Welt 09.03.2026
17:56 Uhr

Wie ein Professor der Polizeiakademie um seinen Ruf kämpft


Die Gewerkschaft der Polizei bezichtigt einen Professor der Bundespolizeiakademie, ein „ausgewiesener Rechtsextremist“ zu sein. Der Ausbilder sieht sich als Opfer einer Rufmordkampagne – angetrieben von einem Ex-Kollegen und zwei Journalisten.

Wie ein Professor der Polizeiakademie um seinen Ruf kämpft

Wer sich über Stephan Maninger informiert, erfährt auf Wikipedia: „Stephan Rainer Maninger ist ein deutsch-südafrikanischer Entwicklungswissenschaftler und Sachbuchautor sowie Professor für Sicherheitspolitik. Er ist Dozent an der Bundespolizeiakademie.“ Und im nächsten Satz: „Maninger teilt Meinungen der Neuen Rechten.“ Er habe im Unterricht die „Ehe für alle“ mit der Ehe mit einem Hausschwein verglichen, sei Mitbegründer der wichtigsten Denkfabrik der Neuen Rechten und habe sich in Südafrika für einen „Volksstaat für Weiße“ engagiert, ist da zu lesen. Als Beleg wird auch ein Artikel der „ (verlinkt auf https://www.tagesschau.de/investigativ/mdr/bundespolizeiakademie-professor-100.html) Tagesschau“ (verlinkt auf https://www.tagesschau.de/investigativ/mdr/bundespolizeiakademie-professor-100.html) angeführt. Die Vorwürfe klingen ernst. Und so jemand soll an einer Hochschule in Lübeck Polizeischüler unterrichten? Seit Jahren sieht sich der 58-Jährige den Anschuldigungen ausgesetzt. Maninger bestreitet sie alle, sagt, er sei politisch konservativ, nicht mehr und nicht weniger. Seit Jahren setzt er sich auch juristisch zur Wehr (verlinkt auf https://www.hoecker.eu/news/erkl%C3%A4rung-der-kanzlei-h%C3%B6cker-zum-fall-unseres-mandanten-stephan-maninger) . Die Geschichte beginnt an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Lübeck, wo Maninger seit 2016 im Fachbereich Bundespolizei arbeitet. In den vergangenen Jahren hat er dort tausende Polizeischüler unterrichtet. 2018 bekommt Maninger einen neuen Kollegen, der wie er im Bereich Staats- und Gesellschaftswissenschaften unterrichtet: Matthias Lemke. Anfangs scheint sich der neue Kollege gut einzufügen. Bald jedoch fällt Lemke im Kollegenkreis auf. Einmal gerät Maninger mit ihm aneinander, als Lemke fordert, die Bücher von Thilo Sarrazin (unter anderem „Feindliche Übernahme“) aus der Hochschulbibliothek zu verbannen. Maninger lehnt das ab. Doch die Verbissenheit seines Kollegen in einer für ihn unbedeutenden Sache überrascht den Professor. Konkurrenz um Professorenstelle In den Jahren 2019 und 2020 konkurrieren Lemke und Maninger mit anderen Bewerbern um eine Professur – Lemke unterliegt. Maninger wird zum Professor für Sicherheitspolitik im Fachbereich Bundespolizei ernannt und unterrichtet bis heute – Lemkes Werdegang nimmt eine andere Wendung: Er wird 2021 wegen anderweitigen Fehlverhaltens aus der Bundespolizei entlassen. Auf WELT-Anfrage teilt die Behörde mit, aus Datenschutzgründen nichts über die Gründe sagen zu können, die zu Lemkes plötzlicher Entlassung führten. Kurz nach seiner Ernennung zum Professor, erinnert sich Maninger, beginnt das, was er als Rufmordkampagne beschreibt: Der Wikipedia-Artikel über seine Person erhält wenig schmeichelhafte Bearbeitungen. Doch sie sind durch eine seriös wirkende Quelle belegt. Denn parallel erscheint 2021 auf der Online-Plattform „Buzzfeed“ (verlinkt