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14.03.2026
10:54 Uhr
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Der Schauspieler Timothée Chalamet lästert vor Kameras über Oper und Ballett – und die Hochkultur rastet aus. Dabei zieht der Mann doch eine Grenze, auf die es ankommt.

In der Reihe "Die Pflichtverteidigung" ergreifen wir das Wort für Personen, Tiere, Dinge oder Gewohnheiten, die mehrheitlich kritisiert und abgelehnt werden. Dieser Artikel ist Teil von ZEIT am Wochenende, Ausgabe 11/26. Es herrscht Aufregung in unserer kleinen Welt der Kultur. Ein bekannter Künstler hat etwas Abschätziges über andere Künstler gesagt. Was nun eigentlich nicht besonders unüblich ist, es gibt musikalische Genres (Hip-Hop), deren Geschäftsmodell weitgehend darauf beruht, dass Künstler schlechte Dinge über andere Künstler sagen; üblicherweise quittiert man das ja nur noch mit Achselzucken. Diesmal herrscht aber Empörung. Denn bei dem bekannten Künstler handelt es sich um den Schauspieler Timothée Chalamet, der besonders bei jungen Leuten sehr beliebt ist. In seinen letzten Filmen trat er etwa als Pingpongspieler oder Protestsänger auf. Pingpong und Protest findet er gut, auch Singen und Gitarre spielen kann er so leidlich. Aber er würde "niemals in der Oper oder im Ballett arbeiten", so hat er es vergangene Woche gesagt – weil das einfach "keinen interessiert". Er sagte es, ohne dafür einen erkennbaren Anlass zu haben, denn soweit wir wissen, wurde Timothée Chalamet bislang weder die Rolle als Wotan noch als sterbender Schwan angeboten.