Welt 06.06.2026
11:59 Uhr

Gelsenkirchener AfD-Politikerin fordert Anwohner vor laufender Kamera zum Putzen auf


Gelsenkirchen gilt in NRW als Hochburg der AfD. Im Stadtteil Ückendorf forderte nun eine Landtagsabgeordnete der Partei Anwohner zum Putzen auf – und wird dafür heftig kritisiert.

Gelsenkirchener AfD-Politikerin fordert Anwohner vor laufender Kamera zum Putzen auf

Eine umstrittene Putzaktion der AfD im Gelsenkirchener Stadtteil Ückendorf hat überregional Kritik ausgelöst. Die NRW-Landtagsabgeordnete Enxhi Seli-Zacharias veröffentlichte auf ihrem Instagram-Profil ein Video, wie sie gemeinsam mit Parteikollegen von Bewohnern eines von Sinti und Roma geprägten Viertels verlangt, die Straße zu fegen. Dazu schrieb die AfD-Politikerin, sie und weitere Parteivertreter hätten in Ückendorf „für Ordnung gesorgt“. Zu sehen ist dabei unter anderem, wie Seli-Zacharias einer Frau vorwirft: „Die Deutschen haben die Schnauze voll. Guck mal, wie das hier aussieht. Bei dir zu Hause, sieht das so aus? Aber wieso macht ihr hier so dreckig?“ Zu hören ist zudem, wie die 32-Jährige sagt: „Unser Ansatz lautet ganz einfach: Wir müssen diese Menschen loswerden. Wir wollen das hier nicht mehr.“ Die Situation im Stadtteil bezeichnet sie als „völlig verkommen“ und als „Bedrohung für andere Menschen“. Weiter schrieb Seli-Zaharias in dem Posting zu dem Video, die von ihr als „Roma-Dörfer“ bezeichneten Wohngebiete müssten „weg – und zwar schnell“. „Blutsauger unseres Sozialstaates“ könnten gerne ins Münsterland ziehen. Zugleich kündigte sie weitere Aktionen an. Wörtlich schrieb sie: „Bis dahin aber müssen die Roma ihren Dreck selber wegmachen. Dafür habe ich persönlich gesorgt. Und das wird jetzt regelmäßig passieren.“ Auf Kritik an ihrem Vorgehen wies Seli-Zacharias den Vorwurf des Antiziganismus zurück. Die Aktion sei „ehrlich gesagt sogar eine Hilfeleistung“ gewesen, rechtfertigte sie sich. Die betroffenen Menschen hätten die Aufforderung zum Putzen angenommen. Zugleich habe die AfD deutlich machen wollen: „Mit uns wird es hier einen Politikwandel geben“. Tatsächlich hat die AfD in Gelsenkirchen bei der Bundestagswahl 2025 nirgendwo in NRW mehr Zweitstimmen erhalten als in Gelsenkirchen. Die Partei kam auf 24,7 Prozent und lag damit deutlich über ihrem Landesergebnis von 16,8 Prozent. Etwa 265.000 Menschen leben in der Stadt, von den knapp 170.000 entschieden sich 30.032 für die AfD, also fast jeder vierte Wähler. Die Empörung über das Video und die Kritik an Seli-Zacharias sind groß, ihr wird menschenverachtendes Verhalten vorgeworfen und was sie sich gegenüber den Anwohnern erlaube, sie so an den Pranger zu stellen. Nach Veröffentlichung des Videos berichten Angehörige der Sinti-und-Roma-Community im WDR zudem (verlinkt auf https://www1.wdr.de/nrw/ruhrgebiet/gelsenkirchen/gelsenkirchen-entsetzen-afd-video-putzen-100.html) , sie hätten sich durch das Auftreten der Gruppe unter Druck gesetzt gefühlt. Ein Mädchen, das in dem AfD-Video zu sehen ist, sagte, sie habe die Reinigungsarbeiten nicht freiwillig durchgeführt. Auch weitere Betroffene schilderten, sie seien zum Putzen aufgefordert worden. Kritik kam auch vom katholischen Pfarrer Markus Pottbäcker. Er sprach von einer neuen Dimension im Umgang mit Minderheiten. „In einen Stadtteil zu gehen, Menschen anzugehen, ihnen Reinigungsgeräte in die Hand zu drücken, sie zu duzen, so zu tun, als wäre man die Herrin des Verfahrens – das halte ich für gefährlich“, sagte der Geistliche. Im Stadtteil Ückendorf gibt es seit Jahren Beschwerden über Vermüllung, Lärm und Kriminalität. Die Stadt hat dort deshalb eine gemeinsame Anlaufstelle von Polizei, Ordnungsamt und Sozialarbeit eingerichtet. Die AfD kündigte unterdessen an, ähnliche Rundgänge künftig häufiger durchführen zu wollen.