Zeit 05.10.2026
16:13 Uhr

(+) Hirnforschung im Nationalsozialismus: »Diese Mediziner waren nicht einfach Psychopathen«


Der Historiker Volker Roelcke hat untersucht, wie Hirnforscher sich den Bedingungen des Naziregimes anpassten. Daraus lassen sich auch Schlüsse für die Gegenwart ziehen.

(+) Hirnforschung im Nationalsozialismus: »Diese Mediziner waren nicht einfach Psychopathen«
Wir leben in Zeiten, die uns einiges Kopfzerbrechen bereiten. Deshalb fragen wir in dieser Serie, was interessante Köpfe gegenwärtig bedenkenswert finden. Heute antwortet der Medizinhistoriker Volker Roelcke, der die Hirnforschung im Nationalsozialismus untersucht. DIE ZEIT: Volker Roelcke, worüber denken Sie gerade nach? Volker Roelcke: Ich frage mich, unter welchen Bedingungen Wissenschaftler beginnen, sich an extreme, auch an menschenverachtende politische Kontexte anzupassen. Zusammen mit einigen Kollegen und einer Kollegin habe ich das anhand des Beispiels von prominenten Hirnforschern untersucht, die im Nationalsozialismus und in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik an den Gehirnen von Opfern der sogenannten Euthanasie erforscht haben, welche Besonderheiten erblich sind und welche nicht. Interessant ist dabei: Diese Forschungen wurden von international führenden Neurowissenschaftlern durchgeführt, die nicht einfach als fanatische Nazis abgetan werden können.