Nach den tödlichen Schüssen auf einem Gewerbehof im Hamburger Stadtteil St. Pauli (WELT berichtete) ist auch die Identität des zweiten Todesopfers geklärt. Bei dem Mann handelt es sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft um einen 33-Jährigen. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass ein 47 Jahre alter Mann bei der Tat ums Leben kam. „Zum Hintergrund können wir sagen, dass Anhaltspunkte für eine mögliche Auseinandersetzung im Milieu bestehen“, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft mit. Weitere Einzelheiten nannte die Behörde zunächst nicht. Vieles deutet auf Streitigkeiten im Bereich der organisierten Kriminalität hin. Zeugen hatten am späten Dienstagabend gegen 21.35 Uhr Schüsse auf dem Gewerbegelände an der Lagerstraße gehört und die Polizei alarmiert. Der Tatort liegt zwischen dem Schanzenviertel und den Hamburger Messehallen auf dem Gelände des früheren Schlachthofs. In einem dortigen Gebäude sind unter anderem ein Fleischgroßhändler und ein bekannter Boxclub untergebracht. Auf dem Parkplatz fanden die eintreffenden Beamten den schwer verletzten 47-Jährigen. Polizisten leisteten Erste Hilfe. Der Mann wurde später in einem Rettungswagen behandelt, starb jedoch an seinen Verletzungen. Bei der anschließenden Durchsuchung des Gebäudes entdeckten die Einsatzkräfte den ebenfalls tödlich verletzten 33-Jährigen. Ein dritter Mann wurde durch einen Schuss verletzt. Der 48-Jährige hatte den Tatort bereits verlassen, bevor Polizei und Rettungskräfte eintrafen, und sich selbstständig in das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf begeben. Nach NDR-Informationen erlitt er einen Streifschuss am Kopf. Dunkles Fahrzeug raste laut Zeugen davon Augenzeugen wollen nach den Schüssen ein dunkles Fahrzeug beobachtet haben, das mit hoher Geschwindigkeit vom Tatort davonfuhr. Laut Medienberichten achteten die Fahnder auch auf Fahrzeuge mit niederländischen Kennzeichen. Eine Verbindung zu einem Schusswaffenvorfall in den Niederlanden wurde in den Berichten als mögliche Ermittlungsrichtung genannt, von den Hamburger Behörden aber bislang nicht bestätigt. Noch in der Nacht leitete die Polizei eine Großfahndung mit mehr als zwei Dutzend Streifenwagen ein. Auch Kräfte der Bundespolizei, ein Diensthundführer und eine Drohne waren im Einsatz. Gefasst wurde bislang niemand. Die Ermittler gehen nach Polizeiangaben von einer „Tatvorbeziehung“ aus. Opfer und Täter sollen sich demnach gekannt haben und nicht zufällig aufeinandergetroffen sein. Welche Verbindung zwischen den Beteiligten bestand und wie viele Schützen an der Tat beteiligt waren, ist weiterhin offen. Schon früherer Angriff mit Handgranate Die Mordkommission und die Abteilung für Kapitaldelikte der Hamburger Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen übernommen. Nach Angaben des NDR wurden am Tatort Waffen, Munition und mehrere Fahrzeuge sichergestellt. Besondere Bedeutung dürfte bei den Ermittlungen ein weiterer Vorfall auf demselben Areal erhalten. Am 26. Juni hatten Unbekannte eine Handgranate auf das Betriebsgelände geworfen. Der Sprengkörper detonierte und beschädigte das Gebäude sowie mehrere abgestellte Fahrzeuge. Menschen wurden damals nicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft erklärte, mögliche Zusammenhänge zwischen der Explosion und den tödlichen Schüssen würden geprüft. Der Boxclub, in dessen Umfeld die Schüsse fielen, musste nach Angaben des NDR vor etwa sechs Wochen Insolvenz anmelden. Ob die Tat unmittelbar mit dem Boxclub, einem der anderen Betriebe auf dem Gelände oder persönlichen beziehungsweise geschäftlichen Beziehungen der Beteiligten zusammenhängt, ist nicht bekannt. Die Polizei bittet Zeugen, die im Bereich der Lagerstraße verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen haben, sich zu melden. Hinweise nimmt die Polizei Hamburg unter der Telefonnummer 040 4286-56789 sowie auf jeder Polizeidienststelle entgegen.