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08.03.2026
19:05 Uhr
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Cem Özdemir triumphiert in Baden-Württemberg auf eine bemerkenswerte Weise: Er stellt Grundregeln der Politik auf den Kopf. Seine Partei darf beunruhigt sein.

Besteht die Kunst der Politik tatsächlich darin, das Unmögliche möglich zu machen, dann sind Cem Özdemir an diesem Wahlsonntag gleich zwei Kunststücke gelungen (falls die Zahlen im Verlauf des Abends nicht doch noch dramatisch kippen sollten). Zum einen hat er einen Sieg errungen, den vor zwei Wochen kaum jemand für möglich gehalten hat. Und zum anderen hat er dies fertiggebracht, indem er eine Grundregel der Politik auf den Kopf stellte: Nicht die Einheit von Kandidat und Partei strebte er im Wahlkampf an, sondern die maximale Distanz zwischen beiden. Kein Grünen-Logo auf den Wahlplakaten, heftige Angriffe auf die "Parolen aus dem Wolkenkuckucksheim" der Parteilinken, Abschiebeankündigungen in der Migrationspolitik, Wirtschaft vor Klimaschutz: Nie war ein Anti-Grünen-Wahlkampf so erfolgreich wie der des grünen Spitzenkandidaten in Baden-Württemberg. Es ist ein Sieg im Namen der Grünen, aber nicht der Grünen. Es ist der Triumph des Cem Özdemir.