auf https://www.buzzfeed.de/recherchen/bundespolizei-professor-ausbilder-mit-rechter-vergangenheit-90902813.html) (später bekannt als „Ippen Investigativ“) eine Recherche. In dem Text erheben die Autoren Marcus Engert und Aiko Kempen erstmals Vorwürfe einer „rechten Vergangenheit“ gegen Maninger öffentlich. Dabei hatten die beiden Journalisten dem Professor vorab einen Fragenkatalog zugeschickt, Maninger antwortete. So erklärte er zu dem Vorwurf, in Südafrika für einen „Volksstaat für Weiße“ gekämpft zu haben, dass es sich bei der Partei Afrikaner Volksfront (AVF) um einen Zusammenschluss konservativer Parteien, Gewerkschaften und Bauernverbände gehandelt habe. Deren gemäßigte Mehrheit habe maßgeblich zur friedlichen Transformation Südafrikas in den Jahren 1993/94 beigetragen. Eine Fortsetzung der Apartheid habe nie zur Debatte gestanden. Was die Denkfabrik der Neuen Rechten angeht: Maninger war Mitglied im Trägerverein hinter dem Institut für Staatspolitik (IfS). Der Verein sei im Mai 2000 gegründet worden, erklärte Maninger den Journalisten, er sei bereits zum 15.12.2001 ausgetreten. Erst 20 Jahre später, ab 2020, wurde das IfS vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall geführt. Der Artikel über den „Professor mit rechter Vergangenheit“ erscheint trotzdem. Wenig später macht Autor Kempen die Bearbeitungen in Maningers Wikipedia-Artikel publik. „Seit der Veröffentlichung unserer Recherche über einen Sicherheitspolitik-Professor der Bundespolizei wurde dessen Wikipedia-Seite bereits sieben Mal bearbeitet“, schreibt er vier Tage nach Veröffentlichung auf X (damals noch Twitter). Weitere vier Tage später schreibt Kempen: „Mittlerweile sind wir bei 17.“ Wen er mit „Wir“ meint, will Kempen auf Anfrage jedoch nicht verraten. Die Ippen-Gruppe und die Autoren Kempen/Engert trennen sich kurz darauf nach Meinungsverschiedenheiten über die Berichterstattung zu Julian Reichelt. Doch für Maninger hat der Bericht des „Investigativ-Teams“ Folgen: „Die Recherchen würden nun zum Anlass für eine eingehende Prüfung genommen, so eine Sprecherin der Bundespolizei“, wird bereits im Artikel angekündigt. Bundespolizei leitet interne Untersuchung ein Und so kommt es: Die Bundespolizei leitet aufgrund der Vorwürfe eine interne Untersuchung gegen Maninger ein und schließt diese Monate später ab. Das Ergebnis nach 71 Gesprächen mit Kollegen, Schülern und Weggefährten: „Alle angehörten Zeugen haben die Frage verneint, ob Herr Prof. Dr. Maninger jemals eine radikal oder rassistisch geprägte Äußerung getätigt hat.“ Maningers Unterricht sei zudem überwiegend positiv bewertet worden, heißt es in dem abschließenden Bericht (verlinkt auf https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2022/06/untersuchungsbericht-bundespolizei-polizeiprofessor/) . Der Bericht verweist auch darauf, dass Maninger bereits im Jahr 2011 anlässlich einer möglichen Verwendung in Afghanistan vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) überprüft wurde und es keine Sicherheitsbedenken gab. Erste Berichte bei „Frag-den-Staat“ Maninger fühlt sich entlastet. Auch für die Bundespolizei ist der Fall abgeschlossen. Doch nicht für die ehemaligen Ippen-Investigativ-Autoren Engert und Kempen: Bei dem Onlineportal „Frag-den-Staat“, wo Kempen inzwischen eine neue Beschäftigung gefunden hat, veröffentlichen die beiden im Juni 2022 (verlinkt auf https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2022/06/untersuchungsbericht-bundespolizei-polizeiprofessor/) einen Artikel mit dem Titel „Wie unkritisch die Bundespolizei die rechte Vergangenheit eines Polizeiprofessors bewertet“. Als wäre es eine Tatsache, schreiben sie: „Bei der Bundespolizei konnte ein Mann trotz belegbar rechter Vergangenheit es bis zum Professor für Sicherheitspolitik bringen.