Welt 05.10.2026
07:44 Uhr

Wolf Biermann nennt Netanjahu und seine Regierung „schlimmste Antisemiten“


Liedermacher Wolf Biermann greift Regierungschef Benjamin Netanjahu scharf an. Die Regierung verwandle Israel in einen „reaktionären, brutalen Unterdrückerstaat“.

Wolf Biermann nennt Netanjahu und seine Regierung „schlimmste Antisemiten“

Liedermacher Wolf Biermann wendet sich anlässlich der Veröffentlichungen seiner Tagebücher mit scharfer Kritik an die israelische Regierung. „Was sie jetzt in Israel im Gazastreifen machen, ist natürlich kein Genozid, aber es ist ein Kriegsverbrechen. Ohne Wenn und Aber! Das tut vielen Menschen auf der Welt weh. Aber mir doppelt und dreifach“, sagte Biermann der Nachrichtenagentur dpa in einem Interview. Biermann hat jüdische Wurzeln. Seine Familie wurde im Holocaust ermordet. Auf die Frage, ob sich angesichts des offenen Antisemitismus die historische Scham verliere, sagte Biermann: „Das funktioniert deswegen so gut, leider, weil die schlimmsten und gefährlichsten Antisemiten im Moment in Israel leben und dabei sind, dieses Land in einen reaktionären, brutalen Unterdrückerstaat zu verwandeln.“ Seine Hoffnung auf ein demokratisches, menschliches Israel sei dahin. Mit Blick auf den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu und dessen Regierung sprach Biermann von „Lemuren“ in Israel, ein Bezug auf Goethe. Lemuren sind in Johann Wolfgang von Goethes „Faust II“ Totengeister, die dem Teufel dienen. „Ich bin doppelt und dreifach verzweifelt darüber, weil mein Sohn Felix gegen meinen Rat zum Judentum konvertiert ist“, so Biermann weiter. „Als er diesen Schritt machte, sagte ich: Felix, du bist jüdisch genug, du musst nicht konvertieren. Die Konvertiten sind oft schrecklich übertriebene Leute. Du bist ein Mensch. Das reicht. Er lebt jetzt dort mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Tel Aviv.“ Biermann stellt auf der Frankfurter Buchmesse am 7. Oktober unter dem Titel „Ihr löscht das Feuer mit Benzin“ Auszüge aus seinen Tagebuchaufzeichnungen vor. Darin widmet er sich vor allem seiner Zeit in der DDR und nach der Ausbürgerung bis zum Fall der Mauer 1989. Biermann wird am 15. November 90 Jahre alt. Seine Ausbürgerung aus der DDR jährt sich am 16. November zum 50. Mal. Aus diesem Anlass erscheinen nicht nur die Tagebücher, sondern auch ein Lyrikband und ein neu aufgelegtes Kinderbuch. Ferner veröffentlicht Biermann zwei neue Musikalben und geht auf Tournee. Am 29. Oktober hat zudem der biografische Dokumentarfilm „Biermann“ von Regisseur Jens Meurer Premiere.