Militärkonvois, Hubschrauberflüge und Übungen im Hafengebiet: Von Donnerstag an wird die Bundeswehr in Hamburg wieder deutlich sichtbarer sein als sonst. Bei „Red Storm Charlie“ trainieren Soldaten, Behörden, Hilfsorganisationen und erstmals auch hunderte Unternehmen die Zusammenarbeit in Krisen- und Ausnahmesituationen. An der dritten Auflage der Übungsreihe „Red Storm“ beteiligen sich nach Angaben des Landeskommandos Hamburg rund 500 Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 60 zivile Organisationen. Parallel testen rund 250 Unternehmen im Rahmen von „Red Storm Business“ ihre Krisenfähigkeit während eines simulierten Stromausfalls. Das Grundszenario entspricht den Vorjahren und ihren Übungen „Red Storm Alpha“ und „Red Storm Bravo“. Im Mittelpunkt steht die Simulation einer Verlegung von Truppen und Material in Richtung der NATO-Ostflanke. Die Bundeswehr nutzt dieses Szenario als Rahmen für weitere Lagen, die gemeinsam mit zivilen Partnern geübt werden. Durchgespielt werden unter anderem ein Drohnenangriff auf einen zivil-militärischen Konvoi, ein Chemieunfall, die Sabotage eines Zuges mit militärischen Gütern sowie die Versorgung einer größeren Zahl Verletzter. Die Gesundheitsbehörde richtet dafür eine Behelfsnotaufnahme in einer Tiefgarage ein. Auch Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Hilfsorganisationen sind beteiligt. Für die Hamburger wird die Übung spürbar sein. Nach Angaben des Landeskommandos werden bis zu 70 Militärfahrzeuge in der Stadt unterwegs sein, darunter gepanzerte Fahrzeuge und Lastwagen aus mehreren norddeutschen Standorten. Zudem sind an allen drei Tagen Hubschrauberflüge geplant. Größere Truppenbewegungen sollen allerdings überwiegend nachts stattfinden, um den Verkehr möglichst wenig zu beeinträchtigen. Zivile Beteiligte werden mehr Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und zunehmende hybride Bedrohungen sei es notwendig, sich auf entsprechende Szenarien vorzubereiten, sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD). Die Übungslage sei „im Kern wie in den Vorjahren eine militärische Logistikübung, Truppenverlegung in Richtung der NATO-Ostgrenze“. Neu ist vor allem die deutlich stärkere Beteiligung ziviler Akteure. „Während die Anzahl der Soldatinnen und Soldaten bei Red Storm 2025 und 2026 mit rund 500 Soldaten gleichgeblieben ist, hat sich die Anzahl der zivilen Akteure von zwölf auf 60 erhöht“, sagte Kapitän zur See Kurt Leonards, Kommandeur des Landeskommandos Hamburg. „Die Soldatinnen und Soldaten bilden also hier die Minderheit.“ Leonards bezeichnete „Red Storm Charlie“ als „zivil-militärische Awareness-Übung“. Ziel sei es, Kommunikationswege, Zuständigkeiten und Schnittstellen zwischen militärischen und zivilen Akteuren unter möglichst realistischen Bedingungen zu erproben. Zu den beteiligten Partnern zählen neben Behörden und Blaulichtorganisationen auch Unternehmen aus den Bereichen Logistik, Luft- und Raumfahrt, Schiffbau, Gesundheitswesen, Einzelhandel und Lebensmittelversorgung. Parallel zur Übung startet erstmals „Red Storm Business“. Nach Angaben der Handelskammer beteiligen sich rund 250 Unternehmen an einem gemeinsamen Aktionstag. Sie simulieren einen längeren Stromausfall und überprüfen Notfallpläne, Kommunikationswege und kritische Geschäftsprozesse. „Blackout ist das eine, was jeden betreffen kann. Cyberangriff ist das andere, von hoher Relevanz“, sagte Grote. Die Verantwortlichen nutzen die Übung zugleich, um für mehr Eigenvorsorge zu werben. Bürger sollten sich über Warnsysteme informieren, Vorräte anlegen und einen Notfallrucksack bereithalten. „Wir werden diese Gesamtresilienz nicht erreichen, wenn das Thema Eigenvorsorge nicht funktioniert“, sagte Grote. „Red Storm Charlie“ knüpft an die Übungen „Red Storm Alpha“ im Jahr 2024 und „Red Storm Bravo“ im vergangenen Jahr an. Nach Abschluss sollen die beteiligten Organisationen die Ergebnisse auswerten und Erkenntnisse in die Planung weiterer Übungen einfließen lassen.