“ Ex-Kollege veröffentlicht im Jahrbuch für Öffentliche Sicherheit Völlig überraschend muss Maninger im November 2022 im „Jahrbuch Öffentliche Sicherheit“ dann auch eine „Studie“ über sich selbst und seine vermeintlich rechte Gesinnung lesen. In einem Artikel für den NDR (verlinkt auf https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr/bundespolizei-professor-ueberpruefung-101.html) , wo Engert nun arbeitet, fasst der Journalist die Ergebnisse folgendermaßen zusammen: „Das Fazit der Studie: Maningers Publikationen wiesen seit Ende der 1990er-Jahre kontinuierlich neurechte Positionen auf, die mit den Kernelementen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung nicht vereinbar seien.“ Das Bemerkenswerte an der „Studie“: Maninger kennt beide Autoren gut. Es handelt sich um den entlassenen Ex-Kollegen Lemke und Daniel Peters – damals ebenfalls noch ein Kollege und Dozent an der Hochschule. In der „Studie“ werden die Vorwürfe gegen Maninger wiederholt. Dass die Untersuchungen von der Bundespolizei zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen sind, spielt dabei offenbar keine Rolle. Maninger verklagt den Nomos-Verlag und seine Herausgeber, die ebenfalls derzeitige oder ehemalige Kollegen im Fachbereich Bundespolizei sind, auf Unterlassung. Das Urteil steht noch immer aus. Was seine Gegner an diesem Punkt aber erreicht haben: Die Personalie erreicht die Bundespolitik, als unter anderem die damalige Linken-Bundestagsabgeordnete Martina Renner und die erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Irene Mihalic, die Bundesregierung zur „Studie“ befragen. Gutachten entlastet Professor Maningers Dienstherr beauftragt nun zwei Politikwissenschaftler. Prof. Dr. Thomas Jäger (Universität Köln) und Prof. Dr. Joachim Krause (Universität Kiel) sollen unabhängig voneinander die Veröffentlichung über den Professor im „Jahrbuch Öffentliche Sicherheit“ bewerten. Ihr Urteil: „Die Kritik von Lemke und Peters zeichnet sich durch eine völlige Unkenntnis der diesbezüglichen wissenschaftlichen Debatte und einen Umgang mit Zitaten aus, den man als manipulativ und unwissenschaftlich qualifizieren muss.“ Maninger habe sich intensiv mit ethnischen Konflikten befasst. „Aber das ist ja kein Ausweis rechtsextremer Gesinnung“, merkt Krause an. Die Autoren würden Framing betreiben. Wenn Maninger etwa die in der internationalen wissenschaftlichen Debatte völlig unkontroverse Behauptung wiedergebe, wonach multi-ethnische Staaten tendenziell weniger stabil sind als ethnisch homogene, so würden Peters und Lemke daraus ein Bekenntnis zum „Ethnopluralismus“ rechtsextremer Kreise herauslesen. „Damit wird es möglich, jede konservative Meinungsäußerung ins rechtsextreme Lager zu stellen.