Zeit 06.06.2026
10:28 Uhr

(+) Lilli Tollkien: So düster kann die Freiheit sein


Was für ein schlimmes und schönes Leben: Lilli Tollkien erzählt in ihrem Debütroman eine Kindheit im Kreuzberg der Achtzigerjahre.

(+) Lilli Tollkien: So düster kann die Freiheit sein
Das herrliche freie Leben in Kreuzberg in den Achtzigerjahren. Freie Liebe, freie Drogen auf diesem ummauerten Planeten des zwanglosen Lebens. Die Zeit scheint stillzustehen, wer jetzt jung ist, wird es immer bleiben. Rücksicht nehmen? Nur auf sich selbst! Wer trotzdem heult, ist dumm oder verrückt oder hängen geblieben auf irgendeinem Trip. Am Beginn dieses Jahrzehnts des rasenden Stillstands in West-Berlin kommt ein kleines Mädchen auf die Welt, viel zu früh, Lale. Ihre Mutter ist heroinabhängig, der Vater hat gerade wieder eine Bank überfallen. Kaum geboren, muss sie ihren ersten Entzug machen von den Drogen, die sie schon im Mutterleib zu sich genommen hat, sie kommt in den Brutkasten statt an die Mutterbrust. Und wächst in diese ganzen großen Freiheiten hinein. In das freie Leben der Erwachsenen. Für Lale ist es: das Grauen.