Welt 09.10.2026
17:07 Uhr

Raser baut tödlichen Unfall – wegen Mordes verurteilt


Ein BMW-Fahrer flieht vor einer Polizeikontrolle, rast mit bis zu 146 km/h über rote Ampeln durch Hamburg und verursacht einen tödlichen Frontalcrash. Nun hat das Hanseatische Oberlandesgericht den heute 18-Jährigen wegen Mordes zu sieben Jahren Jugendstrafe verurteilt.

Raser baut tödlichen Unfall – wegen Mordes verurteilt

Als Polizisten sein Auto kontrollieren wollten, drückte ein 17-Jähriger aufs Gas. Die Flucht führte mehrere Kilometer durch Hamburg und endete wenige Minuten später vor dem Hotel Atlantic in einem Trümmerfeld. Sein Beifahrer starb. Nun wurde der junge Fahrer wegen Mordes zu sieben Jahren Jugendstrafe verurteilt. Der heute 18-Jährige sei am 31. Januar mit circa 130 Kilometern in der Stunde nahe der Kennedybrücke ungebremst in den Gegenverkehr gerast, sagte die Vorsitzende der Jugendkammer, Anne Meier-Göring. Ein entgegenkommender Transporterfahrer konnte die Kollision nicht mehr verhindern. Während der 28-jährige Sprinterfahrer verletzt wurde, starb der 35 Jahre alte Beifahrer des Angeklagten. Es hätten weit mehr Menschen sterben können, betonte die Richterin. Der junge Mann war nur zwei Minuten vor dem Unfall im Stadtteil Eimsbüttel an einer Verkehrskontrolle vorbeigefahren, mit 86 km/h. Ein Polizist habe ihn als letztes Fahrzeug in seiner Schicht anhalten wollen. Der Beifahrer habe ihm geraten, einfach Gas zu geben, erklärte der junge Mann vor Gericht, und so habe er den Wagen, einen schwarzen BMW, beschleunigt. Wie auf einem Formel-1-Kurs durch Hamburg Über die nächste Kreuzung sei der Angeklagte mit 122 Kilometern pro Stunde bei Rot gerast, über die folgende in der Nähe der U-Bahnstation Schlump mit 146. In dem Prozess, der bis zur Urteilsverkündung unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt wurde, habe sich das Gericht mehrfach die Videoaufzeichnung der Polizei angesehen. „Sie fuhren durch Hamburg wie auf einem Formel-1-Kurs“, sagte die Vorsitzende der Kammer. Auf der Kennedybrücke habe der 18-Jährige in einer für ihn uneinsehbaren Linkskurve auf die Gegenfahrbahn gelenkt, obwohl ihm gerade noch eine Fahrzeugkolonne entgegengekommen war. „Das war nur noch Harakiri, das war eine Wette auf Leben und Tod“, sagte die Richterin. Sein eigenes Leben und das anderer Menschen seien ihm gleichgültig gewesen. „Ich wollte der Polizei entkommen“, habe der Angeklagte vor Gericht erklärt. Der 3er-BMW sei sein erstes Auto gewesen, das er sich als 17-Jähriger ohne Führerschein für 3700 Euro gekauft hatte. Angeblich hatte der mit 13 Jahren nach Deutschland gekommene Afghane den Wagen mit seinem Bürgergeld bezahlt. Doch das glaubte ihm das Gericht nicht. Er habe es wahrscheinlich durch Einnahmen aus dem Handel mit Marihuana finanziert. Der Flüchtling, der in Hamburg nur einen älteren Bruder habe, habe schnell Deutsch gelernt, aber weder die Schule abgeschlossen noch eine Ausbildung gemacht. Der 35-Jährige, der bei dem Unfall starb, habe ihm einen Job bei einer Securityfirma besorgt, die auf einer Baustelle an der Universität tätig war. Zu Fahrtbeginn Joint geraucht Das Auto sei für den Angeklagten ein Statussymbol gewesen, mit dem er auf Tiktok angegeben habe, sagte Meier-Göring. Er habe den Wagen mit gestohlenen Kennzeichen, ohne Versicherung und häufig unter Cannabiseinfluss gefahren. An jenem Samstagmorgen Ende Januar hatte er seinen Kollegen in Altona abgeholt, um zur Arbeit zu fahren. Doch zunächst hätten beide Männer im Auto gemeinsam einen Joint geraucht. Mit seiner Flucht habe der Angeklagte die Beschlagnahme des Wagens verhindern wollen. Denn das war ihm im Jahr davor schon einmal passiert, mit dem Auto seines älteren Bruders. Die Polizei hatte bei einer Kontrolle starken Marihuanageruch wahrgenommen und in dem Fahrzeug Drogen entdeckt, wie die Richterin weiter erklärte. Das Urteil ist bisher nicht rechtskräftig.