“ Auffällig sei zudem, dass die Autoren in „geradezu manipulativer Weise mit Zitaten umgehen“. „Wäre dieser Aufsatz einer strengen Begutachtung unterworfen worden, hätte er nicht veröffentlicht werden dürfen“, so Krause. Dafür hätte schon alleine die Tatsache gesprochen, dass die persönlichen Motive von einem der Autoren als entlassener Ex-Kollege doch auf der Hand lägen. „So ein übles Pamphlet ist mir in meiner ganzen wissenschaftlichen Laufbahn noch nicht untergekommen“, sagt Professor Krause gegenüber WELT. Vorstand der Polizeigewerkschaft GdP schaltet sich ein Dennoch schaltet sich nun, im Dezember 2022, die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ein. „Ein Professor, der in seinen Publikationen Auffassungen mit rassistischem Beiklang und pauschale Vorurteile gegen Einwandererfamilien verbreitet, lehrt ausgerechnet das Fach politische Bildung“, heißt es unter anderem in der offiziellen Erklärung (verlinkt auf https://www.gdp.de/bundespolizei-zoll/de/stories/2022/12/2022-12-12_gdp-stellt-sich-klar-gegen-rechtspopulistische-aeusserungen) . Der Professor ist über die öffentliche Stellungnahme schockiert und antwortet der Gewerkschaft per Mail. In dem Schreiben, das WELT vorliegt (verlinkt auf https://stephan-maninger.de/diffamierungskampagne/#gdp) , erklärt er erneut ausführlich, warum aus seiner Sicht an den Vorwürfen gegen ihn nichts dran ist. Er äußert seine Sorge, dass „sich die GdP voreilig aus Fahrlässigkeit – wenn nicht sogar mit Vorsatz – als Instrument eines internen Konfliktes benutzen lässt“. Eine Antwort erhält Maninger nach eigener Aussage nie. Die GdP behauptet auf WELT-Anfrage hingegen, nie eine solche E-Mail erhalten zu haben und merkt an, dass „das Konzept der Rasse das Ergebnis von Rassismus ist und nicht dessen Voraussetzung“. Rassistisches Denken würde unter anderem mit Begriffen wie Ethnopluralismus aufrechterhalten. Dass ein Professor vor Polizeischülern auch nur erwähnen könnte, dass es ethnische Konflikte gibt, scheint für die GdP zu genügen, um den Professor öffentlich zu brandmarken. Dabei lässt die Gewerkschaft geflissentlich außen vor, dass sie selbst regelmäßig Warnungen vor ethnischen Konflikten in Deutschland vertreten hat. In ihrem Mitgliedermagazin heißt es 2011: „Nichtsdestoweniger stellen diese ethnisch geprägten Gangs mit hoher krimineller Energie eine echte Bedrohung dar – und auch eine Herausforderung. In einigen Haftanstalten haben sie inzwischen eigene Kommandostrukturen errichtet, über die zu schreiben aber in vielen Redaktionen schon als grober Verstoß gegen die ‚political correctness‘ gilt.“ Auf WELT-Anfrage bekräftigt die GdP unterdessen weiter: „Es ist Herrn Maninger unbenommen, sich persönlich öffentlich von seinen dem Ethnopluralismus zugeschriebenen Äußerungen, seinen abwertenden und Studierende aus Einwandererfamilien beleidigenden Behauptungen sowie seinen menschenverachtenden Behauptungen zur gleichgeschlechtlichen Ehe vor Studierenden zu distanzieren oder diese richtigzustellen, wenn er sich missverstanden und darüber in seinem Ruf geschädigt sieht.