenden. Und Kaffee ist auch verbunden mit allerlei Erfindungen – eine davon schuf eine gewisse Melitta Bentz.

„Dieses Getränk des Satans ist köstlich“, soll der Papst höchstpersönlich befunden haben

Dieser Duft ist einzigartig und unwiderstehlich. Morgens zieht er durch Millionen Küchen und Büroräume; ein Treffen am Nachmittag ist ohne ihn undenkbar; und wer es eilig hat, füllt ihn in einen To-Go-Becher: Kaffee. Gerade in Deutschland ist Kaffee so beliebt wie kein anderes Getränk. Pro Kopf trinkt jeder jährlich rund 163 Liter. Der Ursprung des Kaffees liegt Tausende Kilometer entfernt, wohl im äthiopischen Hochland. Verlässlich dokumentiert ist das nach Informationen des Deutschen Kaffeeverbandes aber nicht. Stattdessen gibt es eine Reihe an Legenden. Eine erzählt die Geschichte von Kaldi, einem Hirten, und seinen Ziegen. Im 9. Jahrhundert ließ er in der Region Kaffa seine Tiere weiden und fand sie eines Tages ungewöhnlich lebhaft vor. Er machte sich auf die Suche und entdeckte auf der Weide eine Pflanze mit Früchten, ähnlich einer Kirsche. Auch Kaldi probierte sie und war mitten in der Nacht hellwach. Mitunter wird die Legende so weitererzählt: Der verwunderte Kaldi brachte die Früchte in ein Kloster; für einen der Mönche klang das nach Teufelswerk, weshalb er sie ins Feuer warf. Quasi aus Versehen wurden die ersten Kaffeekirschen geröstet. Für die Mönche eine fantastische Entdeckung, nutzten sie das belebende Getränk doch, um für nächtliche Gebete wach zu bleiben. Heute ist Äthiopien für seinen Arabica-Kaffee bekannt. Ob das Getränk aufgrund der dortigen Region Kaffa seinen Namen erhielt, ist unklar. Bekannter wurde Kaffee, als Sklavenhändler keimfähige Bohnen auf die Arabische Halbinsel brachten. Dafür wird mitunter bereits das 11. Jahrhundert genannt, häufig jedoch das 14. Jahrhundert. Weil die Kirschen oft verdarben, begann der Anbau auf der Arabischen Halbinsel. Dreh- und Angelpunkt wurde die Hafenstadt Mokka, auch als Mocha bekannt, am Roten Meer im heutigen Jemen. Der Name Mokka hat sich bis heute für eine traditionell orientalische Art der Kaffeezubereitung gehalten. Mittlerweile ist dort vom einstigen Glanz des Kaffeebooms nichts geblieben: Mitte September 2026 nahmen die Huthi-Milizen Mokka ein; die jemenitische Kaffee-Ausfuhr macht am weltweiten Export weit weniger als ein Prozent aus. Aber nicht so im 15. Jahrhundert. Dem Jemen gelang es, ein Kaffeemonopol zu errichten; in einer Region, in der das heiße Getränk immer beliebter wurde. Dazu trug der Sufi-Gelehrte Muhammad Ibn Said Al Dhabhani bei. Das erste Kaffeehaus soll 1511 in der Stadt Mekka eröffnet worden sein. Auf der Arabischen Halbinsel entstand letztendlich auch der Name. Kaffee, so schreibt der deutsche Kaffeeverband, leitet sich vom altarabischen „qahwah“ ab, was belebendes Getränk, Willenskraft oder Stärke bedeuten kann. Damit soll, heißt es weiter, ursprünglich allerdings Wein gemeint gewesen sein – verboten für gläubige Muslime. Die Türken sprachen von „kahweh“. Wegen der anregenden Wirkung soll daraus der „Wein des Islam“ entstanden sein. Im Zuge der Kolonialisierung und frühen Globalisierung trat der Kaffee seine Reise um die Welt an, etwa nach Sri Lanka, das heute für seinen Tee bekannt ist. Möglich wurde es durch die niederländische Ostindien-Kompanie, die im 17. Jahrhundert Kaffee auf der Insel anbauen ließ. Dabei gab es in Europa lange Widerstand; Kaffee galt als Getränk der „Ungläubigen“. Ein Verbot versuchten Kritiker sogar beim Papst höchstpersönlich zu erwirken, heißt es. Doch Clemens VIII. (1592-1605) ließ sich eine Tasse zubereiten, kostete und befand: „Dieses Getränk des Satans ist köstlich.“ Aber auch hier gilt: Vielleicht ist es nur eine schöne Legende. Anders der Beginn der Kaffeehäuser: in Venedig im Jahr 1645, London (1652) und Paris (1672) folgten. In den deutschen Ländern war es die Hansestadt Bremen im Jahr 1673. Wien – die Wiener Kaffeehauskultur ist seit 2011 immaterielles Welterbe der Unesco – zog erst zehn Jahre später nach. Friedrich der Große verbot 1781 das private Kaffeerösten Schnell wurden die Orte zu Treffpunkten, um Zeitung zu lesen, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und um politische Debatten zu führen. In England wurden Kaffeehäuser zu „Penny Universities“, boten sie doch zum Preis von einer Tasse Kaffee Zugang zu Wissen und intellektuellen Diskussionen. Doch auch der Kaffeekonsum zu Hause stieg. In Preußen passte das im späten 18. Jahrhundert Friedrich dem Großen