Welt 22.09.2026
14:00 Uhr

Wegen AfD-Kandidatur bei Kommunalwahl – Caritas kündigt Erzieherin in Salzgitter


Weil sie mit ihrer Kandidatur für die AfD gegen christliche Grundsätze verstoßen haben soll, hat die Caritas eine Mitarbeiterin entlassen. Nun klagt die 43-Jährige dagegen. Laut ihrem Anwalt soll sie gar kein Mitglied der Partei sein.

Wegen AfD-Kandidatur bei Kommunalwahl – Caritas kündigt Erzieherin in Salzgitter

Weil sie für die AfD bei der Kommunalwahl kandidiert hatte, hat die Caritas einer Erzieherin aus dem niedersächsischen Salzgitter gekündigt. Dagegen wehrt sich die 43‑Jährige nun vor Gericht. Die Kündigungsschutzklage sei beim zuständigen Arbeitsgericht Braunschweig erhoben worden, sagte ihr Anwalt Dirk Schmitz. Das Gericht bestätigte den Eingang der Klage (Az.: 3 Ca 472/26). Ein Gütetermin sei für den 9. Oktober angesetzt, teilte ein Sprecher den „Braunschweiger Nachrichten“ mit. Als Begründung für die Kündigung gab die Caritas an, dass eine Kandidatur für die AfD und die Arbeit für den katholischen Verband nicht miteinander vereinbar seien. Neben grundsätzlichen Überlegungen, einer christlichen Haltung und Werteorientierung sei auch die Authentizität des Verbandes entscheidend, hieß es in einer Stellungnahme. In den Einrichtungen und Diensten der Caritas könnten alle Klienten und Mitarbeitenden darauf vertrauen, dass ihnen mit Achtung und Empathie begegnet werde, unabhängig von Herkunft, Nationalität, Religion, Weltanschauung, sozialem Status oder persönlicher Lebenssituation. „Dieses Vertrauen zu schützen, gehört zu unserem Selbstverständnis.“ Nach gründlicher Abwägung habe sich der Verband deshalb entschieden, das Beschäftigungsverhältnis mit der Erzieherin zu beenden. Der Verfassungsschutz hat die AfD in Niedersachsen als rechtsextremistisches Beobachtungsobjekt eingestuft. Die Partei wehrt sich allerdings juristisch dagegen. Bei der Kommunalwahl in Niedersachsen hatte die AfD am 13. September auf Kreisebene 15,9 Prozent der Stimmen erhalten und ihr Ergebnis im Vergleich zu 2021 damit mehr als verdreifacht (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6aa795242c4aba9420236695/kommunalwahl-niedersachsen-afd-vervierfacht-in-stade-goettinger-gruene-mit-ueber-40-prozent-influencer-schlaegt-cdu-und-spd.html) . Salzgitter gilt seitdem als Hochburg der AfD: Die Partei wurde mit knappem Vorsprung stärkste Kraft im dortigen Stadtrat und erreichte die Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt. Nach Angaben des Anwalts ist die Erzieherin Kerstin Zimmermann trotz ihrer Kandidatur für die AfD kein Mitglied der Partei. Dennoch erhielt sie 27,77 Prozent der Wählerstimmen und erzielte bei der Wahl zum Ortsrat Salzgitter-West 396 Stimmen. Damit habe sie das drittbeste Ergebnis aller Bewerber in diesem Wahlbezirk geholt, heißt es bei der „Bild“-Zeitung (verlinkt auf https://www.bild.de/regional/niedersachsen/wegen-afd-kandidatur-caritas-wirft-bodybuilding-weltmeisterin-raus-6aaa7512bfb40073cb2f38b1) . In dem Kindergarten, bei dem es sich um eine inklusive Einrichtung der Caritas handelt, ist Zimmermann bereits seit mehr als fünf Jahren tätig. In dieser Zeit habe es keinerlei Kritik an ihrer Arbeit gegeben. „Im Gegenteil: Alle waren stolz, eine Weltmeisterin und starke Frau im Kindergarten als positives Vorbild und liebevolle Kindergärtnerin zu haben.“ Zimmermann hatte vor wenigen Wochen den Weltmeistertitel im Bodybuilding errungen. Die Erzieherin ist nicht der erste Fall einer AfD-Kandidatin, die ihren Job verloren hat. In Jever war bereits vor der Wahl einer Mitarbeiterin eines evangelischen Hospizes nach 15 Jahren von der diakonischen Organisation „Mission: Lebenshaus“ wegen einer AfD-Kandidatur gekündigt worden (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a873cf96b53e64effb7a866/afd-fristlose-kuendigung-wegen-kandidatur-jetzt-leitet-sie-rechtliche-schritte-ein.html) . In der Begründung hieß es ebenfalls, dass die Kandidatur für eine rechtsextremistische Partei in einem Spannungsverhältnis zu den Grundwerten von Diakonie und Kirche stehe. Ein Gütetermin vor dem Arbeitsgericht Wilhelmshaven ist ebenfalls für den 9. Oktober vorgesehen. Obwohl die AfD viele Sitze in den Kommunalvertretungen gewonnen hat, bleiben diese bislang unbesetzt. Landesweit bleiben jedoch 314 Sitze in den Kommunalvertretungen offen, darunter sind 258 Mandate der AfD. Die Gemeindewahlergebnisse aus dem Landkreis Rotenburg sind darin noch nicht berücksichtigt. „Ausschlaggebend dafür ist der hohe soziale Druck auf Kandidaten. Wer öffentlich für uns antritt, muss Anfeindungen und berufliche Nachteile in Kauf nehmen“, hatte AfD-Landeschef Ansgar Schledde erklärt (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/article6aabb93a6c12d34b7f43d864/niedersachsen-anfeindungen-und-berufliche-nachteile-afd-beklagt-druck-auf-kandidaten.html) . „Das schreckt Menschen ab, die inhaltlich mit uns übereinstimmen.“