Oscar-Preisträgerin Helen Mirren, 81, hat in Hamburg den Douglas-Sirk-Preis des Filmfests Hamburg verliehen bekommen. „Ich nehme diesen Preis mit großem Stolz an“, sagte die britische Schauspielerin mit dem gläsernen Preis in den Händen. Es sei etwas Besonderes, einen Preis für ein Lebenswerk zu bekommen: „Das weiß ich unglaublich zu schätzen.“ Frauenfiguren, die im Gedächtnis bleiben Ansonsten stehe sie Preisen für Schauspieler skeptisch gegenüber, verriet Mirren. Zwar sei es eine riesige Ehre, den Oscar zu gewinnen, aber „unsere Arbeit ist nicht darauf ausgerichtet, etwas zu gewinnen. Es ist kein Wettlauf. Ein Film ist immer eine Reise ins Unbekannte, hängt von so vielen Menschen ab.“ Filmfestleiterin Malika Rabahallah würdigte Mirrens Leistung: „Du gibst deinen Figuren eine unglaubliche Präsenz, du hast dem Kino Frauenfiguren geschenkt, die im Gedächtnis bleiben, weil sie nicht einseitig sind. Sie dürfen stark und verletzlich sein, komisch und streng.“ Iris Berben hält Laudatio Es sei fast schon ein bisschen einschüchternd, sich selbst als junge Frau zu sehen, die ihr Bestes gebe und dabei total Angst habe, sagte Mirren. Zuvor war ihr Schauspielleben mit zahlreichen Filmschnipseln aus den vergangenen Jahrzehnten zusammengefasst worden. „Und das ist das Wunderbare an unserer Arbeit: Dass sie nicht vergeht.“ Zuvor hatte Iris Berben die Laudatio auf Helen Mirren gehalten und sich als große Bewunderin geoutet. Helen Mirren sei eine charismatische, wandlungsfähige, kluge, bescheidene und mit so viel Witz und Humor ausgestattete Schauspielerin, sagte die 76-Jährige über ihre Kollegin: „Sie füllt diesen Beruf mit Leben. Ja, sie spielt nicht einfach Königinnen, Ermittlerinnen oder Schriftstellerinnen. Sie macht sie zu Menschen mit Stärke, mit Widersprüchen, mit Humor, mit Verletzlichkeit, mit Eigensinn.“ Seit sechs Jahrzehnten prägende Darstellerin Helen Mirren sei mit den Jahren noch kontrastreicher und multidimensionaler und vor allem freier geworden. „Die größte Herausforderung in unserem Beruf ist doch, nicht zu spielen, sondern zu sein. Der Figur Leben einzuhauchen und dahinter zu verschwinden. Und das beherrscht Helen Mirren auf unnachahmliche Weise.“ Helen Mirren prägt seit mehr als sechs Jahrzehnten Theater, Film und Fernsehen. Ob Shakespeare-Rollen, die Queen oder eiskalte Killerin – die Britin ist bei der Auswahl ihrer Rollen sehr vielseitig. Zuletzt schlüpfte sie in bequeme Hosen und verkörperte die Krimi-Schriftstellerin Patricia Highsmith für den Film „Talent fürs Morden“. Der Film des Regisseurs Anton Corbijn startet am 5. November in den deutschen Kinos und wurde anlässlich der Preisverleihung an Mirren vorab auf dem Filmfest Hamburg gezeigt. Zumindest eine weitere Oscar-Nominierung sollte der Ausnahme-Schauspielerin nach dieser Performance sicher sein. Preis ging schon an Eastwood, Swinton und Jarmusch An Mirrens Seite glänzt der Nachwuchsstar Alden Ehrenreich, 36, als Edward Ridgeway, der von seinem Verlag in die Schweiz geschickt wird, um Highsmith zu einem weiteren Ripley-Roman zu überreden. Corbijn gelingt ein dunkles Meisterwerk, ein psychologischer Thriller, bei dem nie sicher ist, was mörderische Fantasie und was realer Mord ist. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, denn sowohl die Krimi-Autorin als auch ihr Gast schrecken vor nichts zurück, um ihre Ziele zu erreichen. Der Douglas-Sirk-Preis wird seit 1995 verliehen. Ausgezeichnet werden damit Künstlerinnen und Künstler, die sich um die Filmkultur und die Filmbranche verdient gemacht haben. Bisherige Preisträger sind etwa Clint Eastwood, Sandra Hüller, Nina Hoss, Wim Wenders, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Fatih Akin, Tilda Swinton, Jodie Foster und Jim Jarmusch. Benannt wurde er nach dem in Hamburg geborenen Filmemacher Douglas Sirk (1897 -1987), der gemeinsam mit seiner jüdischen Ehefrau 1937 vor den Nationalsozialisten floh und später auch in Hollywood erfolgreich war. Wie Highsmith starb Sirk in der Schweiz. Das Filmfest Hamburg geht noch bis zum 3. Oktober. Es werden mehr als 120 Filme aus aller Welt in den fünf Festivalkinos gezeigt, darunter viele Welt- und Europapremieren.