“ Die öffentliche GdP-Erklärung bleibt für Maninger vorerst ohne Folgen. Trotzdem erscheinen in den darauffolgenden Monaten weitere Artikel über ihn, unter anderem bei der „Tagesschau“, „Frag-den-Staat“ und der „Taz“. Dann, im Januar 2025, wenige Wochen vor der Bundestagswahl, startet die GdP noch einmal einen Anlauf und wendet sich an das damals noch SPD-geführte Innenministerium. Bundesvorsitzender Kopelke fordert Nancy Faeser in einem Schreiben auf, das Verfahren gegen Maninger wieder aufzurollen – und empfiehlt auch gleich einen Experten, der ein neues Gutachten schreiben kann: Rechtsextremismusforscher Fabian Virchow. Zum Hintergrund: Die GdP stellt infrage, dass die bisherigen Gutachter überhaupt über „wissenschaftliche Expertise“ in der Extremismusforschung verfügen. Virchow hingegen ist ein Vertrauensdozent der Linken-nahen Rosa-Luxemburg-Stiftung. Er schreibt für das GdP-Mitgliedermagazin und ist Autor in linken Medien wie „enough is enough“, „Graswurzelrevolution“ und „Utopie kreativ“. GdP gibt eigenes Gutachten in Auftrag Das SPD-geführte Innenministerium sieht dafür nach den entlastenden Gutachten der Professoren Krause und Jäger zwar keinen Bedarf mehr. Trotzdem beauftragt die GdP eigenmächtig Virchow damit, Maningers Veröffentlichungen aus den vergangenen 30 Jahren zu analysieren. Nach 111 Seiten kommt er dann auch zu dem Ergebnis, dass es unübersehbar sei, „dass der Autor über einen langen Zeitraum zentrale ethnopluralistische Positionen vertreten hat. Es finden sich zudem Denk- und Argumentationsmuster, die für rechtsextreme Weltdeutungen konstitutiv sind.“ In Maningers militärtechnologischen Texten jüngerer Zeit seien diese Elemente explizit kaum noch zu finden, lässt Virchow immerhin wissen. Für die GdP ist das Gutachten die Bestätigung, die sie sich offenbar gegen Maninger gewünscht hat: Im August dieses Jahres verschickt Bundesvorsitzender Kopelke noch einmal ein Schreiben, diesmal an Innenminister Dobrindt (CSU). Der GdP-Bundesvorsitzende fragt, ob „Maninger aufgrund seiner extremistischen, völkisch-ethnopluralistischen Werke geeignet ist, aktiven Unterricht beim Führungsnachwuchs der Bundespolizei zu betreiben oder ihn in ein Professorenverhältnis auf Lebenszeit zu berufen“. Zudem äußert Kopelke die Sorge, „dass hier ein ausgewiesener Extremist an zentraler Stelle der Werteorientierung des Führungsnachwuchses der Bundespolizei tätig ist“. Das offenkundige Ziel: Maninger muss weg. Von einem „ausgewiesenen Extremisten“ ist jedoch selbst im Gutachten von Virchow nicht die Rede. Stattdessen schreibt Virchow auf Seite 4 selbst: „Es ist nicht Aufgabe des Gutachtens zu prüfen, ob die Ausführungen von Prof. Dr. Maninger im Lichte wissenschaftlicher Erkenntnisse haltbar sind oder nicht.“ Die öffentlichen Schmähungen der GdP markieren für Maninger den vorläufigen Höhepunkt der Rufmordkampagne gegen sich. Doch Unterstützung von seinem Arbeitgeber bekommt er nicht. Sowohl das Innenministerium als auch die Bundespolizei teilen mit, sich nicht zu Verlautbarungen der Gewerkschaft zu äußern. Lemke bleibt unterdessen auch nach seiner Entlassung aus der Bundespolizei im Kreis der GdP gern gesehener Seminarleiter im Bereich der politischen Bildung. In einem aktuellen Seminar vom 10. bis zum 12. November (verlinkt auf https://www.instagram.com/p/DQ4gAkjDfrN/) beleuchtet er den Aspekt „Fakt oder Fake“, in anderen GdP-Seminaren zur „Demokratiestärkung“ geht er darauf ein, wie „Fake News eine Gefahr für die Demokratie darstellen können“. Von gemeinsamen Besuchen im Bundestag (verlinkt auf https://matthiaslemke.com/2023/08/18/fachtagung-demokratie-mit-der-gdp/) und