Welt 29.09.2026
03:50 Uhr

„Wenn sie Teil des Problems bleibt, dann stirbt die Union“ – Baumann geht Schulze scharf an


Gibt es mehr Überschneidungen zwischen CDU und AfD als zwischen Union und SPD? Das wollte Sandra Maischberger mit Sven Schulze und Bernd Baumann klären. Beide Gäste lieferten sich einen harten Schlagabtausch.

„Wenn sie Teil des Problems bleibt, dann stirbt die Union“ – Baumann geht Schulze scharf an

Was verbindet AfD und CDU? Das wollte Sandra Maischberger am Montagabend in ihrer Sendung von ihren Gästen wissen. Ein heikles Hinterfragen, wurde doch schon so viel über die Brandmauer diskutiert. Antworten erhoffte sie sich vom jüngst abgewählten Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Sven Schulze (CDU), und dem Parlamentarischen Geschäftsführer der AfD, Bernd Baumann. Schulze wich der Frage nach der Schuld des Bundeskanzlers am Wahldebakel der CDU nicht aus. Er sagte: „Friedrich Merz hat eine Rolle gespielt, aber es wäre zu einfach, das nur auf Friedrich Merz herunterzubrechen.“ Schulze betonte zudem, er selbst habe es nicht geschafft, seine guten Persönlichkeitswerte auf die Partei zu übertragen und müsse deshalb Verantwortung übernehmen. „Mir ist es nicht gelungen, diese Wahl besser zu gestalten“, sagte er, „deshalb bin ich auch als Parteivorsitzender zurückgetreten.“ Schulze sagte jedoch auch, die CDU müsse in Gänze als Partei anders auftreten. „Wir alle, auch Friedrich Merz, müssen anders und besser kommunizieren.“ Am Stuhl des Kanzlers zu sägen, würde jedoch nichts bringen. Bernd Baumann bezeichnete hingegen ein Ende der jetzigen Regierungskoalition mit der Folge einer Unions-Minderheitsregierung als die „einzige vertretbare Idee, mit der die CDU überleben kann“. Sie werde sonst zwischen den Blöcken aus AfD und Linken zerrieben. „Wenn sie Teil des Problems bleibt, dann stirbt die Union“, prognostizierte Baumann. Natürlich würde sie nach einem Bruch mit der SPD „ein paar Linksbeseelte und Merkelianer verlieren“, aber immerhin weiter existieren. Baumann kündigte an: „Wir würden im Bundestag jedem Antrag zustimmen, den Merz im Prinzip längst versprochen hat“, und er nannte als Beispiele eine restriktive Migrationspolitik, ein Ende der aktuellen Klimapolitik und Steuersenkungen. „All das wäre sofort möglich, ohne Absprachen, ohne irgendwas.“ „Sie sind keine Partei, die Deutschland nach vorne bringt“ Schulze ging darauf zunächst überhaupt nicht ein, er betonte: „Wenn CDU, CSU und SPD nicht in der Lage sind, Probleme in Deutschland zu lösen, haben wir wirklich ein maximales Problem.“ Dann sprach er die fehlende Verlässlichkeit der AfD an: „Ich habe mich intensiv mit Ihren Inhalten beschäftigt. Sie sind keine Partei, die Deutschland nach vorne bringen kann. Sie versprechen alles, merken dann aber – das sieht man in Sachsen-Anhalt gerade –, dass Regieren etwas anderes ist als Oppositionspartei zu sein, als die man alles Mögliche versprechen kann.“ In den kräftigen Applaus des Publikums hinein wagte Maischberger den Versuch, bei beiden Gästen Standpunkte abzufragen, um mögliche Gemeinsamkeiten zu finden. Das ging schief. Lediglich bei der Frage, ob Deutschland Mitglied der Nato bleiben solle, waren sich beide einig. Dann verließen die beiden inhaltliche Streitpunkte und widmeten sich – wie so oft – den Kernvorwürfen. Baumann behauptete, die Union würde sich Gesprächen mit der AfD verweigern und hinter einer Brandmauer verstecken. Schulze erinnerte ihn an die zahlreichen Rechtsextremisten in den Reihen der AfD: „Da haben Sie ein Problem, und das wissen Sie auch. Das ist ein Problem, das Sie lösen müssen, aber das tun Sie nicht. Im Gegenteil, Sie werden immer radikaler.“ Baumann hielt das für Blödsinn und skizzierte Schulze eine Union, die an dem Versuch, die AfD kleinzureden, zerbrechen werde. Nein, an diesem Abend gingen Union und AfD nicht aufeinander zu. Schulzes Fazit fiel dafür zu klar aus: „Eine Lösung unserer Probleme ist nicht eine Koalition mit der AfD.“