Welt 12.10.2026
13:40 Uhr

„Ich kann erahnen, welche schwierige Zeit sie durchmacht“, sagt Merz über Bärbel Bas


Kanzler Friedrich Merz bedauert den Rücktritt von Arbeitsministerin Bärbel Bas, sieht den Koalitionsvertrag aber nicht gefährdet. Zur Entlastung der Bürger solle die Stromsteuer „für alle“ auf das europäische Minimum abgesenkt werden, erklärt er.

„Ich kann erahnen, welche schwierige Zeit sie durchmacht“, sagt Merz über Bärbel Bas

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich in einer Pressekonferenz zum Rücktritt von Arbeitsministerin Bärbel Bas geäußert. Er erklärte im Konrad-Adenauer-Haus: „Frau Bas und ich haben in der Bundesregierung über fast anderthalb Jahre sehr gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Ich bedauere ihre persönliche Entscheidung. Aber ich respektiere sie. Ich kann erahnen, welche schwierige Zeit sie zurzeit durchmacht.“ Er habe ihr persönlich seine guten Wünsche übermittelt. Auf die Nachfrage eines Journalisten, ob im Vorlauf des Rücktritts von Bas Grenzen überschritten worden seien, antwortete Merz: „Ich habe vor drei Wochen das letzte Mal Kontakt zu Bas gehabt.“ Sie solle sich die Zeit nehmen, die sie brauche. Auch wenn es Differenzen in der Sache gegeben habe, „ich habe nie persönlich mit ihr diskutiert“. Ganz besonders in den vergangenen drei Wochen habe er von der CDU „jede persönliche, auch christliche Rücksichtnahme auf sie eingefordert“. Zuvor hatte Bas ihren Rücktritt (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6acc8b1c2b0d25ef1edd2517/baerbel-bas-tritt-zurueck-persoenliche-angriffe-bringen-falsche-leute-in-politik-spd-attackiert-union.html) unter anderem mit öffentlichen Angriffen auf ihre Person begründet. „Leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners“, hieß es in einer Erklärung. Als Nachfolger für die Spitze des Arbeitsministeriums stehe der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer, bereit, sagte nun der Bundeskanzler. Merz wolle noch heute dem Bundespräsidenten den Vorschlag unterbreiten. „Er übernimmt eine sehr große Verantwortung“, sagte Merz. Der CDU-Politiker betonte, dass durch den Rücktritt von Bas die „Geschäftsgrundlage des Koalitionsvertrages“ nicht infrage gestellt werde. Die Vereinbarungen würden gelten, erklärte er. Auch wenn einige Gesetzgebungsverfahren in Verzug seien, sollten noch „in diesem Jahr“ Vorhaben auf den Weg gebracht werden. Als Beispiel nannte der Kanzler das Wahlrecht. Künftig solle jeder direkt gewählte Abgeordnete auch wieder einen Sitz im Deutschen Bundestag bekommen. Zur Lage der CDU erklärte Merz, man könne eine Partei nicht „über ein Wochenende“ neu erfinden. „Wir müssen uns aus einem Tief herausarbeiten“, sagte er und sprach von Ernsthaftigkeit und gegenseitigem Vertrauen. Die wichtigen Themen im Land seien derzeit „bezahlbares Leben“, „Gerechtigkeit in Deutschland, Sicherheit in unserem Land“. Merz erklärte: „Wenn wir es schaffen, diese Probleme zu lösen, dann wird die Union wieder mehr Zustimmung bekommen.“ In den vergangenen Monaten habe man das nicht geschafft. Der Bundeskanzler betonte, er wolle die Lage verbessern. „Wir wollen das Land für unsere Kinder und Enkelkinder zu einer Heimat machen, auf die sie stolz sein können.“ Merz sprach dabei von „Problembewusstsein“. Man müsse die empfundenen und reellen Ungerechtigkeiten angehen. Zur Entlastung der Bürger soll die Stromsteuer „für alle“ auf das europäische Minimum abgesenkt werden. Damit werde eine Zusage aus dem vergangenen Jahr eingehalten, sagte Merz. Dafür sollten „finanzielle Spielräume im Haushalt“ genutzt werden. Zur Lage in der Ukraine erklärte Merz, dass das Bundeskanzleramt die Vereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten und Russland zur Ausfuhr von Diesel zur Kenntnis genommen habe. Für Deutschland komme eine solche Entscheidung nicht infrage. Der ukrainische Präsident könne sich auf Deutschland verlassen, sagte der Kanzler. „Wir stehen an der Seite der Ukraine und wir werden auch gemeinsam in der EU für einen gerechten und dauerhaften Frieden arbeiten.“ „Beispielloser Vorgang“, sagt Merz zur Wahl von Rausch Die Wahl von AfD-Politiker Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt mit mutmaßlichen CDU-Stimmen bezeichnete Merz als „beispiellosen Vorgang“. Woher auch immer die vier Stimmen gekommen seien, „für eine solche Wahl haben wir in der CDU keinen Platz.“ „Die CDU wird an keiner Stelle in Deutschland Extremisten in Staatsämter oder in Regierungsämter wählen“, fügte Merz an. In Bezug auf die Lage in Berlin forderte Merz SPD und Grüne dazu auf, keine Koalition mit der Linken einzugehen. Er wiederhole seine Aufforderung an beide Parteien, die Gespräche mit „dieser linksradikalen Partei“ in Berlin sofort zu beenden.