nicht. Er befand: Sollten die Deutschen doch lieber heimisches Bier (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/bier/) trinken und nicht Kaffee aus den teuer importierten Bohnen. Am 21. Januar 1781 verbot er landesweit das private Kaffeerösten. Um es durchzusetzen, wurden sogar Kaffeeschnüffler eingesetzt. Sein Nachfolger König Friedrich Wilhelm II. ließ das Verbot 1787 schließlich wieder aufheben. Kaffee ist auch verbunden mit allerlei Erfindungen (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article69145a300407e2fef73ca07d/mikrowelle-vom-radar-test-zum-kuechenhit-die-schoko-panne-die-alles-aenderte.html) . Melitta Bentz ließ sich 1908 den Kaffeefilter patentieren, der schon vor ein paar Jahren sein Comeback feierte. Filterkaffee schmeckt längst nicht mehr nach Schwiegereltern und Deutscher Bahn. Angesagt sind auch Siebträgermaschinen und Vollautomaten; Kaffee gibt es in Pads, Kapseln und aus der French Press. Eins ist geblieben: Kaffee ist ein globales Getränk – und ein ungerechtes. „Weltweit wird nach wie vor nur ein vergleichsweise kleiner Teil des Kaffees unter Bedingungen gehandelt, die als fair bezeichnet werden können“, sagt Wilfried Wunden, Referent für Fairen Handel beim katholischen Hilfswerk Misereor. Je nach Definition und Zertifizierung liege der Anteil des fairen Kaffee-Anbaus im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Zu finden ist er in Ländern des Globalen Südens, Platz eins belegt Brasilien, wo rund ein Drittel angebaut wird. Kaffee verbindet wie kaum ein anderes Getränk die Welt. Doch wie er getrunken wird, könnte unterschiedlicher nicht sein. Kein Wunder: Im Ursprungsland Äthiopien hat Kaffee eine jahrhundertelange Tradition. Dazu gehören lange Kaffeezeremonien, bei denen oft gesalzenes Popcorn gereicht wird und die Teilnehmer mit ihren Porzellantässchen auf dem Boden sitzen. Nicht selten zieht der Geruch von Weihrauch durch den Raum. Neben Äthiopien wird in gut 30 weiteren afrikanischen Ländern Kaffee angebaut. Nach Lateinamerika ist es der zweitgrößte Kaffeekontinent. Außergewöhnliche Kaffeetraditionen haben sich aber nicht entwickelt. Bohnen sind für den Export bestimmt; vor Ort wird – wenn überhaupt – Instantkaffee getrunken. Tausende Kilometer weiter im Norden gilt heute Finnland als Spitzenreiter in Sachen Kaffeekonsum: Jede und jeder konsumiert im Schnitt jährlich 11,6 Kilogramm Kaffee. Mitunter kommt eine Prise Salz hinzu, was den Geschmack verstärken soll. Kaum ein Land dürfte mehr Kaffeevielfalt bieten als Italien Eine finnische Besonderheit ist der Leipäjuusto – Brotkäse, der den Beinamen Kaffeekäse trägt. Hergestellt wird er aus Kolostrum, der Erstmilch von Kühen, Ziegen oder Rentieren. Der gummiartige Käse wird in kleine Würfel geschnitten und mit Kaffee übergossen. Diese Tradition kennt man auch im Norden Schwedens unter dem Begriff kaffeost. In sechs Provinzen wird er hergestellt und erhielt 2025 das EU-Schutzsiegel „Geschützte Ursprungsbezeichnung“. Espresso, Cappuccino oder Latte macchiato: Kaum ein Land dürfte mehr Kaffeevielfalt bieten als Italien. Auch wenn er heute den ganzen Tag über serviert wird, wurde Cappuccino traditionell nur am Vormittag getrunken. Dass der Latte macchiato um die Jahrtausendwende in Deutschland zum Trendgetränk wurde, dürfte indes in Italien für ein Schmunzeln sorgen. Die „gefleckte Milch“ entstand einst, damit auch Kinder an der Kaffeezeremonie teilhaben können: Sie enthält viel Milch und nur einen Schuss Espresso. Deutlich ungewöhnlicher ist diese Zutat: Aus Vietnam stammt der Eierkaffee, für den die Sorte Robusta, Zucker, Kondensmilch und ein Eigelb benötigt werden. Es heißt, dass dem Barista Nguyen Van Viang aus Hanoi einmal in den 1940er-Jahren süße Kondensmilch ausgegangen war. Diese ersetzte er mit einem gequirlten Ei – und die Hauptstadt Hanoi hatte ein Trendgetränk, das es längst auch anderswo auf der Welt gibt. Besonders heißen Kaffee bietet Indonesien an. Vor allem in Yogyakarta auf der Insel Java wird am Straßenrand Kopi Joss verkauft: schwarzer Kaffee mit einem Stück Holzkohle. So soll Säure abgebaut und das Getränk magenfreundlicher werden. Indonesien hat noch mehr zu bieten: Kopi Luwak. Über den heißt es: Der Kaffee wird im Magen-Darm-Trakt der eichhörnchenartigen Fleckenmusangs, einer Schleichkatzenart, verarbeitet. Sie ernähren sich von Kaffeekirschen und verdauen das Fruchtfleisch. Was herauskommt, ist der wohl teuerste Kaffee der Welt. Ein Kilogramm kostet mitunter mehr als 1000 Euro.