Gesprächen mit Abgeordneten ist die Rede. Lemke lässt auf WELT-Anfrage über seine Anwältin ausrichten, sich nicht zu dem Sachverhalt zu äußern. Maningers Ex-Kollege ist wiederum auch gut mit dem ehemaligen Ippen-Investigativ-Autor Kempen bekannt. Dieser hielt bereits in Lemkes Ringvorlesung an der Akkon Hochschule, wo dieser mittlerweile beschäftigt ist, einen Online-Vortrag über rechtsextreme Chatgruppen in der hessischen Polizei (verlinkt auf https://matthiaslemke.com/2024/04/15/ringvorlesung-demokratische-resilienz/) . Der Journalist (unter anderem Autor des Buchs „Auf dem rechten Weg? Rassisten und Neonazis in der Deutschen Polizei“) berichtet noch immer regelmäßig bei „Frag-den-Staat“ über Maninger – genauso wie sein Ex-Kollege Marcus Engert. Letzterer schreibt nach kurzer Station beim NDR inzwischen beim MDR (verlinkt auf https://www.tagesschau.de/investigativ/mdr/bundespolizeiakademie-professor-100.html) über Maninger. In seinem jüngsten Bericht vom September wirft Engert die Frage auf, ob der „Professor mit rechter Vergangenheit“ nun auch noch Professor auf Lebenszeit wird. Auf WELT-Anfrage bestreiten Kempen und Engert, eine Kampagne gegen Maninger zu fahren. „Ob Herr Maninger gefährlich ist, kann jede*r mündige*r Bürger*in selbst bewerten“, sagt Engert auf WELT-Anfrage. Beide verweisen auf ein Urteil des Landgerichts Köln aus dem Jahr 2021, in dem Maninger mit einer Klage gegen sie auf Unterlassung unterlag. Damals stellte das Gericht fest, dass es sich um wahre Tatsachenbehauptungen über einen Mann handelt, der „eine besondere Verantwortung für Sicherheitsbelange und die Rechtsstaatlichkeit polizeilichen Handelns“ innehat. Das Urteil bezog sich aber nur auf die erste gemeinsame Ippen-Recherche (verlinkt auf https://www.buzzfeed.de/recherchen/bundespolizei-professor-ausbilder-mit-rechter-vergangenheit-90902813.html) . Alle anderen Artikel haben die Autoren erst danach veröffentlicht – manche gemeinsam, andere offenbar unabhängig voneinander. Wie weit die Journalisten offenbar bereit sind zu gehen, zeigt diese Anekdote: Laut dem internen Untersuchungsbericht der Bundespolizei rief Engert im August 2021 bei der Bundespolizeiakademie an und behauptete, jemand habe gesehen, wie der Professor gemeinsam mit seiner Frau und den Kindern Waffen über den Zaun in den Garten der Nachbarn schaffe. Obwohl nachweislich weder Maninger noch seine Frau zu dem Zeitpunkt zu Hause waren, rückten Ermittler der Innenrevision an. Im Bericht heißt es dazu: „In der Gesamtschau erscheinen die vorgetragenen Äußerungen bereits bei objektiver Würdigung der vor Ort festgestellten örtlichen Gegebenheiten als ausgesprochen unglaubhaft.“ Hinweis der Redaktion: Von Stephan Maninger existieren öffentlich keine Fotos. Herr Maninger möchte, dass das so bleibt, weshalb wir kein Foto von ihm zeigen. Aktualisierung: In einer vorherigen Version des Artikels hatten wir berichtet, dass Prof. Maninger „mittlerweile Strafanzeige gegen den GdP-Bundesvorsitzenden Jochen Kopelke wegen übler Nachrede und Verleumdung gestellt“ hat. Diese Strafanzeige stammte aus dem September 2025, die Staatsanwaltschaft hatte mit Verfügung vom 12.11.2025 die Aufnahme von Ermittlungen abgelehnt. Hiergegen hat Prof. Maninger aktuell Beschwerde eingelegt. Die Redaktion.